Start Panorama Behindertes Kind fast verhungert – Bewährungsstrafe für Mutter

Behindertes Kind fast verhungert – Bewährungsstrafe für Mutter

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In Fürth ließ eine 29-Jährige Frau ihren schwer behinderten Sohn fast verhungern und wurde vom Landgericht Nürnberg-Fürth lediglich zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und nicht, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, sechs Jahren Haft verurteilt. Selbst die Verteidigung hatte unter Verweis auf Depressionen der 29-Jährigen drei Jahre Haft gefordert.

Zu Prozessbeginn hatte die Mutter zugegeben, dass sie ihr behindertes Kind seit Mai 2010 vernachlässigt und damit in akute Lebensgefahr gebracht hatte. Der kleine Junge bekam seine Medikamente nicht, lag isoliert und unbeaufsichtigt im Kinderzimmer, erhielt kaum Nahrung und wurde nicht mehr gewaschen und gewickelt.

Auf dem Kopf des Kindes nistete sich aufgrund der mangelnden Hygiene Ungeziefer ein, durch Urin und Kot wurde die Haut des Kleinen großflächig verätzt.Das Kind wog nur noch 8,4 statt mindestens 14 Kilogramm. Erst dann rief die Mutter am 3. August den Notarzt.

In den ersten Lebensjahren hatte die Mutter das Kind gut betreut. Als sie über das Internet einen neuen Partner kennenlernte, zog sie Anfang 2010 von Darmstadt in die Wohnung des Mannes nach Fürth.

Dort sei sie nicht ein einziges Mal zum Kinderarzt gegangen, sondern habe vielmehr
die Medikamente gegen Epilepsie eigenmächtig abgesetzt und über eine Magensonde normalen Babybrei verabreicht, anstatt die benötige Spezialnahrung zuzuführen.

Der Lebenspartner der Frau stand ebenfalls vor dem Landgericht. Das Urteil gegen ihn lautete: acht Monate auf Bewährung. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

In der Urteilsbegründung erläuterte der Richter das geringe Strafmaß gegenüber der Mutter mit dem Umstand, dass sich die Frau viereinhalb Jahre aufopferungsvoll um ihren Sohn gekümmert und ihn gepflegt habe.

Es sei daher nur mit einer „psychologischen Ausnahmesituation“ zu erklären, dass sie das Kind danach derart vernachlässigt habe. Von dem Urteil solle aber keinesfalls ein Signal ausgehen, „dass man kleine Kinder verhungern lassen kann„.

Das Urteil entspreche nicht der Erwartung der Öffentlichkeit, aber in der Familie habe sich „eine menschliche Tragödie abgespielt, die nach moralischen Maßstäben aufs Schärfste zu verurteilen ist„.

Im Urteil gehe es aber um strafrechtliche Schuld, nicht um Fragen der Ethik.

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