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Duell der Giganten

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Ein altgewordener und von Krankheit gezeichneter Leo Kirch traf heute in dem Prozess gegen den ehemaligen Deutsche Bank Chef Rolf Breuer erstmals persönlich vor Gericht auf seinen Kontrahenten. Kirch macht die Bank und vor allem den früheren Vorsitzenden für den Konkurs seines Medien-Imperiums, der Kirch-Gruppe, im Jahr 2002 verantwortlich. Er wirft dem Banker vor, absichtlich gegen das Bankgeheimnis verstoßen zu haben. Während der Vernehmung würdigten sich die beiden keines Blickes.

Seit Jahren schon hat der Unternehmer auf Schadenersatz geklagt – bisher jedoch ohne Erfolg. Der aktuelle Prozess vor dem Landgericht München I betrifft eine der Kirch-Firmen, die KGL Pool GmbH, die wiederum weitere 17 Töchter unter sich vereint. Bei den Forderungen geht es insgesamt um eine Schadenssumme von rund zwei Milliarden Euro.

84 Jahre ist Leo Kirch mittlerweile alt. Er sitzt im Rollstuhl und kann kaum sprechen, eine seiner Mitarbeiterinnen übernimmt vor Gericht das Reden für ihn. Er wirkt sehr schwach, der jahrelange Streit und die heutige Konfrontation gehen nicht spurlos an ihm vorüber. Nach nur 90 Minuten brach der Richter die heutige Vernehmung Kirchs ab. Dazu hatte nach Angaben eines Berichtes der Süddeutschen Zeitung dessen Arzt geraten.

Hintergrund dieses Prozesses ist ein Interview, das der damalige Deutsche Bank Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Breuer einige Monate vor dem Konkurs des Kirch-Imperiums gegeben hatte. Darin hatte er offenkundig an der Kreditwürdigkeit der Medienkonzerne Kirchs gezweifelt. Daraufhin seien nach Aussage Kirchs die Banken nicht mehr bereit gewesen, dem Medienunternehmer Geld zu geben. Die Pleite folgte kurze Zeit später.

Auch wenn Rolf Breuer seine Aussagen bereut, so weisen er und die Deutsche Bank jedoch nach wie vor zurück, dass das Interview Schuld an und Auslöser für den Untergang des Kirch-Imperiums gewesen sei. Während der heutigen Anrede Kirchs zeigte sich Breuer sehr passiv, kaum eine Regung war zu sehen.

Das Zivilverfahren in München untersucht, welche Aussagen im Interview Breuers rechtswidrig gewesen sein können. Zudem verlangt es von Kirch Beweise darüber, dass das Interview unmittelbarer Auslöser für die Firmenpleite war und wie hoch der Schaden war.

Zu Leo Kirchs einstigen Imperium gehörten Fernsehsender wie Sat.1, Pro 7, Kabel 1, N24 und Premiere. Außerdem besaß er zahlreiche Beteiligungen an Medienunternehmen wie Axel Springer und Constantin Film. 2002 mussten die Kirch-Firmen Kirchmedia und KirchPayTV aufgrund einer Überschuldung von 6 Milliarden Euro Insolvenz anmelden. Der Großteil der Unternehmensgruppe wurde in den folgenden Monaten vom US-Investor Haim Saban übernommen.

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