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Fukushima aktuell: AKW-Krise verlief dramatischer als bislang angenommen

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Artikelbild - AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)

TEPCO meldet im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima heute in einem aktuellen Bericht gleich mehrere neue Erkenntnisse über den Verlauf der Fukushima-Katastrophe, die teilweise auch Einfluss auf andere Anlagen haben könnten.

Die Details der Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. Dezember 2015.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Sicherheitsventile an Reaktor 2 versagten während Fukushima-Krise
  • Radioaktiver Fallout der Fukushima-Krise auf direktes Reaktorleck zurückzuführen
  • TEPCO übt für Stahltrümmerräumung an Reaktor 1

Sicherheitsventile an Reaktor 2 versagten während Fukushima-Krise: In einem heute vom AKW-Betreiber TEPCO  veröffentlichten Bericht, macht das Unternehmen neue Angaben zum Verlauf der Kraftwerkskatastrophe.

Demnach kam es an Reaktor 2 aufgrund der steigenden Temperatur und der Materialbelastung zur Funktionsunfähigkeit von mehreren Druckausgleichsventilen

TEPCO geht davon aus, dass die Ventile, die sich unter dem Druck von angesammtem Stickstoff normalerweise selbstständig öffnen sollen, nach dem Erdbeben und Tsunami vom 11. März 2011 zunächst noch funktionsfähig waren.

Erst die anhaltende Belastung führte am 14. März 2011 zum Ausfall der Ventile. Durch den Druck sei zudem Dichtungsmaterial geschmolzen, so dass der Stickstoff an anderer Stelle austrat. Das Material war für die entstandenen Temperaturen über 200 Grad Celsius nicht ausgelegt.

Aufgrund dieser Ereignisse blieb der Versuch eines Druckausgleichs über acht Ventile am frühen Morgen des 15. März auch zunächst erfolglos. Erst, nachdem die Öffnung eines einzelnen Ventils gelungen war, sei der Druck gesunken.

Der fehlende Druckausgleich über längere Zeit hinweg habe dann verhindert, dass extern Kühlwasser durch einen Feuerwehrwagen in den Reaktor gelangen konnte, so dass es schließlich zur Kernschmelze kam.

Die Entdeckung hat auch Folgen für andere Kernkraftwerke des Landes, da baugleiche Modelle aus der gleichen Serie ebenfalls von dem Problem dieses Siedewasserreaktors betroffen sein dürften. TEPCO kündigte an, die betreffenden Teile an anderen Anlagen durch hitzebeständigere Alternativen zu ersetzen.

Über die  Untersuchungsergebnisse berichteten Asahi Shimbun und NHK.

Die Entdeckung fällt mit Protesten der Bevölkerung über den anstehenden Neustart eines weiteren TEPCO-Kernkraftwerks, der Anlage Kashiwazaki-Kariwa (Präf. Niigata) zusammen. Über die Besorgnisse der Bevölkerung berichtete die jiji.

Radioaktiver Fallout der Fukushima-Krise auf direktes Reaktorleck zurückzuführen: Die Kontamination der Umwelt durch radioaktiven Niederschlag während der Akutphase der Fukushima-Krise ist vermutlich auf ein direktes Leck des Sicherheitsbehälters von Reaktor 3 zurückzuführen.

Nachdem die Entlüftungsversuche von Wasserdampf zum Druckausgleich lediglich nach der dritten Entlüftung vom Abend des 13. März nachgewiesen wurden, scheint es so, als wären weitere Versuche erfolglos verlaufen.

Weshalb es im Zeitraum zwischen der Nacht vom 14. März bis hin zum 16. März dennoch zu einem massiven Austritt von radioaktiven Material kommen konnte, war bislang offenbar noch unklar, da die Entlüftungsventile hierfür nicht ursächlich waren.

Nun geht das Unternehmen davon aus, dass die Hitzeeinwirkung der schmelzenden Brennelemente zu Schäden am Sicherheitsbehälter führten, so dass die Kontamination unmittelbar aus dem Behälter heraus erfolgte.

Nicht alle Experten teilen diese Einschätzung so dass Untersuchungen über den genauen Verlauf der Umweltbelastung im Zuge der Krise weiterhin andauern. Das berichtete die NHK.

TEPCO übt für Stahltrümmerräumung an Reaktor 1: Kraftwerksbetreiber TEPCO führte am gestrigen Mittwoch in Hirono an einem Modell des Obergeschosses von Reaktor 1 eine Übung zur Entfernung des Stahlskellets durch und gewährte der Presse entsprechende Einblicke.

Die Entfernung des Stahlrahmens ist Teil der Vorbereitungen zur Bergung von Brennelementen aus dem Abklingbecken des Reaktors.

Vor der Räumung müssen jedoch die Seitenpaneele und die Stahlstreben entfernt werden, um die Vorrichtung zur Versprühung eines Bindemittels anbringen zu können. Diese Maßnahme soll das Aufwirbeln von kontaminiertem Staub verhindern.

Da die Stahlkonstruktion ein Hindernis darstellt, isFt die sorgfältige Beseitigung erforderlich. Die zu entferndenden Streben sind etwa sechs Meter lang und wiegen 380 Kilogramm.

Um die Zerteilung und Bergung des Gerüsts so sicher wie möglich verlaufen zu lassen, bildet das Unternehmen die Angestellten an einem lebensnahen Modell von 15 Metern Höhe und Länge, und einem Durchmesser von 31 Metern aus,

An dem mechanischen Arm des eingesetzen Krans sind Kameras angebracht, so dass die Arbeiter auf einem Bildschirm Nahaufnahmen des jeweiligen Gerüstteils bekommen und die Arbeiten so feinabstimmen können.

Das Unternehmen will offenbar auf jeden Fall verhindern, dass Stahltrümmer in das Innere des Gebäudes stürzen. Die Bergung herabgestürzter Stahltrümmer aus Reaktor 3 war bereits mehrfach erforderlich geworden und hatte das Unternehmen langfristig beschäftigt.

Die Trümmerräumung, die aufgrund der Schäden durch die Wasserstoffexplosion im März 2011 erforderlich wird, wurde bereits um einen Monat verschoben. Die Maßnahme soll nun Anfang Januar kommenden Jahres anlaufen. Über das Training berichteten Präfekturmedien.

2 KOMMENTARE

  1. Das (sehr schnelle) Versagen der Sicherheitsventile ist in unserem Bericht bereits letztes Jahr vorrausgesagt worden. Er ist für einen symbolischen Betrag erhältlich hier: amazon.de/SimplyInfo-org-Fukushima-Daiichi-Extended-Report-ebook/dp/B00UJ01YJM/. Jeder Interessierte ist eingeladen in unserem Chat mitzuarbeiten. (Bitte, nicht als Spam bewerten, wir arbeiten ohne finanzielle Interessen gegen Tepcos Lügen)

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