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Bundestag erkennt Recht auf Namen für Sternenkinder an

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Deutscher Bundestag (Foto: mr.g2003 cc by-nd)
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Deutscher Bundestag (Foto: mr.g2003 cc by-nd)
Deutscher Bundestag (Foto: mr.g2003 cc by-nd)

Für den Menschen ist es eine Selbstverständlichkeit, bei seinem Namen genannt zu werden. Er findet sich in offiziellen Dokumenten und gilt nicht zuletzt als Beleg der Existenz.

Das es sich dabei um ein Recht handelt, das gesetzlich verankert sein muss, wird wohl erst bei gründlichem Nachdenken bewusst.

Kein Recht auf Identität und Namen

Tatsache ist jedoch, dass bislang Totgeburten unter 500 Gramm dieses Recht nicht eingeräumt wurde, sondern gemäß Paragraph 31 des Personenstandsgesetzes (PStG) – „Eintragung in das Sterberegister“ – nicht als Person registriert, sondern als als Krankenhaussondermüll gehandhabt wurden und formal nicht existierten.

Engagement für die Namenlosen

Dies war für das Ehepaar Barbara und Mario Martin aus Hessen, die selbst drei Kinder verloren hatten, nicht mit der Menschenwürde vereinbar, denn ein Mensch dürfe nicht nach seinem Gewicht definiert werden. Aus diesem Grand begann das Ehepaar damit, Unterschriften für eine Petition zu sammeln.

Das Thema der so genannten „Sternenkinder“ erhielt dann nicht zuletzt aufgrund der Aktivitäten des Ehepaars verstärkte Medienpräsenz. Im Allgemeinen wird eine solche Eingabe dann im Petitionsausschuss öffentlich beraten, wenn innerhalb von vier Wochen nach Eingang 50.000 Unterstützer durch Unterschrift nachgewiesen werden können.

Das Ehepaar Martin erreichte mit ihrem Aufruf 40.000 Stimmen. Doch ein Schreiben an Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) war für die Ministerin ausschlaggebend genug, sich dem Anliegen des Ehepaars anzunehmen.

Die Politik reagiert

Tatsächlich beschloss die Bundesregierung dann im Mai 2012 eine Änderung des Personenstandsgesetzes, der die Eintragung in das Sterberegister auch für Totgeburten unter 500 Gramm vorsieht  Doch die Mühlen der Justiz mahlen langsam und der neue Gesetzesentwurf musste noch den Bundestag passieren.

Abstimmung im Bundestag

Was dann gestern, am 31. Januar 2013 in der 219. Sitzung des Bundestages, bürokratisch als Punkt 18 der Tagesordnung entschieden wurde, dürfte bei vielen Eltern von Sternenkindern große Erleichterung ausgelöst haben.

Der Gesetzesentwurf wurde einstimmig, ohne Gegenstimmen oder Enthaltungen angenommen.

Der bisherige Wortlaut von Absatz 3 des §31 PStG der so viele Eltern bedrückt hatte: „Hat sich keines der in Absatz 1 genannten Merkmale des Lebens gezeigt und beträgt das Gewicht der Leibesfrucht weniger als 500 Gramm, handelt es sich um eine Fehlgeburt. Sie wird in den Personenstandsregistern nicht beurkundet“ gehört damit der Vergangenheit an.

Eine letzte juristische Hürde – die Unterzeichnung durch den amtierenden Bundestpräsidenten Joachim Gauck, die innerhalb der nächsten zwei Wochen erfolgen wird, ist praktisch nur noch eine Formalität, die an der Entscheidung nichts ändern wird – und es Eltern ermöglicht, auch rückwirkend Namen für Ihre Kinder anerkennen zu lassen.

Künftig haben auch totgeborene Kinder das Anrecht auf eine Identität – und einen Namen.

9 KOMMENTARE

  1. Es bringt zwar kein Kind zurueck, aber es bringt Frieden fuer die Seele.
    Jetzt darf Amily ein Kind sein und ich eine Mama.
    Vielen Dank an alle die dies ermoeglicht haben!

    • Diana und Dennis…Nun bin ich 4-fache Mama, ganz offiziell:-)obwohl ich das schon vor diesem Beschluss war. Ich werde sie wiedersehen – davon bin ich überzeugt:-)

  2. Jetzt bin ich nicht mehr zweifach, sondern fünffach-Mama…. endlich werden meine Kinder als Kinder anerkannt, auch wenn sie vor der 13. SSW gegangen sind….

    Ein ganz großes Dankeschön all denjenigen, die das ermöglicht haben!

  3. jetzt darf ich 4 fach mama sein. meine drei sterne in der ewigkeit warten. so habe ich doppelten trost. meine sterne erreichten nicht mal die ersten 12 wochen. kyra feiert ihren 10, sternengeburstag am 8.2. also in wenigen tagen.

  4. Jetzt bin ich nicht mehr nur eine 2-fach Mama, sondern endlich eine anerkannte 4-fach Mama. Meine Sternenkinder Lukas und Marco feierten am 16. November 2012 ihren 16. Sternengeburtstag.
    Ein riesiges Dankeschön an alle, die das ermöglicht haben.

  5. Ich kann jetzt auch endlich von meinen drei Kindern erzählen, ohne blöd angemacht zu werden.
    Wir haben zwei gesunde Mädchen 3 Jahre und 5 Monate und dazwischen unser Sternenkind Paul (wäre jetzt 2 Jahre alt).
    Wir sind sooooo glücklich!

    Vielen Dank an allen, die dies möglich gemacht haben!

  6. na endlich das ist der richtige weg!! und mein sternchen lars(13 ssw) und alle sternenkinder bekommen den respekt den sie verdient haben. auch wir sterneneltern werden endlich ernst genommen. und vielleicht trägt es dazu bei dass sich einige menschen mal gedanken machen was es heisst ein kind zu verlieren und wie schmerzhaft diese schreckliche erfahrung ist,egal wie klein es war. danke an alle die dies möglich gemacht haben!!!

  7. endlich!!das ist der richtige weg. jetzt bekommt mein sternchen lars(13 ssw) und alle sternenkinder den respekt den sie verdienen. und auch wir sterneneltern werden endlich ernst genommen. und ich hoffe dass manche menschen vielleicht mal darüber nachdenken was es heisst ein kind zu verlieren und wie schmerzhaft diese schreckliche erfahrung ist und dass es dabei auch überhaupt keine rolle spielt in welcher ssw das passiert oder wie klein das kind auch war!! ich danke allen, die dies möglich gemacht haben!!!!

  8. Nun darf ich mich auch endlich 2-fache Mama nennen <3 Laila nun kann dich niemand mehr verleugnen 🙂 Nadine mit Zoe an der Hand & Laila für immer im Herzen <3 (25.04.2011 16+6 Ssw)

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