Besorgnis in Japan: Zwei HIV-Infektionen durch Blutspende

Besorgnis in Japan: Zwei HIV-Infektionen durch Blutspende

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Artikelbild: Japanisches Rotes Kreuz (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
AIDS-Zwischenfall beim Japanischen Roten Kreuz (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Mit der Immunschwächekrankheit AIDS brachte man ursprünglich nur die Problemzonen der Entwicklungsländer in Verbindung, wo mangelnder Schutz und nicht regulierte Prostitution zur Verbreitung beitragen. Das in einer modernen Industrienation Menschen durch kontaminierte Blutkonserven infiziert werden könnten, scheint nur schwer vorstellbar.

Doch ein entsprechender Fall hat sich nun in Japan ereignet.

Den offiziellen Berichten des japanischen Gesundheitsministeriums und des japanischen Roten Kreuzes zufolge, erhielten mindestens zwei Personen Bluttransfusionen, in denen später das HI-Virus nachgewiesen werden konnte. Bei einem der Betroffenen, einem Mann Mitte 60, wurde bereits ein positiver HIV-Test nachgewiesen.

Der erste Empfänger hatte die Blutspende erhalten, nachdem der HIV-positive Spender im Februar das Blut abgegeben hatte. Im zweiten Fall erfolgte die Bluttransfusion im Oktober und war Teil einer Behandlung wegen eines chronischen Verdauungsleidens.

Bei der zweiten Person sei noch unklar, ob eine Infektion vorliege. Sowohl das Rote Kreuz, als auch das Gesundheitsministerium ermitteln nun, ob möglicherweise weitere Empfänger von Blutspenden betroffen sind

Der HIV-Blutspender: Bei dem HIV-positiven Blutspender handelt es sich um einen Mann Mitte 40. Dem aktuellen Stand zufolge hatte er im Februar 2013 bereits Blut gespendet.

Japanisches Rotes Kreuz: Blutspendeaktion im Oktober 2009 (Foto: pd)
Japanisches Rotes Kreuz: Blutspendeaktion im Oktober 2009 (Foto: pd)

Bei seiner jetzt gemachten Aussage gab er an, bei der Beantwortung des Blutspender-Fragebogens gelogen zu haben. Er habe potentiell HIV-gefährlichen Geschlechtsverkehr zwei Wochen vor der Blutspende verheimlicht.

Das Gesundheitsministerium gab in einer ersten Erklärung bekannt, man vermute, dass der Mann durch die Kontrollen bei der Blutspende erfahren wollte, ob er HIV-positiv ist. Doch die fragliche Blutprobe rutschte offenbar durch das Raster der Kontrollen und wurde zur medizinischen Verwendung an zwei Stellen freigegeben.

Nach der Blutspende im Februar, hatte der Infizierte im November erneut Blut gespendet. Diesmal wurde jedoch die HIV-Infektion nachgewiesen und das Material sichergestellt. Diese Blutproben sind nach Auskunft des Ministeriums nicht für Transfusionen genutzt worden.

Auch Spenden, die der Mann im Januar 2012 gegeben hatte, gelten als unbedenklich, da die Infektion vermutlich erst Ende vergangenen Jahres, oder zu Beginn dieses Jahres erfolgte.

Erklärungsversuche: Möglicherweise konnte das kontaminierte Blut durch de Kontrollen gelangen, weil die im Frühstadium einer Infektion, die 30 bis 50 Tage dauert, die Level an HI-Viren im Blut niedrig sind.

Reaktionen: Das japanische Rote Kreuz teilte auf einem Treffen am gestrigen Dienstag mit, man werde die gegenwärtig genutzten Sicherheitskontrollen ändern. Anstatt wie bislang, die Proben in Gruppen von je 20 Spenden zu prüfen, wird ab kommendem Sommer jede einzelne Blutprobe untersucht.

Auch sollen Ärzte im Umgang mit Blutspendern besonders geschult werden, so dass sie potentielle Risikospender melden können. Die Zahl der infizierten Blutspenden die sichergestellt werden konnten, bevor eine Transfusion erfolgte, dürfte deutlich höher liegen als die beiden bekannt gewordenen Infektionsfälle.

Hintergründe: Es ist daher das erste Mal seit 2003, dass die Blutspende einer HIV-positiven Person in einer Bluttransfusion genutzt wurde. Als Reaktion waren im Folgejahr die Bestimmungen verschärft worden. Über die aktuellen Fälle berichteten mehrere Medien, darunter Kyodo und jiji.

Aktualisierung: Wie das Gesundheitsministerium am 29. November 2013 mitteilte, liegt bei der zweiten Person, einer Frau Mitte 80 offenbar keine HIV-Infektion vor. Sie hatte nach einem Knochenbruch eine Transfusion erhalten. Sie entging der Infektion dadurch, dass sie ein Produkt aus roten Blutkörperchen erhalten hatte, in dem 90 Prozent des kontaminierten Blutplasmas entfernt worden war.

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