12hWache: Die Berliner Polizei als Freund und Twitterer

12hWache: Die Berliner Polizei als Freund und Twitterer

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Artikelbild - 12hWache - die Berliner Streifen twittern (Copyright: Berliner Polizei, @PolizeiBerlin_E)
12hWache - Alltag der Polizei getwittert (Copyright: Berliner Polizei, @PolizeiBerlin_E)

„Gelegenheit macht Diebe“ – so könnte man das Fazit der zwölfstündigen Twitter-Aktion der Berliner Polizei benennen, doch solch eine einfache Formulierung würde  der Aktion nicht gerecht.

Die Berliner Beamten berichten unter dem Hashtag #12hWache über zwölf Stunden hinweg von den Ereignissen während ihrer Schichten – sowohl in deutscher, als auch englischer und türkischer Sprache. Doch auch wenn Eigentumsdelikte einen großen Teil der heutigen Ereignisse einnehmen – der Alltag eines Polizisten umfasst mehr, als nur das Entgegennehmen von Diebstahlsmeldungen.

Hier eine Zusammenfassung von Ereignissen und die Interpretation von Beobachtungen, die im Lauf der Aktion gemacht wurden.

Wenn das Geld zu locker sitzt

Anders als bei der Twitter-Aktion „24h Streife mit der Polizei“ die am 7/8.Juni stattfand, schien die Zahl der Gewaltdelikte niedriger zu sein. Das mag an den eher kühlen Temperaturen liegen, bei denen man weniger hitzig reagiert –  trotz des eines oder oder anderen Glühweins.

Auffällig war die Zahl der Taschendiebstähle, Ladendiebstähle, sowie anderer Eigentumsdelikte – vielleicht ebenfalls  ein Hinweis darauf, dass in der Weihnachtsmarktsaison der eine oder andere Passant auch im doppelten Sinne sein Geld locker sitzen hat.

Gerade für Touristen ist es natürlich besonders ärgerlich, wenn neben der Barschaft auch noch wichtige Papiere entwendet werden. Die Polizei wies in Tweets daher auch auf die Möglichkeit zur Prävention durch richtiges Verhalten hin.

Übers Ohr gehauen

Betrug und versuchter Betrug waren als Delikte ebenfalls zahlreich vertreten, doch genau wie es nicht jeder Hütchenspieler schaffte, sich dem Zugriff durch die Polizei zu entziehen, wurde auch so mancher Trickbetrüger auf dem falschen Fuß erwischt. Ein Beispiel hierfür waren die Meldungen von misstrauischen Senioren, die sich nicht durch bekannte Betrugsmaschen wie den „Enkel-Trick“ hereinlegen ließen.

Gewalt ist keine Lösung – aber Alltag

Gänzlich ohne Auseinandersetzungen verlief der Dienst allerdings keineswegs. Ein Überfall am Görlitzer Park, der kurz vor 23:00 Uhr gemeldet wurde, zeigte besonders die Gewalt, mit der sich Beamte täglich konfrontiert sehen. Dort soll eine Person verletzt worden sein, die sich offenbar bis nach Hause schleppte und von dort die 110 anrief.

Bereits zuvor waren Polizeibeamte dort selbst Opfer eines gewalttätigen Übergriffs geworden. Nach der Beobachtung eines Drogenhandels kam es zum Einsatz von Tierabwehrspray gegen die Einsatzkräfte.

Beziehungskonflikte münden mitunter ebenfalls in Übergriffen, etwa als der frühere Partner einer Frau gegen das Näherungsverbot verstieß. Auch die Bedrohung der Betroffenen in Gegenwart der Polizeibeamten hatte Folgen für den Täter, so dass neben einer Anzeige auch Fingerabdrücke genommen wurden.

Mit fortschreitender Dunkelheit schien die Zahl der Gewaltdelikte dann zuzunehmen. Um 23:32 Uhr führte die Meldung über einen Mann, der auf der Straße ein Kind schlagen soll, zum Einsatz der Funkwagen mit Blaulicht. Um 23:40 Uhr wurde diese Nachricht aktualisiert und mitgeteilt, der vermutlich Täter sei flüchtig. Gegen 23:46 Uhr wird die Suche als ergebnislos abgeschlossen.

Tätlichkeiten eines Mannes gegen eine Frau wurden um 23:45 Uhr gemeldet – um Mitternacht dann der Einsatz aufgrund einer identischen Meldung. Schließlich waren drei Funkwagen zur Beilegung der mit Körperverletzung verbundenen Beziehungsstreitigkeiten vor Ort.

Kurioses 

Trotz aller scheinbaren Routine – Verkehrskontrollen, Aufnahme von Strafanzeigen und natürlich dem entsprechenden  Papierkram, hatte der Berliner Freund und Helfer auch Begegnungen der lustigen Art.

Als ersten Höhepunkt lässt sich wohl die Sichtung und spätere Sicherung des einjährigen Kamels „Salima“ bezeichnen, dass sich ungeplant zum Grasen begeben hatte. Der Fund eines Kartons voller Kuschelhunde ist vermutlich ebenfalls kein alltägliches Ereignis.

Eine Verwunderung anderer Art dürfte der Eigentümer eines Fahrrads erlebt haben, das er unzulässigerweise im Sicherheitsbereich einer Botschaft angeschlossen hatte und von dort nur unter schwierigen Umständen entfernt werden konnte. Er kann sich sein Gefährt nun bei der Polizei abholen.

Für Personen, die nicht im Polizeidienst sind, haben vielleicht auch Aussagen, ein Mann melde sich auf einer Dienststelle, um sich über Anzeigen zu informieren, die gegen ihn vorliegen, eine gewisse Skurrilität.

Zwischendrin wurde natürlich auch für das leibliche Wohl der twitternden Polizisten gesorgt – etwa, wie es in einem Tweet gegen 23:18 Uhr humorvoll heißt „mit Essen einer überregional bekannten Currywurstbude“.

Ungewöhnlich war vielleicht auch die kurz vor 23:00 Uhr erfolgte Meldung über den verletzen Fuchs auf dem Hinterhof, die in einer kurz nach 23:00 Uhr vor Ort begonnenen, jedoch ergebnislosen Suche, die um 23:29 Uhr abgebrochen wurde.

Fazit

Wie will man den Erfolg einer solchen Aktion messen? An der Zahl der Retweets, oder der Kommentare? Vielleicht gar an deren Qualität? Fakt scheint jedoch zu sein, dass der Twitter-Marathon für viele Nutzer sowohl unterhaltsam, als auch interessant war.

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