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Fukushima aktuell: Affen der Präfektur weisen Cäsiumbelastung auf

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Während am vergangenen Donnerstag ein Erdbeben mit einer Magnitude von 6,1 keine weiteren Folgen hatte, gibt der jüngste Fluss von stark radioaktivem Wasser am AKW Fukushime heute weiterhin Rätsel auf.  Diese und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. Februar 2015.

Unsere Themen zum Wochenanfang:

  • Cäsiumnachweis bei Affen in Fukushima
  • Neue Informationen zum Strahlungsanstieg im Abwasserkanal
  • Massenbau von Drohnen in Fukushima geplant
  • Genehmigung von Einlagerung erwartet
  • Zwei Verklappungen ohne Zwischenfälle fortgesetzt

Cäsiumnachweis bei Affen in Fukushima: In einer Studie der Universität Tohoku, wurde anhand von Untersuchungen an gefangenen Japanmakaken 2013 festgestellt, dass sich radioaktives Cäsium insbesondere in der Skelettmuskulatur der Affen einlagert.

Die Ergebnisse wurden in Tokyo bei einem Diskussionstreffen zur Auswirkung von Strahlung auf Wildtiere und Pflanzen vorgelegt. Nach Angaben der Wissenschaftler steht die Einlagerung in diese Muskeln in Zusammenhang mit der ähnlichen Aufnahme von Kalium und Cäsium.

Japanmakaken leben in bewaldeten Gebieten, die bislang nicht dekontaminiert wurden und bieten somit eine Grundlage sowohl für die externe, als auch die inkorporierte Strahlungsbelastung durch die Nahrungsaufnahme. Die Wissenschaftler erhoffen sich durch langfristige Beobachtungen auch Rückschlüsse auf mögliche Gesundheitsfolgen bei Menschen ziehen zu können.

Neben den am vergangenen Freitag von Präfekturmedien veröffentlichten medizinischen Untersuchungsergebnissen, gab es bereits im Jahr 2012 das Projekt, Affen der Präfektur Fukushima für Strahlungsmessungen in Waldgebieten einzusetzen.

Neue Informationen zum Strahlungsanstieg im Abwasserkanal: Nachdem es am gestrigen Sonntag zu einem plötzlichen Anstieg von Strahlungswerten in einem Abwasserkanal zum Hafen des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi gekommen war, informierte der Betreiber der Anlage heute über die aktuellen Entwicklungen.

Nach Angaben des Unternehmens ist vermutlich stark radioaktives Wasser in die Hafenbucht des Kraftwerksgeländes geflossen. Allerdings, so betonte der Elektrizitätsanbieter, liege die Konzentration im Hafen innerhalb der Normalwerte.

Zudem sei das Hafenbecken von Barrieren umgeben, so dass eine Kontamination des Meeres außerhalb des Hafenbereichs unwahrscheinlich sei. Der Hafenbereich ist unter anderem durch Dämme und Schlickzäune vom übrigen Ozean abgetrennt und in der Vergangenheit waren Betonierungsarbeiten des Bodens im Hafenbecken durchgeführt worden.

Die Herkunft des stark radioaktiven Wassers ist jedoch weiterhin ebenso ungeklärt, wie die tatsächlich ausgetretene Menge. Ob die Entfernung von angesammeltem Schlamm aus dem Kanal, die dort am Samstag durchgeführt wurde, in kausalem Zusammenhang zu den Ereignissen vom Sonntag steht, ist unklar.

TEPCO wies darauf hin, dass noch am Sonntagabend gegen 22:00 Uhr das Strahlungsniveau von zuvor bis zu 7.230 auf 20 Becquerel pro Liter gesunken war. Cäsium-137 sei nur noch in einer Höhe von 6,9 Becquerel nachweisbar gewesen und Cäsium-134 habe zu diesem Zeitpunkt bereits unter dem Nachweiswert gelegen.

Die gestern gestoppten Anlagen zur Verarbeitung von kontaminiertem Wasser, wie das Multinuklid-Filtersystem ALPS und mobile Strontium-Filtersysteme wurden heute um 16:51 Uhr (Ortszeit) wieder in Betrieb genommen, nachdem es keine Hinweise auf die mögliche Quelle für das Wasser im Abwasserkanal gab.

Ein Kanal, der Regenwasser in die Bucht ableitet, war im Zuge des Zwischenfalls als Sicherheitsmaßnahme geschlossen worden, doch am heutigen Montag öffnete das Unternehmen die dortige Barriere wieder, nachdem der gesunkene Strahlungswert bestätigt worden war.

TEPCO sah bereits am Sonntag in der langfristigen Sperrung der Kanäle keine brauchbare Option und begann damit, das verbliebene Wasser durch Vakuumpumpen abzusaugen. Man fürchte, bei einer Stauung des Wassers könnte es im Zuge von heftigen Regenfällen zum Überlaufen von Wasser aus den Kanälen und dem nicht kontrollierbaren Einsickern in umliegendes Erdreich kommen.

Der Betreiber der Kraftwerksanlage versicherte in einer Presseerklärung, man untersuche die genauen Umstände weiterhin. Neben TEPCO berichtete auch Kyodo, NHK und Präfekturmedien über die aktuellen Entwicklungen.

Massenbau von Drohnen in Fukushima geplant: Am vergangenen Freitag präsentierte das Tokyoter Unternehmen Kikuchi Seisakusho in Minamisoma (Präf. Fukushíma), den Testbetrieb einer Multirotor-Flugdrohne, die bis zu 30 Minuten in der Luft bleiben kann.

Die Firma ist auf die Herstellung von Präzisionsteilen spezialisiert und will künftig eine Einrichtung zur Massenfertigung von Drohnen in der Evakuierungszone um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi betreiben. Es würde sich damit um die erste Massenproduktion in Japan handeln und pro Jahr sollen 400 Stück gebaut werden.

Zumindest ein Teil der Drohnen wird zur Messung von Strahlungswerten bei Dekontaminationsmaßnahmen und Wiederaufbau in der Region zum Einsatz kommen. Das drei Kilo schwere Gerät ist in der Lage, doppelt so schwere Geräte zu transportieren und sich mit einer Geschwindigkeit von 36 Kilometern pro Stunde fortzubewegen.

Entwickelt wurde das zwei bis drei Millionen Yen teure Gerät vom  „Autonomous Control Systems Laboratory“, unter Leitung vom Robotik-Experten Professor Kenzo Nonami von der Universität Chiba. Die Entwickler erklärten, die Evakuierungszone sei ein geeigneter Ort für die Fertigung, da man dort Strahlung messen könne, und hoffen zudem, dass die Drohne zur Wiederbelebung der Präfektur beiträgt.

Das Herstellerunternehmen hofft, die Kosten für die Geräte halbieren zu können. Interesse an dem Produkt gibt es auch im Ausland. Bislang gibt es in Japan schätzungsweise 2.000 Flugdrohnen aus ausländischer Produktion. Diese haben jedoch zumeist keinen praktischen Nutzen, sondern werden als Hobby  von technikbegeisterten Privatpersonen gesteuert.

Über die Entwicklung des aktuellen, GPS-gesteuerten Geräts, das mit sechs Rotoren fliegt und selbstständig starten und landen, sowie  auf der Stelle schweben kann, berichteten japanische Medien, darunter die Kyodo, jiji, Asahi Shimbun, Yomiuri Shimbun und NHK.

Genehmigung zur Einlagerung erwartet: Noch im Verlauf dieser Woche könnte die Präfekturverwaltung Fukushima der Lieferung von Dekontaminationsabfällen an Zwischenlager zustimmen. Das berichteten Medien bereits am Samstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen.

Sollten diese Berichte zutreffen, könnte Präfekturgouverneur Masao Uchibori bereits bei einem für Mittwoch angesetzten Treffen mit Umweltminister Yoshio Mochizuki sein Einverständnis erklären. Mit den beiden Gemeinden auf deren Gebiet die Zwischenlager liegen werden, sollen bereits Terminabsprachen laufen, heißt es. Im Fall von Okuma bestehe offenbar schon eine Zusage.

Die Arbeiten an den Einrichtung waren zu Beginn des Monats angelaufen. Während die entsprechende Bauerlaubnis bereits im vergangenen August erteilt wurde, steht die Genehmigung für die Anlieferung der Abfälle noch aus. Geht es nach dem Willen der Regierung in Tokyo, sollen die Lieferungen am Jahrestag der Tohoku-Katastrophen am 11. März anlaufen.

Der potentielle Standort eines Endlagers, das nach den Vereinbarungen beider Seiten außerhalb der Präfektur liegen muss und in das die Dekontaminationsabfälle nach 30 Jahren final eingelagert werden, ist dagegen noch völlig ungeklärt. Über die zu erwartende Einigung berichteten die Kyodo und Präfekturmedien.

Zwei Verklappungen ohne Zwischenfälle fortgesetzt: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO heute mitteilte, sind trotz des gestrigen Strahlungsanstiegs in einem Abwasserkanal keine Auffälligkeiten bei der Einleitung von Grundwasser aus einem Lagertank aufgetreten.

Die bereits gestern eingeleitete Menge belief sich auf 65 Tonnen und am heutigen Montag wurden weitere 1.515 Tonnen verklappt. Das Wasser stammt aus den Bergen und wird zur Kontrolle in einen Behälter eingeleitet, wo es analysiert und anschließend in den Pazifik eingeleitet wird.

Der hierfür notwendige Abluss war noch gestern freigegeben worden, um die Ansammlung von Wasser zu verhindern. Über beide Aktionen berichtete der Kraftwerksbetreiber.

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