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Die Tohoku-Katastrophen: Von der Fukushima-Krise zum Pflichtprogramm?

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Artikelbild - AKW Fukushima: Offizielle Gedenkfeier zum 7. Jahrestag am 11. März 2018 (Foto: Copyright by TEPCO)
AKW Fukushima: Offizielle Gedenkfeier zum 7. Jahrestag am 11. März 2018 (Foto: Copyright by TEPCO)

Sieben Jahre nachdem ein schweres Erdbeben insbesondere Nordostjapan schwer traf und ein großer Teil der Küstenregion vom ausgelösten Tsunami verwüstet wurde, denken viele Menschen zum heutigen Datum vor allem an die Krise am AKW Fukushima Daiichi.

Die Geschehnisse vom 11. März 2011 wirken nach – sowohl bei den Betroffenen, als auch im globalen Bewusstsein, denn die Präfektur Fukushima wird international wohl nun mit dem Stigma der Kernschmelzen leben müssen.

Anlässlich dieses Jahrestages werden auch deutsche Medien sicher wieder zahlreiche neue und alte Dokumentationen und Reportagen bringen, werden Menschen der Opfer gedenken und gegen die weitere Nutzung der Kernenergie protestieren

Doch was bedeuten diese sieben Jahre seit den Tohoku-Katastrophen?

Diese sieben Jahre sind nun ein Zeitraum des Wiederaufbaus, der Bemühung um Normalität und der Pläne für die Zukunft – insbesondere angesichts der Olympischen Spiele 2020 in Tokyo, deren Wettkämpfe zum Teil auch in Fukushima ausgetragen werden sollen.

Diese sieben Jahre waren auch voll anhaltender Missverständnisse, unterschiedlicher Vorurteile, Halbwahrheiten, Sensationsjournalismus, Verschwörungstheorien, sowie versteckten und offenen Diskriminierungen gegenüber Menschen aus den betroffenen Gebieten.

Diese sieben Jahre enthielten auch mehrere Versuche von Manipulation und Verschleierung, Verharmlosung, Zensur und Relativierung, mit der insbesondere die Bedeutung der Kraftwerkskatastrophe heruntergeredet werden sollte

Diese sieben Jahre waren für die Arbeiten zu Stilllegung des AKW Fukushima Daiichi ein Wechsel aus Fortschritten und Misserfolgen, ein Kampf mit der Natur in Gestalt von Radioaktivität, Wasser und Waldbränden. Dieses Ringen wird uns noch viele Jahre begleiten.

Diese sieben Jahre sind ein anhaltender Streit um Recht und Unrecht, der Wunsch nach dringend benötigter finanzieller Unterstützung, der bürokratische Kampf um Entschädigungszahlungen, die Bekämpfung illegaler Arbeitsbedingungen und Straftaten.

Ein Teil dieser Ereignisse mag längst vergessen sein und erst bei der Präsentation angesichts des Jahrestags wieder in Erinnerung kommen.  Für die Menschen in Japan sind diese Schlagzeilen jedoch Teil ihres Alltags, ihrer Realität und auch ihrer Zukunft.

Pflichtprogramm der Betroffenen, oder Weg in die Zukunft?

Für den Wiederaufbau der Region sind korrekte Information und Vertrauen wichtige Voraussetzungen. Somit gehören neben einer schlechten Informationspolitik vor allem Gleichgültigkeit, Uninformiertheit und Vorurteile zu den größten Hindernissen.

Wenn die Gedenktage der Tohoku-Katastrophen zu einem bloßen Pflichtprogramm internationaler Betroffenheit werden, wird sich an den Missständen und Problemen nichts ändern. Nur anhaltendes Interesse und Engagament kann den Menschen vor Ort helfen.

Deshalb sehen wir uns in der Verantwortung, auch weiterhin zu berichten – denn die Menschen in der Region haben ein Recht darauf, dass die Entwicklungen auch dann in die Welt getragen werden, wenn es scheinbar niemanden mehr interessiert.

Wir würden uns freuen, sie auch nach diesem Gedenktag zu unseren Lesern zählen zu können, damit mehr Menschen informiert bleiben und sich nicht mit gelegentlichen spektakulären Sensationsmeldungen Gedenktagsbetroffenheit zufrieden geben.

Im Gedenken an die Opfer und mit dem aufrichtigen Wunsch nach einem weiteren Wiederaufbau der Region Tohoku.

Die Redaktion

1 KOMMENTAR

  1. Gegen Ängste kommt man nur an, wenn man dagegen selber vorgeht, ansonsten verstärken sie sich, meine ich zu wissen.

    Menschen die vor Radioaktivität Angst haben, sollten auch nicht geröntgt werden und als Ersatz das MR- Verfahren selber bezahlen müssen.

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