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Bio-Boom in Deutschland

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Die deutschen Verbraucher sind wachsamer geworden! Nach dem jüngsten Skandal des mit Dioxin verseuchten Tierfutters sind immer mehr Deutsche auf die Biokost gekommen. Das Risiko ist vielen zu groß, da sie im Zeitalter von Schweine- und Vogelgrippe, Dioxinskandal & Co. lieber auf Nummer sicher gehen wollen mit dem, was auf den Teller kommt. Über diese neuartige Entwicklung kann sich Deutschlands Biobranche nur freuen. Der Januar war einer der besten Monate seit jeher.

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) teilte am Montag auf der Messe „BioFach“ in Nürnberg mit, dass der Bio-Großhandel im Januar ein ungewöhnlich hohes Umsatzplus verzeichnet hat. 20 Prozent mehr wurde im vergangenen Monat umgesetzt als dies noch im Januar 2010 der Fall war.

Insgesamt konnte die Biobranche im Geschäftsjahr 2010 ein Umsatzwachstum von 9,7 Prozent verzeichnen. Die Einnahmen beliefen sich damit auf zwei Milliarden Euro. Ein solches Wachstum und eine solch erfreuliche Bilanz könne nach Aussage des BNN kaum eine andere Branche in Deutschland vorweisen.

Nach Meinung des Verbandes hätte der jüngste Dioxinskandal einen großen Einfluss auf das Verbraucherverhalten gehabt. Die Konsumenten verspüren immer stärker den Wunsch, sich gesund zu ernähren und dabei sicher zu sein, wo die Lebensmittel herkommen. Die Devise lautet: Frische Landeier statt mit Konservierungs- und Aromastoffen versehener Fertigprodukte.

Das belegte auch eine zum Thema durchgeführte Umfrage unter rund 320 Verbrauchern in Deutschland. 11 Prozent gaben an, dass sie den Dioxinskandal zum Anlass genommen haben, vermehrt Bioprodukte zu kaufen. Jeder Zehnte davon sei absoluter Neuling in Sachen Biofachhandel und jeder Zweite gab an, dass er in Zukunft durchaus wieder zu den Bioprodukten greifen wollen würde.

2010, so teilte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) mit, sei die Nachfrage nach Bioprodukten so hoch gewesen, dass die Biobetriebe dem nicht vollkommen nachkommen konnten. Das heimische Angebot reichte nicht aus.

Dabei hatte es 2010 einen Zuwachs von 5,7 Prozent in der Anbaufläche für Bioprodukte gegeben. Das bedeutet, dass in Deutschland mittlerweile eine Million Hektar Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet werden. Auch die Betriebe haben einen Zuwachs zu verzeichnen: Innerhalb eines Jahres nahm die Zahl der Bio-Betriebe von 21.047 auf 22.200 zu. Das ist ein Plus von insgesamt 5,4 Prozent. Die Experten gehen von einer weiteren Entwicklung in diese Richtung aus.

2 KOMMENTARE

  1. Es heißt immer, dass Bio viel teurer und eine auf Bio-Produkten basierte Ernährung deshalb nur für Besserverdienende erschwinglich sei. Das stimmt nur, wenn das gewohnte Ernährungsverhalten beibehalten wird, also bezüglich des Konsums tierischer Produkte, insbesondere von Fleisch und Fleischwaren, keine Neuorientierung erfolgt. Fakt ist, dass sich die meisten billig krank (fr)essen, um dann über einen Verlust an Lebensqualität und steigende Krankenkassenbeiträge zu stöhnen. Seit wir nicht mehr wie früher „unser täglich Fleisch“ auf dem Tisch haben, geben wir sogar weniger für unsere (Bio-)Lebensmittel aus als zuvor für die konventionell erzeugten.

  2. Zumal „Bio“ ja auch nicht gleich „Bio“ ist, was Verbraucher oft verunsichert.

    Zwischen den Bio-Produkten im Supermarkt, die sich lediglich mit dem EU-Siegel schmücken und den Produkten von zB „Demeter“ bei denen zusätzlich die strengeren Vorschriften des biologisch-dynamischen Anbaus gelten, liegen noch einmal Welten.

    Verbraucherinfo: Weitere etablierte Naturkostfirmen mit gutem Ruf sind Arche, Davert, Rapunzel und Sonnentor.

    Zudem finde ich es wichtig, das Naturkostläden und damit der Einzelhandel des kleinen Mannes stärker unterstützt wird, ich stehe deswegen Bio-Supermärkten auch eher skeptisch gegenüber.

    Das eine vollwertige Ernährung letztlich günstiger ist stimmt wohl – allerdings sind es gerade oft die Fleischprodukte die von einer Erhöhung der Lebensmittelpreise weniger betroffen sind, als die übrige Produktspanne, so dass „Fleisch essen“ zunächst einmal für Geringverdiener attraktiv ist.

    Zum veränderten Essverhalten ist zu sagen, dass vor allem durch das stärkere Kauen, wie es einige Bio-Vollkornprodukte erfordern, schneller Sättigung verspürt wird, als beim hastigen herunter schlingen von Nahrung.

    Dort wird normalerweise erst Sättigung verspürt, wenn man längst „Überfressen“ ist und riesige Portionen verspeist hat.

    Somit isst man bei gründlichem Kauen langfristig kleinere Portionen als zuvor (und spart damit Geld), hat jedoch ein deutlicheres Sättigungsgefühl und ernährt sich gleichzeitig gesünder als zuvor:

    Produktwahl (Bio) + Zubereitung (ernährungsphysiologisch sinnvoll) + Verdauung (gründliches kauen, langsam essen) + körperliche Betätigung = gute Voraussetzung für ein gesundes Leben, weniger Lebensmittelkosten sowie Natur-, Umwelt-, Klima-, und Tierschutz.

    Let’s go organic

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