Blaulicht auf Twitter: 24h-Marathon der Berliner Polizei

Blaulicht auf Twitter: 24h-Marathon der Berliner Polizei

6067
0
TEILEN
Artikelbild - Twitter-Aktion
Twitter-Aktion "#24h Polizei" auch 2015 ein Lesermagnet (Grafik: Berliner Polizei, @PolizeiBerlin_E)

Am heutigen Samstag endete um 19:05 Uhr der diesjährige Großeinsatz der Berliner Polizei. Dabei ging es jedoch ausnahmsweise einmal nicht um Großdemonstrationen oder Kundgebungen.

Nach der Twitter-Aktion #24hPolizei im Jahr 2014, ließ es sich die Behörde auch in diesem Jahr nicht nehmen, die interessierten Nutzer des Mikroblogging-Dienstes Twitter über einen Zeitraum von 24 Stunden mit den eingehenden Notrufmeldungen zu versorgen.

Wie bereits im Vorjahr fanden sich dabei sowohl lustige und zum schmunzeln anregende Meldungen – jene zum verständnislosen Kopfschütteln und auch tragische, die man unkommentiert lässt.

Von Riesenwaschbären und Nudisten

Zu den Kuriosien zählte sicher die am Freitagabend gemeldete angebliche Sichtung eines zwei Meter großen Waschbären in Mahrzahn.

Wenn man dann hört, dass am Samstag nicht etwa eine Leiche im Landwehrkanal, sondern ein toter Waschbär im Müggelsee schwamm, kann das zu humorigen Spekulationen anregen.

Einige der komischen Ereignisse lassen sich sicher auf die vorherrschende Hitze von bis zu 30°Celsius und das damit verbundene Kühlungsbedürfnis zurückführen.

Wenn etwa am Samstag aus Charlottenburg die Sichtung eines Mannes gemeldet wird, der sich unbekleidet auf dem Gehweg wäscht und einige Stunden später im gleichen Bezirk ein nackter Mann auf der Fahrbahn gemeldet wird, gehen wir zugunsten dieser Personen von Hitzewallungen und nicht etwa davon aus, dass sie mit dem Mann identisch sind, der am Freitag – ebenfalls im Bezirk Charlottenburg – in einem Sexkino randalierte.

Auch jener Dame, die am Samstag dann „oben ohne“ durch den Plänterwald spaziert sein soll, ohne dass die Beamten sie dort antrafen, könnte schlicht der Sinn nach Kühlung gestanden haben.

Schweinisch und Mafiös

Ob sie angesichts der Wetterbelastungen aus Furcht um ihren Nachwuchs auf die Idee kam, wissen nicht einmal die Beamten – jedenfalls sah sich am Samstag eine Bache mit ihren sieben Frischlingen offenbar dazu veranlasst, vor einer Kinderarztpraxis in Spandau zu warten.

Am Freitag fühlte man sich angesichts einer Meldung über Klopfgeräusche aus einem Kofferraum in Tempelhof-Schöneberg an Mafia-Filme erinnert – bei der Öffnung erwies er sich jedoch als leer.

Gewalt und Blech

Doch auch bei Straftaten ließ sich selbst als kriminalistischer Laie und ohne Stochastik-Kenntnisse ein Zusammenhang mit der metereologischen Situation der Bundeshauptstadt herstellen.

Illegale Grillaktionen an Seen, oder mitten auf der Straße wie bei einem Fall in Neukölln, und unerlaubte Schwimmbadbesuche – die Temperaturen verleiteten so manchen, trotz Brandgefahr und Ordnungswidrigkeit, eine Erfrischung zu suchen. Teilweise verbunden mit dem Unwillen, sich wieder zu entfernen.

Wird nicht ausreichend Flüssigkeit aufgenommen, erhitzen sich die Gemüter und da längst noch nicht jedem bewusst zu sein scheint, dass hochprozentige alkoholische Getränke bei hohen Außentemperaturen nicht die besten Durstlöscher sind, kam es zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen – bevorzugt unter Ex-Partnern.

Ein anderes Beispiel mag die „gleichberechtigte Schlägerei unter Frauen und Männern“ im Köpenicker Ortsteil Müggelheim gewesen sein.

Andere ließen Dampf an unbelebten Objekten ab und entluden ihre Wallungen an Fahrzeugen – bevorzugt an deren Scheiben und Spiegeln.

Am Samstag wurden zahlreiche Ladendiebstähle gemeldet – möglicherweise strafbare Versuche, kostenlos an eine Erfrischung zu kommen.

Bekanntermaßen lässt die Konzentrationsfähigkeit sowohl als Hitzefolge, als auch bei starker Alkoholisierung nach und so konnte ein deutlicher Anstieg von Blechschäden und leichten Verkehrsunfällen beobachtet werden.

Medizinisches

Flüssigkeitsmangel wirkt sich gerade bei älteren Menschen deutlich auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus. Dies ist vielleicht einer der Gründe, weshalb recht regelmäßig Meldungen über „verwirrte Personen“ eingingen.

In den vergangenen 24 Stunden wurden mindestens sieben Einsätze von Rettungshubschraubern bestätigt und die Polizei sah sich leider auch dazu veranlasst, Todesnachrichten zu überbringen.

Stürmischer Abgang

Die letzten Stunden des Twitter-Marathons trafen mit dem Aufziehen eines Unwetters über der Hauptstadt zusammen, so dass Berichte über vollgelaufene Keller, abgedeckte Gullis und umgestürzte Bäume eingingen.

Fazit:

Die Online-Aktion mit dem Twitter-Hashtag #24hPolizei ermöglichte erneut einen Einblick in den alltäglichen Wahnsinn aus Humor, Tragik, Gewalt und Routine, dem sich die Beamten ausgesetzt sehen.

Interessant, informativ und lustig – Twitter mal nicht als Shitstorm-Schleuder zu erleben war definitiv eine positive Erfahrung.

Übrigens: Im vergangenen Jahr konnten sich Freunde der Polizeitweets im Dezember noch einmal freuen. Damals lief der Twitter-Marathon #12hWache.

Vielleicht ist man als Internetnutzer in diesem Jahr also noch einmal unterwegs – auf Streife mit der Twitter-Polizei.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT