Fukushima aktuell: Äußerung zur Trinkwassersicherheit führt zu Protesten

Fukushima aktuell: Äußerung zur Trinkwassersicherheit führt zu Protesten

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Artikelbild - Wasserhahn (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Trinkwasser-Kommentar führt zu Protesten (Symbolfoto: pd)

Während eine Gemeinde der Präfektur Fukushima heute wegen umstrittener Äußerungen zum dortigen Trinkwasser ein Teil der Fukushima News ist, sind Neustartaussichten eines Rektors und Diskriminierung von Atomkraftkritikern weitere Themen im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. Juli 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Proteste gegen Trinkwasser-Äußerung
  • Befüllung von Reaktor des AKW Sendai begonnen
  • Mitarbeiter von Atombehörde wegen Kritik diskriminiert
  • Ältester Mann der Welt gestorben

Proteste gegen Trinkwasser-Äußerung: Die einstigen Einwohner von  Naraha protestieren gegen die Äußerung eines Ministers, die Einschätzung der Sicherheit des dortigen Trinkwassers sei vor allem ein psychologisches Problem.

Auf einer gestrigen Pressekonferenz erklärte Vize-Industrieminister Yosuke Takagi auf die Frage eines Reporters, die Cäsiumbelastung des Trinkwassers in Naraha liege unter dem Nachweiswert.

Menschen hätten allerdings unterschiedliche Haltungen zum Thema der Radioaktivität. Seiner Ansicht nach sei die Frage, ob das Wasser sicher oder unsicher sei, daher ein psychologisches Problem.

Die Einwohner reagierten mit Unverständnis und Empörung auf die Aussage. Sie misstrauen zudem den Äußerungen der Regierung über die Sicherheit des dortigen Trinkwassers.

Im Juli vergangenen Jahres hatte das Umweltministerium in einem Wasserreservoir am Kido-Damm, Sedimente mit einer Cäsiumbelastung von bis zu 18.700 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen.

Das Reservoir stellt die Trinkwasserquelle für die Bürger von Naraha dar. Die Ortschaft soll im September vollständig freigegeben werden.

Nach Angaben besorgter Bürger habe es allerdings bislang keine konkreten Maßnahmen zur Entfernung des radioaktiv kontaminierten Materials gegeben.

Über die Proteste aufgrund der Äußerung des Ministers berichtete die Mainichi Shimbun.

In der Vergangenheit war bereits die Nutzung kontaminierter Wasserreservoirs in der Landwirtschaft für unbedenklich erklärt worden.

Mancher Bürger mag auch an die Äußerung des Mediziners Shunichi Yamashita vom August 2011 gedacht haben. Der Arzt hatte damals erklärt, Strahlungsschäden beträfen nur Menschen, die nicht lachen und positiv denken.

Befüllung von Reaktor des AKW Sendai begonnen: Der Betreiber Kyushu Electric hat am heutigen Nachmittag begonnen, Reaktor 1 des AKW Sendai (Präf. Kagoshima), mit Brennelementen zu füllen.

Die Maßnahme soll vier Tage dauern und die notwendigen Arbeiten zu diesem Zweck rund um die Uhr laufen. Dabei müssen insgesamt 157 Brennelemente zurück in den Reaktor transferiert werden.

Nachdem eine Sicherheitsprüfung der Atomaufsichtsbehörde NRA  im vergangenen Jahr positiv ausfiel, ist der Reaktorneustart für den 13. August angesetzt.

Es wäre der erste Neustart eines Reaktors seit zwei Jahren. Sofern sich keine Störungen ergeben, soll Reaktor 2 im Oktober ebenfalls neu gestartet werden.

Zuletzt waren im Juli 2012 Reaktoren des AKW OI neu gestartet, dann im September 2013 für Standardinspektionen jedoch wieder heruntergefahren worden.

Die Neubefüllung am AKW Sendai ist erforderlich, da nach der Fukushima-Katastrophe die Brennelemente als Sicherheitsmaßnahme in ein angrenzendes Lagergebäude transferiert wurden. Diese Arbeiten wurden im Januar 2013 erfolgreich abgeschlossen.

Auch wenn die Anlage den verschärften Sicherheitsbestimmungen entspricht, gibt es Widerstände in der Bevölkerung.

So versammelten sich vor dem Kraftwerksgelände etwa 100 Atomkraftgegner, die zum Teil extra angereist waren.

Sie werfen dem Betreiberunternehmen vor, den Wunsch der Allgemeinheit nach einem Atomausstieg zu ignorieren und den Profit über die Sicherheit zu stellen.

Über diese ersten Vorbereitungen für den Neustart und die Proteste berichteten praktische alle Medien, unter anderem Kyodo, jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Mitarbeiter von Atombehörde wegen Kritik diskriminiert: Vier ehemalige Angestellte der japanischen Atomenergiebehörde JAEA, klagen gegen berufliche Ungleichbehaltung wegen atomkraftkritischer Haltung.

Während ihrer Zeit beim JAEA-Vorgängerunternehmen PNC, verteilten sie Flugblätter und hielten Tagungen bei Gewerkschaften ab, um auf Sorgen in Bezug auf Gesundheit und Sicherheit aufmerksam zu machen.

Als Reaktion hierauf führte ihr damaligen Arbeitgeber eine Feindseligkeitsskala für Angestellte ein und stufte zwischen 1980 und 1982 insgesamt 32 Mitarbeiter als Unruhestifter ein, was Ungleichbehandlung bei Lohn und Beförderung mit sich brachte.

Die vier Kläger, die im April kündigten, fordern von der JAEA insgesamt 110,8 Millionen Yen als Ausgleich zu den erlittenen Gehaltsdifferenzen und zusätzlich Schmerzensgeld. Hierüber berichtete die Mainichi Shimbun.

Ältester Mann der Welt gestorben: Am Sonntag starb der älteste Mann der Welt, Sakari Momoi, im Alter von 112 Jahren. Momoi stammt aus der Präfektur Fukushima und wurde im Jahr 1903 in Minamisoma geboren.

Er erlebte somit bedeutende historische Ereignisse, wie die Regierungszeit dreier japanischer Kaiser und den Pazifikkrieg. Momoi starb in einer Klinik in Tokyo an chronischem Nierenversagen.

Sein Gesundheitszustand habe sich nach Angaben der Angehörigen trotz seines hohen Alters zuvor niemals ernsthaft verschlechtert. So habe der frühere Lehrer immer selbstständig essen können.

Über den Todesfall berichteten praktisch alle japanische Medien darunter Kyodo, jiji, NHK und Präfekturmedien.

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