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24hPolizei: Auf Twitter-Streife in der Hauptstadt

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Artikelbild - Die 24h-Twitter-Aktion der Berliner Polizei erregte großes Interesse (Copyright: Berliner Polizei, @PolizeiBerlin_E)
Die 24h-Twitter-Aktion der Berliner Polizei erregte großes Interesse (Copyright: Berliner Polizei, @PolizeiBerlin_E)

Der Alltag eines Polizisten scheint dem Bürger durch Doku-Soaps, Blogs anonymer Polizisten und Bücher mittlerweile vertraut. Doch wie sieht die Arbeit einer Polizeileitstelle in Echtzeit aus? Welche Verstöße, Ordnungswidrigkeiten und Verbrechen werden gemeldet?

Die Berliner Polizei stellte sich im Rahmen der einmaligen Aktion „24h Polizei“ diesen Fragen und bot über den Mikrobloggingdienst Twitter anhand des Hashtags #24hPolizei die Möglichkeit, die Arbeit der Berliner Polizei über einen Zeitraum von 24 Stunden live mitzuverfolgen.

Dabei gab es viele ernste Situationen – Leichenfunde, die Überbringung von Todesnachrichten, oder die Sicherung von Unfallstellen. Auch, mit welchen Herausforderungen sich die Beamten täglich konfrontiert werden, mag deutlich geworden sein. Doch der alltägliche Wahnsinn der Polizeibeamten zeigte bei allem Ernst auch eine gehörige Portion Humor, den die Beamten der Twitterteams trotz der teils nachtschlafenen Stunden dennoch vermitteln konnten.

So sollten einerseits weder häusliche Gewalt, Drogenhandel, der schwierige Umgang mit verwirrten Menschen, oder Rassimus und antisemitische Schmierereien unerwähnt bleiben – angesichts mancher Situation dürfte aber doch zumindest ein inneres Lächeln aufgekommen  sein. Diese Fälle wollen wir unseren Lesern hier präsentieren.

Arbeitsteilung: Kurz nach Mitternacht benötigten schwierige Entscheidungen in einem Männerwohnheim polizeiliche Hilfe. Die Entscheidung, wer für wen den Reinigungsdienst übernehmen muss, duldete offenbar auch zu dieser Uhrzeit keinen Aufschub, so dass die Herren in Streit gerieten.

Salomonische Lösung: Etwa zwanzig Minuten später hätte vermutlich selbst der bekanntermaßen weise König Salomon grübeln müssen: In Steglitz stritten sich zehn Personen um ein Fahrrad.

Sicher ist sicher: Offenbar scheinen Drahtehsel besonders zu Fehlverhalten und Skurrilitäten zu verleiten, das legten zumindest die polizeilichen Meldungen der zwei vergangenen 24 Stunden nahe. So fand ein Radfahrfreund sein möglicherweise gestohlenes Gefährt, jedoch mit einem neuen Fahrradschloss versehen.

Doppelt hält besser: Einer ähnlichen Idee dürften Witzbolde verfallen sein, als sie am Samstag einigen ordnungsmäß gesicherten Fahrrädern eine weitere Schutzmaßnahme angedeihen liessen – jedoch offenbar vergaßen, die Schlüssel für das freundlicherweise angebrachte zusätzliche Fahrradschloss zu hinterlegen.

Twitter-Aktion 24hPolizei - Morgendienst um 5:30 Uhr (Foto: Copyright by Berliner Polizei)
Twitter-Aktion 24hPolizei – Morgendienst um 5:30 Uhr (Foto: Copyright by Berliner Polizei)

Resignation bei Rasern: Trotz aller Fähigkeiten der Beamten, musste die Polizei gleich in zwei Fällen einräumen, dass manchmal die Anderen eben einfach technologisch überlegen sind.

Am Samstag machte sich die Polizei gegen 14:21 Uhr daran, einen Raser auf der BAB 113 zu stoppen, musste jedoch um 14:40 Uhr mitteilen, der Autofahrer sei verschwunden.

Damit verlief die Aktion auch nicht erfolgreicher als ein Versuch von Freitagnacht, als es galt, ein illegales Motorradrennen zu stoppen und die Beamten in trocknenem Humor schließlich feststellen mussten:

Motorradfahrer liefern sich ein Rennen in #Mitte. Waren tatsächlich schneller als wir“.

Stand your Ground: Der Schwierigkeit, Personen zum Verlassen einer Lokalität zu veranlassen, in der sie auf die eine oder andere Weise Hausverbot hatten, stellte sich den Beamten während der 24 Stunden mehrfach.

Als Eigentümer und Türsteher in Personalunion, begriff sich dagegen Freitagnacht ein Imbisswirt in Weißensee, als er auf zwei seiner Gäste losging.

Der Klassiker: Kurz vor acht Uhr am Samstagmorgen, kam es zum klassischen Zwischenfall schlechthin: In Spandau biß ein Hund einen Postboten. Ob zeitgleich in China ein Sack Reis umfiel, ist uns nicht bekannt.

Fehlalarme gibt es immer wieder. Wenn jedoch zwei Großbrände gemeldet werden, Feuerwehr und Polizei ausrücken, um in zwei voneinander unabhängigen Fällen in unterschiedlichen Bezirken dann festzstellen zu müssen, das lediglich verbranntes Hundefutter die Ursache war, kann man sich durchaus verkohlt vorkommen. Gleiches gilt für einen Brand am Samstagmittag, dessen tatsächlicher Hintergrund als leicht rauchender Toaster in Lichtenrade erwies.

Ein unmoralisches Angebot: Ein alkoholisierter Anrufer erklärte telefonisch gegenüber der Polizei, man habe ihn in Marzahn angesprochen, ob er Bedarf an einem Schlagring hätte.

Freie Fahrt für freie Bürger: Auf alternative Verkehrsmittel und neue Wege, setzten die dreiköpfige Besatzung eines Einkaufswagens und ein Fußgänger, der beschloß, seinen Weg durch den Tiergartentunnel abzukürzen. Ein Fahrradfahrer mit Mobiltelefon am Ohr wirkt da vergleichsweise profan.

Fast Food: Schnell Essen hieß es am Samstag gegen halb zwei in Friedrichshain. Dort wurde noch während des ungenehmigten Aufbaus eines Imbissstandes die Polizei informiert – und der mobile Fresstempel wieder demontiert.

Bombendrohung: In Treptow hatte es sich ein Mann auf einem Fensterbrett im ersten Stock bequem gemacht und kündigte laut schreiend an, er werde „Bomben legen“. Eine explosive Stimmung, die es zu entschärfen galt.

Kühlen Kopf bewahren: Ein Anrufer äußerte am Samstag kurz nach 14:00 Uhr bei der Polizei seine Besorgnis über eine auffällige Menschenansammlung von etwa 500 Personen im Freibad am Insulaner. Die Beamten konnten jedoch Entwarnung geben – es handelte sich um Badegäste.

Diverse Entblößungen: Sei es ein Exhibionist im Prenzlauer Berg, oder zwei seiner Kollegen auf einem Parkplatz in Schöneberg – Beispiele wie die Beliebtheit von Tweets über die verwirrte Person mit heruntergelassener Hose in einem Einkaufszentrum in Marzahn, oder die Medienpräsenz über den Herrn mit herabgelassener Hose zeigen – Sex sells.

Nur fliegen ist schöner: Es muss nicht immer das Stöckchen sein – die Berliner zeigten sich vielseitig. So warf gestern Abend eine Frau aus Charlottenburg nicht näher genannte Gegenstände aus dem Fenster. Heute flogen gegen vier Uhr einige Hanteln in Altglienicke hinterher, einige Stunden später folgten Bierflaschen in Kreuzberg der Schwerkraft

Kuriose Funde: Hier geht es nicht um die Fundsachen, die ehrliche Finder zurückbrachten, sondern Dinge, deren Fund man nicht erwartet hätte. Dabei reicht die Palette vom Waffenfund während einer Kellerentrümpelung in Lichterfelde, bis hin zu einer Kombination von Panzerfaust und Handgranate im Gebüsch einer Hundebadestellte in Heiligensee.

Endbanner der Twitter-Aktion 24hPolizei (Copyright: Berliner Polizei)
Ende der Twitter-Aktion 24hPolizei (Copyright: Berliner Polizei)

Am Samstag um 19:00 Uhr endete die Aktion – und manche Dinge, wie die Auflösung der Rollator-Diebstähle, oder die Geschichte hinter dem vermeintlichen Möchtegern-Samurai auf dem Tempelhofer Feld, werden sich so nie lösen.

Dennoch hoffen wir, dass Ihnen unsere Auswahl an Kuriositäten gefiel.

Ein abschließender Hinweis für die Witzbolde, die gegen 22:22 Uhr in Schöneberg ständig den Notruf missbrauchten und den Herrn der sich gegen 22:30 Uhr beim Notruf als BKA-Beamter ausgab – sie begingen nach Paragraph 145 Strafgesetzbuch (StGB) – “Mißbrauch von Notrufen und Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln” – eine Straftat und können dafür mit einer Geldstrafe, oder bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden.

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