Start Aktuelles Fukushima aktuell: 750 Tonnen radioaktives Wasser ausgetreten

Fukushima aktuell: 750 Tonnen radioaktives Wasser ausgetreten

2673
0
TEILEN
Artikelbild - AKW Fukushima: Besuch von Premier Abe am 19. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Lagertankbereich H4 beim Besuch von Premiermminister Shinzo Abe im September 2013 (Foto: TEPCO)

Der Jahrestag der Katastrophe wirft auch beim Betreiber des AKW Fukushima heute bereits seine Schatten voraus, doch tatsächlich sieht man sich in Japan aktuell mit einem weiteren Wasserleck konfrontiert. Einzelheiten der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 10. März 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Wasserleck mit radioaktivem Wasser aufgetreten
  • TEPCO kündigt Gedenkveranstaltung an
  • Tausende Fotofunde bleiben unabgeholt
  • Fast 229.000 Menschen leben noch in Übergangshäusern
  • Erneut Verdacht illegaler Entsorgung von Dekontaminationsabfällen

Wasserleck mit radioaktivem Wasser aufgetreten: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO heute meldete, kam es außerhalb von Betonbarrieren im Lagertankbereich H4 zum Austritt von radioaktiv kontaminiertem Wasser.

Angestellte entdeckten bei einem Kontrollgang, dass es am Rand einer Abflussrinne außerhalb der inneren Barriere zum Auftreten von Blasen gekommen war. Bei einer weitergehenden Untersuchung wurde dann ein Wasseraustritt festgestellt, der außerhalb der äußeren Barriere erfolgte.

Eine Analyse des Wassers ergab mit 8.300 Becquerel pro Liter eine vergleichsweise hohe Konzentration von Betastrahlern wie Strontium. Das Unternehmen schätzt, das etwa 750 Tonnen Wasser ausgetreten sind.

TEPCO versicherte, der Großteil des Wassers sei dort im Boden versickert, so dass es keinen Austritt in das Meer gegeben habe. Man untersuche derzeit die Hintergründe. Über den Wasseraustritt berichtete die Kyodo.

TEPCO kündigt Gedenkveranstaltung an: Der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, an dem Japans bislang schwerstes Reaktorunglück geschah, hat für den morgigen Jahrestag der Tohoku-Katastrophen eine Gedenkminute auf dem Kraftwerksgelände angekündigt.

Führungskräfte des Unternehmens, darunter Präsident Naomi Hirose und Angestellte, werden sich im erdbebensicheren Hauptgebäude versammeln, um dort der zahlreichen Opfer der Tohoku-Katastrophen zu gedenken.

Im Anschluss sollen dann Ansprachen der Unternehmensführung folgen. Diese Ankündung findet sich auf der Webseite des Unternehmens.

Tausende Fotofunde bleiben unabgeholt: Eine Einrichtung in Onagawa (Präf. Miyagi), die in den vergangenen Jahren jene Fotos reinigte und aufbewahrte, die nach den Tohoku-Katastrophen gefunden wurden, wird zum aktuellen Jahrestag die Arbeit einstellen.

Damit bleiben 39.000 Fotos ohne Besitzer. Die Aufnahmen werden jetzt noch einmal in einer Sporthalle ausgestellt, um den Überlebenden noch einmal die Möglichkeit zu bieten, nach Fotos zu suchen.

Doch auch wenn anschließend nicht mitgenommene Bilder vernichtet werden, sind die Erinnerungsstücke keineswegs ausgelöscht. Digitale Daten von etwa 100.000 Aufnahmen werden der Gemeindeverwaltung Onagawa ausgehändigt – darunter auch die zurückgelassenen Bilder.

Die initiative konnte in den vergangenen Jahren etwa 56.000 Bilder ihren Besitzern wieder zurückgeben. Über das Ende der Arbeiten berichtete die Mainichi Shimbun.

Fast 229.000 Menschen leben noch in Übergangshäusern: Auch vier Jahre nach den Naturkatastrophen vom 11. März 2011 lebt eine große Zahl von Menschen immer noch in Übergangshäusern.

Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Zahlen der Behörde für Wiederaufbau mit Stand vom 12. Februar zufolge, wohnen 228.863 Personen in diesen Gebäuden.

Damit ist die Zahl im Vergleich zum März vergangenen Jahres zwar um 35.000 Personen gesunken – dennoch konnte gerade einmal ein Prozent der Einrichtung abgerissen werden, wenn neue Möglichkeiten, wie etwa Sozialwohnungen verfügbar waren.

Im Vergleich zum Hanshin-Großbenen von Kobe 1995, sehen Vertreter der Präfektur Hyogo weniger Fortschritte, denn im selben Zeitraum habe man damals bereits 30 Prozent der Gebäude abreissen können, da die meisten neuen Wohnmöglichkeiten bereits fertiggestellt waren.

Über die aktuellen Zahlen berichtete die NHK.

Erneut Verdacht illegaler Entsorgung von Dekontaminationsabfällen: In der Vergangenheit hatte es bereits mehrfach Fälle von illegaler Ablage von kontaminiertem Material in der Präfektur Fukushima gegeben.

Nun wurde gestern neue Fälle gemeldet und ähnlich wie bereits zuvor deutet der Einsatz von schwerem Gerät bei der illegalen Entsorgung auf professionelles Vorgehen hin.

In Minamisoma (Bezirk Odaka) waren Stämme und Äste von Bäumen in ausgehobenen Gruben entdeckt worden. Die entsprechenden Dekontaminationsarbeiten liefen vom Dezember vergangenen Jahres bis zum Januar diesen Jahres.

Bei Dekontaminationsmaßnahmen anfallende Abfälle müssen in Säcken zu übergangsweise errichteten Sammellagern transportiert werden. Eine Entsorgung außerhalb dieser Zwischenlager ist strafbar.

Die Ermittler untersuchen nun mehrere Orte und befragen Angestellte von beauftragten Subunternehmen, um Zusammenhänge herauszufinden. Über die erneuten Entdeckungen berichteten Präfekturmedien.

Spendenbereitschaft für Tohoku-Opfer zurückgegangen: Während Hilfsgelder für den Wiederaufbau der Region praktisch unangetastet blieben, berichtet das Rote Kreuz von einem deutlichen Spendenrückgang.

Schriftzug: Japanisches Rotes Kreuz (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Rotes Kreuz meldet Spendenrückgang für Tohoku-Opfer (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Lagen die Spenden unmittelbar nach der Katastrophe noch bei 314,6 Milliarden Yen, so betragen sie im auslaufenden Fiskaljahr gerade einmal 2,9 Milliarden Yen.

Gelder die dem Roten Kreuz, oder den Präfekturverwaltungen zukommen, sollen direkt den Opfern zukommen und werden nicht für Wiederaufbauprojekte genutzt.

So zahlten die Präfekturen Iwate und Miyagi 1,75 Millionen bzw. 1,18 Millionen Yen für jeden Todesfall in den Familien und in der Präfektur Fukushima waren Vollwaisen jeweils eine Million und Halbwaisen 500.000 Yen ausgezahlt worden.

In Vergangenheit waren einige Verwendungszwecke für Aufbauhilfen – etwa zur Finanzierung des Walfangs – als fragwürdig kritisiert worden.

Die Verwaltungen der drei Katastrophenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi, melden allerdings ebenfalls einen Spendenrückgang.

In Miyagi lagen die finanziellen Zuwendungen in diesem Fiskaljahr bei etwa 130 Millionen. Direkt nach der Katastrophe waren 26,6 Milliarden gespendet worden. Auch die beiden anderen Präfekturen meldeten ein Abebben der Spenden. Über den Rückgang berichtete die Kyodo.