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24hPolizei: Twitterorgie statt Blitzermarathon in Berlin

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Artikelbild - Twitteraktion #24hPolizei im Juni 2017 (Grafik: Berliner Polizei, @PolizeiBerlin_E)
Twitteraktion #24hPolizei im Juni 2017 (Grafik: Berliner Polizei, @PolizeiBerlin_E)

Am Freitag war es wieder soweit – um 19:00 Uhr begann der 24 Stunden dauernde Twitter-Marathon der Berliner Polizei. Unter dem Hashtag #24hPolizei, konnten Nutzer des Mikroblogging-Dienstes Twitter den Einsatzalltag der Polizei in der deutschen Hauptstadt verfolgen.

Die Beamten des SocialMedia-Teams zeigten sich dabei gewohnt schlagfertig und werteten mit ihrem Wortwitz bisweilen sogar eher triviale Meldungen nahezu lyrisch auf.

Wie erwartet, zeigten die Tweets die gesamte Bandbreite des Polizeialltags – von tragischen Ereignissen, über Meldungen zum Kopfschütteln, Schmunzeln und Lachen. Wir haben uns an einer Zusammenfassung versucht.

Der Beginn

Nur 44 Sekunden nach dem offiziellen Beginn ging der erste Tweet über einen Einsatz rein: „In #PrenzlauerBerg will ein Vermieter die Wohnungstür eintreten #24hPolizei

Wer dann auf eine kuriose, lustige, oder bizarre Meldung hoffte, wurde nicht enttäuscht, denn schon um 19:11 Uhr wurde gemeldet dass eine „leicht bekleidete beswingte Swinging-Lady“ einen Swingerclub nicht verlassen wollte.

Derart eingestimmt konnten die Leser die folgenden 24 Stunden im Leben der Notrufzentrale bei ausreichend Getränken und Knabbereien mit Staunen verfolgen.

Verdächtiges und Suspektes

Ob es den Terroranschlägen der vergangenen Monate zuzuschreiben ist, bleibt natürlich Spekulation – doch Tatsache ist: Noch nie wurden im Rahmen dieser Twitter-Aktion derart viele „verdächtige Fahrzeuge“ und „verdächtige Gegenstände“ gemeldet.

Zumindest die Befürchtung, es könnte sich bei einem jener verdächtigen Gegenstände in Wedding um Weltkriegsmunition handeln, erwies sich als unbegründet – es handelte sich um vergrabenen Müll.

Textile Besonderheiten und nackte Tatsachen

Vermutlich nicht zuletzt den freundlichen Temperaturen war es geschuldet, dass die Zahl an Tweets über Personen unterschiedlichen Bekleidungsgrads ungewöhnlich hoch zu sein schien.

So randalierte nachts in Kreuzberg ein kräftiger Mann in karierter Unterhose und rosa T-Shirt vor dem Bäcker“ während andernorts mehrfach unbekleidete Herren auffielen.

Sei es der „splitterfasernackte schwarze Mann“ der gestern gegen 22:01 Uhr auf einer Fahrbahn in Zehlendorf gesichtet wurde, oder der Versuch eines nackten Mannes, LKW im Bezirk Prenzlauer Berg aufzuhalten – man zog vielfach blank in der Hauptstadt.

Tragisches und Dramatisches

Noch am Freitag musste gegen 19:33 Uhr in Mahrzahn-Hellersdorf eine Todesnachricht überbracht werden – und es sollte nicht die einzige sein. Auch in Pankow musste die schwierige Aufgabe übernommen werden.

Hilflosigkeit empfanden die Beamten sicherlich, als ein Anrufer aus Berlin-Mitte meldete, er werde von sechs Personen verfolgt, fühle sich bedroht – und das Gespräch nach dem Geräusch von Schlägen abbrach.

Geschockt dürfte der Anrufer gewesen sein, der heute gegen 18:44 Uhr davon berichten musste, dass  er von einem Mann angesprochen wurde, der zeitgleich zu Boden fiel und Verletzungen aufwies.

Doch glücklicherweise gab es auch amüsantes aus dem Polizei-Alltag zu berichten  – und so manches Mal werteten die Kommentare der Twitter-Community die entsprechenden Meldungen zusätzlich auf.

Humorvolles und Skurriles

Besondere Heimatverbundenheit bewies ein Mann im Wedding, der dort gegen mehrere Autos schlug und sie mit den Worten anschrie: „Ich bin Deutscher, ich stech dich ab!

Wenn ein Mann mit einer Axt vor der Tür steht, dann guckt man entweder den Horror-Klassiker „Shining“ – oder man wohnt in Charlottenburg, wo ein ebensolch gerüsteter Mann von Polizeibeamten fixiert wurde.

Bei einem Fall der Zweckentfremdung von Geschirr, lässt man am besten den Inhalt des Tweets von 16:33 Uhr für sich selbst sprechen:

„Nicht mehr alle Tassen im Schrank: in #Neukölln schlägt sich ein 14-jähriger absichtlich eine Tassen gegen den Kopf“

In Reinickendorf führten zwei getrennte Notrufe zu einem Einsatz, als es nämlich von den Anrufern jeweils hieß „Ich werde gerade beleidigt“ und „Ich beleidige gerade„.

Das Selbstjustiz verboten ist, kann einem bei Lärmbelästigung durch eine Schlägerei offenbar durchaus entfallen – erklärte doch ein Anrufer aus Kreuzberg schließlich kurzerhand „Das wird mir zu viel, ich mische jetzt mit„.

Mancher Anrufer bedurfte dann auch der Ermahnung und Aufforderung zu mehr Respekt: „Sie hören sofort auf mich Alter zu nennen

Große Aufmerksamkeit erregte eine gestrige Meldung: „Der Ex-Freund will die Wohnung der Oma in #Spandau nicht verlassen“ – der generationenübergreifende Sittenverfall schien offensichtlich.

Pandamanie

Dass zwei Pandabären in einem wahren Staatsakt aus China eingeflogen wurden, dürfte eigentlich niemandem entgangen sein.

Nur die Berliner Polizei zeigte sich augenzwinkernd ahnungslos, als sie aufgrund des Hashtags #pandasberlin offenbar eher an Automobile von Fiat dachte und erklärte:

„In der Stadt müssen wohl auch verdächtige italienische Kleinwagen unterwegs sein. Wir lesen viel über #pandasberlin zur Zeit. #24hPolizei“

Schlagfertig wies dann ein Twitternutzer darauf hin, es werde sich bei den Wagen sicher um „billige Kopien aus China“ handeln.

Bewährtes und Altbekanntes

Keine der 24h-Aktionen der Berliner Polizei kam ohne Meldungen über Passanten im Tiergartentunnel, überfahrene Füchse und streunende Tiere aus und so wurden auch diesmal entsprechende Ereignisse gemeldet.

Wenn allerdings die Polizei am Samstag gegen 18:52 Uhr die Meldung über eine Schlägerei im Görtlitzer Park, der als Hotspot der Drogenszene bekannt ist, mit dem Hashtag #Alleswieimmer versieht, ist nicht klar, ob man dort routiniert, oder resigniert ist.

Straftaten

Über Musikgeschmack lässt sich bekanntermaßen streiten und so stieg insbesondere in der Nacht die Zahl der Meldungen über Lärmbelästigung an.

Die Bandbreite an Körperverletzungen reichten von Ohrfeigen bis hin zu Schlägereien mit 50 Beteiligten. In Kaulsdorf gab es eine Schlägerei in einem Döner-Imbiss. Wie die Polizei feststellen mussten  „Mit Messer aber ohne Zwiebeln„.

Meldungen über Sachbeschädigungen waren ebenfalls zahlreich und vielfältig – von Tritten gegen Fahrzeugen, bis hin zu Bränden reichte die Bandbreite der Zwischenfälle.

Anzeigen wegen Eigentumsdelikten gingen ebenfalls ein, wie Handtaschendiebstahl und Raub. Doch auch von Ladendiebstählen verschiedener Altersgruppen und Geschlechter wurde berichtet.

So twitterte die Polizei dann auch: „Vier Frauen und ein Mann wollten Klamotten und Klamottinnen aus einem Einkaufszentrum in #Mitte klauen„.

In Anbetracht von so viel emanzipatorischer Gleichberechtigung vervollständigte ein Twitternutzer diese Meldung mit den Worten: „…bei dem Mann wurde ein T-Shirt, bei den Frauen 30 Paar Schuhe sichergestellt“.

Senioren und Senile

Dass ausreichend Flüssigkeitszufuhr gerade bei älteren Menschen wichtig ist, zeigten die Meldungen über verwirrte Personen, die an verschiedenen Orten gesichtet wurden und sicher zum Teil auf Flüssigkeitsmangel zurückzuführen waren.

So gab es einen verwirrten Mann mit Messer, der sich in einem Schnellrestaurant im Bezirk Neukölln brav anstellte, eine Frau, die ein Kornfeld in Karow zum Ausruhen nutzte, sowie Fälle in Pankow, Mitte und Köpenick, wo Damen in Restaurants saßen.

Dass aber ältere Semester durchaus noch rüstig sein können, bewies eine  „Oma mit Rollator und Krückstock“ die in Neukölln auf einen zu lauten LKW schlug und „anschließend einkoofen“ ging. Fazit der Polizei „#ditisberlin„.

Fazit

Ob randalierende Seniorinnen mit innerem Gleichmut oder exhibitionistische Zeitgenossen tatsächlich „typisch“ für Berlin sind, ist sicherlich eine Frage der Interpretation und soll hier nicht weiter erörtert werden.

Dass der Einblick in den Arbeitsalltag der Polizei sowohl lehrreich, als auch amüsant war, ist dagegen definitiv unstrittig und so freut man sich  bereits jetzt auf das nächste Mal, wenn es wieder heißt „#24hPolizei“

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