Fukushima aktuell: AKW-Experte redet Kernschmelzen-Verschleierung klein

Fukushima aktuell: AKW-Experte redet Kernschmelzen-Verschleierung klein

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Artikelbild - Dr. Dale Klein spricht am 11. März 2014 zu Fukushima-Arbeitern (Foto: TEPCO)
Dr. Dale Klein spricht am 11. März 2014 zu Fukushima-Arbeitern (Foto: TEPCO)

Während ein US-Experte die Verschleierungspolitik von TEPCO zu rechtfertigen versucht, ist der Betreiber des AKW Fukushima heute mit konkreteren Herausforderungen beschäftigt.

In der gleichnamigen Präfektur zeichnen die Fukushima News eine Mischung aus trostlosen und optimistischen Zukunftsaussichten. Einzelheiten gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. September 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • AKW-Experte redet Kernschmelzen-Verschleierung klein
  • TEPCO plant Ausweitung der Abfallentsorgung am AKW Fukushima
  • Flunder-Testfang und Verkauf erfolgreich
  • Umweltminister besucht künftigen Zwischenlagerstandort
  • Weniger als zehn Prozent Rückkehrer in Naraha
AKW-Experte redet Kernschmelzen-Verschleierung klein

Am vergangenen Freitag versuchte Dale Klein, Vorsitzender eines internationalen fünfköpfigen Komitees, dass die Sicherheitsbemühungen des AKW-Betreibers TEPCO überwacht, die Verschleierung der Kernschmelze zu relativieren.

Das Unternehmen habe im März 2011  den Fokus auf die Stabilisierung von Reaktor 1 und die Wiederherstellung eines sicheren Betriebs gelegt und nicht so sehr auf die Wortwahl geachtet.

Im Bezug auf die Anweisung des früheren TEPCO-Präsidenten Masataka Shimizu, der die öffentliche Verwendung des Begriffs „Kernschmelze“ intern untersagt hatte, erklärte Klein, die Verwendung des Begriffs sei auch bei Aufsichtsbehörden in den USA allgemein nicht üblich.

Über diese Rechtfertigungsversuche berichtete die Kyodo.

Erst im Juni 2016 war durch die Ermittlungen einer Untersuchungskommission herausgekommen, dass die Verwendung des Begriffs vorsätzlich und auf Anweisung der Unternehmensführung vermieden worden war.

Die Schutzbehauptung, es existiere innerhalb des Unternehmens keine verbindliche Definition, ab wann von einer Kernschmelze zu sprechen sei, hatte sich als falsch erwiesen – das interne Krisenhandbuch für AKW-Unfälle war jedoch offenbar nur wenigen bekannt.

Dale Klein befürwortet auch eine kontrollierte Verklappung tritiumhaltiger Abwässer ins Meer, sofern eine ausreichende Verdünnung vorliegt. Dies sei besser, als ein unkontrollierter Austritt aus Lagertanks.

TEPCO plant Ausweitung der Abfallentsorgung am AKW Fukushima

Der Betreiber des AKW Fukushima plant eine Ausweitung der Anlagen zur Verbrennung und Einlagerung von Abfällen, die bei den Arbeiten an den Reaktoren anfallen. Den entsprechenden Plan gab das Unternehmen gestern bei einer Konferenz in der Stadt Fukushima bekannt.

TEPCO zufolge wird die Gesamtmenge an radioaktiv belasteten Abfällen in den kommenden zehn Jahren auf 74 Millionen Kubikmeter ansteigen, sofern keine weiteren Maßnahmen zur Reduzierung dieser Masse getroffen werden.

Der Plan sieht vor, dass die Verbrennungsanlagen an den Reaktoren 5 und 6, das Lager für Feststoffe, Anlagen zur Reduzierung des Abfallvolumens und ein großes Mülllager erweitert bzw. neu errichtet werden müssen.

Nach Einschätzung des Unternehmens ließe sich bei der Durchführung dieser Maßnahmen die Gesamtmenge an Abfällen, die bis zum März 2028 anfallen würden, auf 46 Millionen Kubikmeter reduzieren.

Auch müsse in die langfristige Wartung und Sicherung dieser Anlagen investiert werden, um eine Ausbreitung von radioaktivem Material durch die Einlagerung zu verhindern, indem entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Mit Stand vom Juli vergangenen Jahres lagern etwa 29 Millionen Kubikmeter an Abfällen auf dem Gelände, deren Volumen bislang nicht verringert wurde.

Anlässlich der Veranstaltung im Hotel Sunroute Plaza entschuldigte sich Naohiro Masuda, der Verantwortliche der Abteilung für die Stilllegung, für die Verheimlichung der Kernschmelze gegenüber den Bürgern. Über die aktuellen Ereignisse berichteten Präfekturmedien.

Flunder-Testfang und Verkauf erfolgreich

Nach der Absprache über den Testfang und die folgende Genehmigung für das Flunder-Fischen als Teil eines Versuchs, war es aufgrund des Taifuns Lionrock zunächst zu einer Verzögerung gekommen.

Doch am Freitag, dem 2. September, war es soweit – und das erste Mal seit der AKW-Katastrophe fuhren vier Fischerboote mit Schleppnetzen hinaus, um wieder Flundern fangen zu können.

Vor den Ereignissen vom März 2011 war die Flunder eine lokale Spezialität und die Präfektur hatte die dritthöchste Fangrate des Landes – bis die Kernschmelzen und die daraus resultierende radioaktive Kontamination dem ein Ende setzten.

Die Entscheidung vom 25. August, den Fischfang von Flundern, sowie weiteren Sorten wieder aufzunehmen, wird von der Fischereivereinigung Iwaki als großen Schritt zur Normalisierung wahrgenommen.

Am Sonntag wurde der Fang auf dem Fischmarkt versteigert, nachdem Strahlungskontrollen keine Überschreitungen nachgewiesen hatten. Über diese positive Meldung berichteten Asahi Shimbun, sowie Präfekturmedien.

Umweltminister besucht künftigen Zwischenlagerstandort

Am gestrigen Montag besuchte Umweltminister Koichi Yamamoto den geplanten Ort, an dem das Zwischenlager für radioaktiv belastete Abfälle aus den zahlreichen Dekontaminationsmaßnahmen der Präfektur, entstehen soll.

Bei dem Besuch der Gemeinden Futaba und Okuma, auf deren Gebiet sich das Gelände befindet, besichtigte er auch dortige Schreine und Friedhöfe. Er versprach darüber nachzudenken, wie man mit diesen Stätten umgehen könne.

Gegenüber der Presse erklärte der Minister, bislang habe man nur 116 der geplant 1.600 Hektar Land für den Bau erwerben können, was gerade einmal 7,25 Prozent der benötigten Fläche entspricht. Über den Besuch berichteten Präfekturmedien.

Weniger als zehn Prozent Rückkehrer in Naraha

Ein Jahr ist die Freigabe der Sperrgebietsgemeinde Naraha nun her – und trotz der Aufhebung der Evakuierungsanordnung und Bemühungen um die Infrastruktur ist die Rückkehrquote gering.

Mit 681 Rückkehrern, sind lediglich 9,28 Prozent der einst 7.340 Einwohner in die Gemeinde zurückgekehrt (Stand: 2. September). Es handelt sich mehrheitlich um Senioren.

Die Hoffnungen der Behörde für Wiederaufbau, bis zum Früjahr 2017 insgesamt die Hälfte der früheren Einwohner zur Rückkehr bewegen zu können, scheint trotz entsprechender Umfrageergebnisse sehr optimistisch.

Zwar hofft man, durch die Eröffnung von Geschäften mehr Einwohner gewinnen zu können – doch für die anzusiedelnden Betriebe dürfte das bei der geringen Zuwachsrate ein Verlustgeschäft werden.

Obwohl die durchschnittlichen Strahlungswerte vor dem Rathaus bei Messungen im Juli bei 0,1 Mikrosievert liegen und damit genau so niedrig sind, wie am Bahnhof der nicht evakuierten Stadt Fukushima, hält die Strahlungsangst vor allem Eltern mit Kindern fern.

Waren vor der AKW-Katastrophe an den drei Schulen von Naraha noch 680 Schüler registriert, sind für die Neueröffnung im kommenden April lediglich 80 der zu erwartenden 450 Kinder gemeldet.

Der Bürgermeister hofft, trotz der ernüchternden Bilanz, auf eine schrittweise Wiederbelebung seiner Gemeinde. Hierüber berichteten Asahi Shimbun und Präfekturmedien.

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