Start Aktuelles Atomarer Störfall nach Erdbeben: Japan fürchtet Kernschmelze

Atomarer Störfall nach Erdbeben: Japan fürchtet Kernschmelze

1168
0
TEILEN

Um 20:06 kam es zu einem schweren Nachbeben mit der Stärke 6,6 auf der Richter-Skala und ereignete sich im Norden der Hauptinsel Honshu in der Präfektur Nagano. Die japanische Regierung hatte zuvor bereits vor der Möglichkeit weiterer Tsunami gewarnt.

Die Situation in der Reaktoranlage Fukushima Daiichi spitzt sich zu, doch jetzt gibt es auch Meldungen über ein weiteres atomares Sicherheitsrisiko.

Der Reaktor Fukushima I läuft nur noch im Batteriebetrieb, nachdem eine Flutwelle in Folge des starken Erdbebens am Morgen das Gelände überspült hatte.

Obwohl Atomanlagen in Japan mit mehreren Notstromaggregaten ausgestattet sind, um im Störfall weiterhin arbeiten zu können, scheinen auch diese Geräte ausgefallen zu sein.

Der Druck im Inneren des Reaktors nimmt stetig zu, es gibt Überlegungen radioaktiven Dampf abzulassen, um einen Druckausgleich zu erreichen. Problematisch dabei ist jedoch, dass niemand weiß wie hoch die radioaktive Strahlung mittlerweile ist. Der Druck übersteigt die zulässigen Höchstwerte um das 1,5-fache.

Nach Angaben der japanischen Atomaufsichtsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) soll es sich bei dem Dampf jedoch um lediglich leicht radioaktives Material handeln, dass Gesundheit und Umwelt nicht gefährde.

Derweil steigt die Gefahr von Minute zu Minute weiter an, nach Angaben internationaler Experten handelt es sich um einen sehr kritischen Zwischenfall.

Die Betreiberfirma TEPCO (Tokyo Electric Power Company) bemüht sich verzweifelt, die Stromversorgung für die Kühlwasseranlage wiederherzustellen. Das Unternehmen hat Generatorwagen vor Ort, allerdings fehlt ein entscheidendes Kabel für die Stromversorgung, so die Meldung der NISA

  • 22:00 Der Druck in der Anlage steigt weiter und überschreitet in Kürze das Doppelte der Maximalbelastung.
  • 22:40 Japan lässt kontrolliert radioaktiven Dampf ab um einen Druckausgleich zu schaffen, wenig später sei jedoch, der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, die Radioaktivität im Kontrollraum 1 gemessen und ein Wert 1000 Mal über dem Normalwert festgestellt worden.
  • 23:00 Japans Premierminister Naoto Kan weitet den Sicherheitsbereich aus. In einem Umkreis von 10km um das Kraftwerk, sollen sich die Menschen in Sicherheit bringen und das Gebiet evakuieren.
  • 23:30 Nun soll Radioaktivität ausgetreten sein, allerdings in „geringer Höhe.“ Aufgrund der bereits erfolgten Evakuierungen und der Windrichtung ins Meer könne man jedoch „Sicherheit garantieren“, erklärte Kabinettssekretär Yukio Edano in einer Pressekonferenz.
  • 00:10 Nach Angaben der Betreiber habe man die Kontrolle über die Druckregulation in einigen der Reaktoren von Fukushima-I verloren. Der Druck in den Reaktoren bleibe konstant, in der Druckschale steige er jedoch weiterhin.

Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho kurz vor Überhitzung

Die Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho wird derzeit noch mit Notstrom gekühlt. Dort liegen ca. 3000 Tonnen hochradioaktiver Brennstoff.  Diese Menge entspricht ungefähr dem 25 bis 30fachen des Lagerbestandes eines Atomreaktors.
Auch diese Brennstäbe müssen kontinuierlich gekühlt werden, sonst entzünden sie sich selbst.

Die Notstromanlage von Rokkasho ist nicht auf längerfristigen Betrieb ausgelegt. Wenn aufgrund der zunehmenden Wärme in der Wiederaufbereitungsanlage die Brennstäbe in Brand geraten, ist der Austritt von Radioaktivität ziemlich wahrscheinlich. Dieser würde jedoch voraussichtlich nicht explosionsartig erfolgen wie bei einem Zwischenfall in einem Atommeiler.