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Erdbeben und Tsunami in Japan: Aktuelle Informationen

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Hergang: Das Erdbeben mit der Stärke 8,9 an der Nordostküste Japans in der Tohoku Region erschütterte gegen 14:45 Ortszeit (06.45 MEZ) mehrere Städte. Augenzeugen berichten, es habe praktische kein Vorbeben gegeben.

Das Seebeben hatte einen Tsunami ausgelöst der vor allem an der Ostküste Häuser und Autos fortschwemmte. Im Hafen von Sendai wurde ein zehn Meter hohe Flutwelle mit einer Geschwindigkeit von 800km/h gemessen.

Schiffe wurden gegen die Küste gepresst und von den Wassermaßen weggerissen. Teilweise wurden Ortschaften komplett weggespült, in der Provinz Iwate sollen es 300 Häuser sein. Erdbebenopfer flüchteten sich auf ihre Dächer.

In den besonders betroffenen Gebieten im Nordosten wurden Menschen verschüttet, etwa in einem zusammengestürzten Hotel in Sendai. Rettungskräfte sind im Einsatz und hören Hilferufe aus den Trümmern.

Das Erdbeben ist das Schwerste in der Geschichte Japans und übertrifft damit auch das große Kantō-Erdbeben von 1923.

Nachbeben: Nach wie vor werden Nachbeben und Erdstöße gemeldet. Ab 14:25 gab es bislang keine Meldungen über weitere Erdstöße im Großraum Tokyo, spätestens um 14:55 setzten sie jedoch erneut ein. Insgesamt gab es bis 15:43 rund 50 Nachbeben mit Stärken von bis zu 6,0 auf der Richter-Skala. Nach Ansicht von Seismologen werden die Nachbeben noch etwa einen Monat lang andauern.

Um 20:06 gab es ein starkes Nachbeben mit einer Stärke von 6,6 auf der Richter-Skala, das seinen Ursprung im Norden des Landes hatte, wenige Stunden später, um 22:21 folgte ein Erdstoß mit einer geschätzten Stärke von 6,3.

Nach Aussage von Personen vor Ort, nimmt die Schwere der Nachbeben zu, auch in der Präfektur Nagano soll es erneut zu heftigen Erdstößen gekommen sein.

Weitere Tsunami: Die Japanische Regierung warnte um 19:28 vor der Möglichkeit weiterer Riesenwellen. Dies meldete der Fernsehsender NHK.


Selbstverteidigunsstreitkräfte im Einsatz:
Neben Kampfflugzeugen sind auf bitte der Präfekturführung von Miyagi nun auch die Marineeinheiten der Japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte (SDF) im Einsatz. Alle Schiffe die sich zum Zeitpunkt des Bebens in der Yokosuka Werft der SDF befanden sind auf dem Weg in die nordöstliche Präfektur.

Flughäfen: Auf Tokyos größtem Flughafen Narita wurde der Flugverkehr eingestellt, auf dem Flughafen Haneda zwei Landebahnen gesperrt. Die großen Fluggesellschaften stellten den Flugverkehr nach Tokyo vollständig ein.

Mehr als 700 Maschinen blieben in Tokyo auf dem Flughafen Narita stehen. Über 13.000 Personen saßen dort fest, bis um 15:08 der Betrieb wieder aufgenommen wurde. Am Flughafen Haneda sollen noch 10.00 Fluggäste warten.

Der Flughafen Sendai meldete, Landebahnen seien unterspült.

Kommunikation: Das Mobilfunknetz ist zu großen Teilen zusammengebrochen. Die Internetverbindung scheint jedoch zu funktionieren.

Transportwesen: Zug- und Bahnverkehr wurden aus Sicherheitsgründen eingestellt, es fuhren vereinzelt Busse. Es liegen keine Informationen über entgleiste Schnellzüge vor.  Ersten Berichten zufolge sollen seit 15:50 wieder erste Züge fahren. Es ist die Rede davon, der Bahnhof von Shinjuku sei „geräumt“ worden.

In der Küstenregion werden nach Angaben einer japanischen Nachrichtenagentur vier ganze Züge vermisst, auch ein Schiff mit 100 Passagieren ist verschollen.

 

Nachtleben in Tokyo
Vor dem Erdbeben: Feierabend in Tokyo. Foto KJ

Tokyo: In Japans Hauptstadt stehen viele Gebäude in Brand. Menschen wurden verletzt, als auf der großen Chiyoda-Straße Teile von Dächern herab fielen. Besonders die Hochhäuser sind jedoch baulich auf Erdbeben ausgelegt.

Shinjuku, im Zentrum Tokyos wurde ebenfalls vom Erdbeben getroffen. Die Antenne auf der Spitze des Tokyo Towers bog sich.

Selbst kleine Hotels sind mittlerweile voll, aufgrund der Brände und Erdbebenschäden wird ein nicht geringer Teil der Bevölkerung außerhalb ihrer Häuser auf der Straße übernachten müssen.

Die Konbinis (Mini-Supermärkte) wurden praktisch leer gekauft, die Bevölkerung deckte sich mit Lebensmitteln ein. Zwischenzeitlich wurde eine Reihe von Konbinis jedoch wieder mit neuen Waren beliefert. Es kam in Japan nicht zu Plünderungen.

Viele Personen versuchen trotz der Kälte zu Fuß nach Hause zu kommen. Mittlerweile sollen verschiedene große Stadien ihre Tore für die Übernachtung von Erdbebenopfern geöffnet haben. Die Ausgabe von Nahrung und Decken in den ausgeschilderten Erdbeben-Notunterkünften hat ersten Meldungen zu Folge begonnen.

In Teilen der Stadt ist die Stromversorgung zusammengebrochen,  vier Millionen Haushalte sollen hiervon betroffen sein. Besonders durch die Abschaltung der Atomkraftanlagen fehlt es an Strom.

Schätzungsweise 1 Million Pendler stecken in Tokyo fest und werden die Nacht in ihren Büros oder den Notunterkünften verbringen müssen.

Alarm in Atomkraftwerk: Der Premierminister Naoto Kan hat den nationalen atomaren Notstand ausgerufen um im Fall von radioaktiven Lecks schneller Maßnahmen einleiten zu können, bislang sei jedoch in keinem Kraftwerk Radioaktivität ausgetreten.

Die Atomkraftwerke in Japan sind aufgrund der Warnung automatisch abgeschaltet worden, im Onagawa an der Nordostküste wurde Alarm ausgelöst, dort brach Feuer in einem Generatorenraum aus. Mittlerweile (15:35) soll das Feuer jedoch gelöscht sein.

Ernster sieht die Situation offenbar im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi aus. Das dortige Notkühlungssystem läuft nur noch auf Batterieleistung und wird damit nur noch wenige Stunden lang funktionieren. Es wird offenbar eine Überhitzung befürchtet.

Die Reaktoranlage ist für Erdbeben von einer Stärke um 7,7 ausgelegt und daher mit dem Wert von 8,9 vermutlich überfordert. Das Gelände war trotz einer Schutzmauer überflutet worden.

Mittlerweile wurden 2000 Anwohner dazu aufgefordert, das Gebiet in einem Umkreis von 3km zu verlassen und in einem Radius von 10km die Häuser nicht zu verlassen.  Radioaktivität sei jedoch auch hier nicht ausgetreten. Insgesamt sollen 6000 Personen aufgrund des Atomalarms evakuiert worden sein.

Auch der Wasserstand in der Kühlung des Kernkraftwerks sank zunehmend. Man versuchte, durch das heranschaffen von Generatoren die Kühlung am Laufen halten zu können, andernfalls droht eine Kernschmelze.

Um 17.09 wurde bekannt, dass Truppen der Selbstverteidigungsstreitkräfte nach Fukushima geschickt wurden. Gegen 17:27 ist offenbar Spezialausrüstung eingetroffen, Spezialeinheiten der Armee operieren vor Ort. Zunächst meldeten Berichte, die USA hätten Reaktorkühlmittel nach Japan geschickt, diese Aussage von Clinton wurde zwischenzeitlich dementiert.

Gegen 18:40 meldete die Betreiberfirma Tepco, der Druck im Reaktor von Fukushima steige weiter an, während der Kühlwasserstand weiter sinkt. In einem Turbinengebäude des Reaktors I sei zudem der Grad an Radioaktivität gestiegen.

Industrieminister Banri Kaieda erwägt, radioaktiven Dampf abzulassen, um den Druck zu senken, allerdings ist die Höhe der Strahlung nicht klar.

Es gibt 11 Nuklearanlagen in den betroffenen Präfekturen Miyagi, Fukushima und Ibaraki, die sich bei dem Erdbeben automatisch abschalteten.


Industrie:
In der Provinz Chiba im Einzugskreis von Tokyo stehen Raffinerien in Flammen, ein Brand in der Raffinerie ist außer Kontrolle. Es kam zu Explosionen von Treibstofftanks und zu Verpuffungen. Auch hier soll jedoch die Situation wieder unter Kontrolle  sein.

Opfer: Bisherige Fernsehberichte sprechen von 1000 Todesopfern, die Zahl der Verletzten kann noch nicht abgeschätzt werden.

So meldete etwa die Feuerwehr von Osaki in der Präfektur Miyagi mindestens 20 Verletzte vor Ort, Personen wurden in Krankenhäuser gebracht. Ein Medical Center in Sendai meldete eine ähnliche Zahl von Verletzten, viele davon mit Knochenbrüchen.

Die Polizei in Tokyo nannte offizielle Zahlen. So gebe es aktuell 100 Brände. Zumindest die Brände in Tokyo sollen jedoch weitgehend unter Kontrolle sein.

Nachrichtenagenturen meldeten gegen 14:36 den Fund von 300 Leichen an der Küste um Sendai. Damit stieg die Zahl der Todesopfer dramatisch an.

Regierung; Eine Sitzung des Kabinetts wurde vom Erdbeben unterbrochen, Premierminister Kan zeigte sich auch anhand schwankender Kronleuchter erstaunlich unbeeindruckt. Die Regierung ruft die Bevölkerung dazu auf, weiterhin vorsichtig zu sein, da es neben den bereits geschehenen Nachbeben vermutlich weitere geben werde.

Die Berichterstattung in Japan selbst beschränkt sich auf informative Inhalte, Live-Aufnahmen des Bebens und der Folgen werden nicht ausgestrahlt.

Umweltfolgen: Raffinerien brennen, dicker Qualm steigt auf und Öl läuft aus. Einige der Brände in den Industrieanlagen sollen jedoch bereits erfolgreich gelöscht worden sein

Das Rote Kreuz
Deutsches Rotes Kreuz: Hilfe für Japan

Internationale Reaktionen: Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle erklärte, man werde Japan praktische Hilfe leisten, wenn darum gebeten werde. Das Japanische Rote Kreuz hat bislang noch keine Aufforderung veröffentlicht.

Eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes sagte, von Vorteil sei, dass die Kenntnisse der Ersten Hilfe in Japan vergleichsweise gut verbreitet seien, die Bevölkerung ist, anders als etwa die Opfer von Haiti, durch Erdbebenübungen bereits ab dem Kindergartenalter geschult.

Um 16:43 hieß es, Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes seien angefordert worden und auf dem Weg. Auf Wunsch der Japanischen Botschaft sollen nun auch Bergungsteams nach Japan geschickt werden. Andere Quellen widersprechen dem.

US-Präsident Barack Obama sicherte ebenfalls Hilfe zu, US-Marines und Amphibienfahrzeuge sind ebenso auf dem Weg, wie der Flugzeugträger USS Ronald Reagan, der zu einem mobilen Krankenhaus umgebaut werden kann.

Um 19:45 reichte Japan ein offizielles Hilfegesuch bei der EU ein. Das Technische Hilfswerk (THW) aus Deutschland, macht sich bereit

Um 21: 17 hat Japan auch bei den UN um Hilfe gebeten, man benötige einige Hilfstrupps.

6 KOMMENTARE

  1. Diese Erdbeben war vorhersagbar. Ich habe ein Tag vor dem starken Erdbeben davor gewarnt.

    http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=30836&page=7

    Ich versuche schon seit zwei Jahren die Verantwortlichen zu überzeugen, dass die so genannte Wissenschaft eine Ansammlung von ahnungslosen Idioten ist die völlig unfähig sind irgend etwas von der Natur zu verstehen die aber sehr gut wissen wie man das Geld aus unseren Taschen zieht.

    Dieser Krake des Idiotentums hat viele Bereiche der Öffentlichkeit gut in Griff.
    Als Reaktion auf meine Warnung wurde ich z.B. bei Spiegel gesperrt. Stattdessen wurden die Menschen mit wissenschaftlichen Müll zugeschüttet obwohl allen klar sein muss dass die Wissenschaft von der Ursachen der Erdbeben keine Ahnung hat..

  2. oh man das is echt krass
    ich weiß echt nicht was man dazu sagen soll aber das tut echt weg weil ich japan mag :(:(:(
    einfach nur traurig

  3. Ich bin zu tiefst erschüttert.
    Bin auch ein großer Japan Freund und hoffe für diese nette Nation das allerbeste.

    Die Welt wächst hoffentlich mehr zusammen.

    Liebe Grüße

  4. Nach Aussage der Betreiber habe es heute eine kontrollierte Expolsion gegeben. „11 Arbeiter wurden verletzt“ ist damit nicht wirklich vereinbar. Ich will mal hoffen das die Regierung etwas aus dieser Katastrophe lernt und die die Kernkraftwerke ein für alle mal ausschalten. Der Glaube an die Beherrschbarkeit einer Kettenreaktion ist fassungslos. Wir sehen in den Nachrichten, wie ein Block nach dem anderen unkontrollierbar wird. Jedoch sind unsere Kraftwerke sicher wenn es keinen terrorischtischen Anschlag gibt – wenn es kein größeres Erdbeben gibt wenn es kein Tsunami oder Hochwasser gibt und wenn es kein Technisches Versagen gibt.

    • Sicherlich wäre es besser die Atomkraftwerke ein für alle mal abzuschalten, aber Japan ist ein so kleines Land und hat so viele Einwohner´wie sollte sich Japan sonst mit Strom versorgen?
      Die Wasserkraftwerke sind noch nicht so ausgereift, dass sie so viel Strom wie nötig produzieren können.
      Man sollte mehr in die natürliche Endergie investieren, damit sich zb. Japan selbst versorgen kann OHNE atomare Energien.

      Mir liegt dieses Land sehr am Herzen, daher bin ich auch zutiefst betroffen. Jeden Tag verfolge ich die Nachrichten und informiere mich durch das Internet.
      Leider kenne ich in Japan Personen, weiß aber nicht ob es ihnen gut geht.

      Ich wünsche dass die Radioaktieve Strahlung nicht ganz so schlimm ist wie sie im Moment scheint, also Nachrichten zu Folge.

  5. Ich bin auch ein sehr großer Japan Fan und ich liebe die japanische Kultur es macht mich echt verdammt traurig was da zur Zeit alles ab läuft. Die Japaner haben es nämlich echt nicht verdient. Sie hatten es jetzt gerade geschafft eine der bedeutensten Industrie Nationen der Welt zu werden und dann passiert so eine Katastrophe.
    Ich muss dazu aber auch sagen das die Japaner kampfeswillen zeigen, weil sie versuchen wollen das alleine durch zu stehen um der Welt zu beweisen das sie es können. Ich hoffe nur das nach diesem Unglück die Wirtschaft der Japaner wieder einen Aufschwung bekommt…bzw sich das jetzt erstmal wieder alles beruhigt. Man kann wirklich nur hoffen das es jetzt nicht mehr schlimmer wird!

    Ich wünsche, bete und hoffe das dieses Grauen bald ein Ende hat und Japan wieder seine alte Stärke zurück erlangt. Es wäre sehr traurig wenn dieses großartige Volk und dessen Kultur verloren geht.!!!

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