Fukushima aktuell: AKW-Betreiber muss am Eiswall nachbessern

Fukushima aktuell: AKW-Betreiber muss am Eiswall nachbessern

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Artikelbild - AKW Fukushima: Oberirdische Rohre des Eiswalls am 5. April 2016 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Oberirdische Rohre des Eiswalls am 5. April 2016 (Foto: TEPCO)

Ob man die Ergebnisse der Eiswallkontrollen, die vom AKW Fukushima heute gemeldet werden nun als Fortschritt, oder Komplikation werten will, ist vermutlich Auslegungssache. Eine Abweichung von den ursprünglichen Plänen liegt auf jeden Fall vor.

Am Besten ist es vermutlich, wenn der Leser sich selbst ein Bild der aktuellen Fukushima News macht. Diese gibt es wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. Mai 2016.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • TEPCO geht gegen Gefrierungsprobleme am Eiswall vor
  • Radioaktive Belastung durch Lebensmittel gesunken

TEPCO geht gegen Gefrierungsprobleme am Eiswall vor: Fast zwei Monate nach dem Start des Kühlprozesses am so genannten Eiswall, sind noch etwa 10 Prozent des ersten Teilstücks nicht endgültig gefroren.

Das Unternehmen führt dies auf den schnellen Grundwasserfluss in diesen Bereichen zurück und setzt nun spezielle Chemikalien ein. Man erwägt jedoch auch, zusätzliche Maßnahmen zur Verlangsamung des Wasserzuflusses zu treffen.

Der bisherige Verlauf und das weitere Vorgehen sollen am 2. Juni auf einem Treffen mit Behördenvertretern diskutiert werden. Das berichten Präfekturmedien.

Kraftwerksbetreiber TEPCO meldet dagegen, mehr als 90 Prozent der Gefrierung sei erfolgreich – es ist also offenbar eine Frage der Wahrnehmung, wie man die gegenwärtige Lage einschätzt.

Im Rahmen des Eiswallprojekts zirkuliert ein Kühlmittel durch unterirdisch verlegte Rohre, deren Kälte die umgebende Erdschichten gefrieren lassen soll, so dass um die Reaktoren 1 bis 4 eine natürliche Barriere gegen den Austausch von radioaktivem Reaktorwasser und Grundwasser entsteht.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA genehmigt bislang nur die Durchführung an einem Teilstück der Gesamtstrecke. Einmal fertiggestellt, sollten die Risiko-Reaktoren 1 bis 4 von der unterirdischen Barriere umgeben werden.

Kritiker sprechen dem Eiswall echte Effektivität ab und verweisen zudem auf Risiken. So wird dieses System international nur in sehr viel kleinerem Maßstab verwendet und ist nicht auf langfristigen Betrieb ausgelegt, was zu Ausfällen führen könnte.

Außerdem besteht das Risiko von Grundwasserschwankungen, so dass bei starken Veränderungen des Pegelstands radioaktives Wasser aus den Untergeschossen gespült werden könnte.

Radioaktive Belastung durch Lebensmittel gesunken: Am Mittwoch wurden Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, die sich mit der radioaktiven Belastung durch die Ernährung im Jahr 2015 befassen.

Demnach ist die Aufnahme von radioaktivem Material über die Nahrung deutlich zurückgegangen.

Untersucht wurden die Ernährungsgewohnheiten von 104 Personen in 52 Gemeinden der Präfektur. Der höchste Wer von radioaktivem Cäsium in den Mahlzeiten lag bei 5,4 Becquerel pro Kilogramm und bei Strontium-90 betrug er 0.048 Becquerel pro Kilogramm.

Damit liegen sie deutlich unter dem gesetzlichen Lebensmittelgrenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm. Im Fall der niedrigsten Proben lag die Konzentration sogar unter dem jeweiligen Nachweiswert.

Ausgehend von den Daten wurde auch die tägliche Aufnahme an radioaktivem Material durch die Nahrung geschätzt. Selbst wenn man die obigen Werte als Grundlage nimmt, kommt man auf eine tägliche Belastung von 6 Becquerel bei Cäsium und 0,066 Becquerel bei Strontium.

Würde diese Ernährung über die Dauer eines Jahres fortgesetzt, könnte dies zu einer Cäsiumkonzentration von 0,023 Millisievert und einer Belastung von Strontium-90 in Höhe von 0,0015 Millisievert führen – beide deutlich unter dem Jahresgrenzwert von einem Millisievert.

Über die Ergebnisse berichteten Präfekturmedien.

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