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Fukushima aktuell: ALPS-Filtersystem stoppt nach Alarm

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Artikelbild - AKW Fukushima: Adsorptionsturm der ALPS-Anlage am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Teil des ALPS im März 2013 (Foto: TEPCO)

TEPCO machte Pressevertretern am AKW Fukushima heute erstmals den Zutritt zum Kontrollzentrum möglich, von dem aus versucht worden war, die Katastrophe zu verhindern. Gleichzeitig sieht sich das Unternehmen mit ganz aktuellen Problemen am Multinuklid-Filtersystem ALPS konfrontiert.

Detaillierte Fukushima News nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. Februar 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Stopp einer Pumpe des ALPS-Filtersystems
  • TEPCO erlaubt Presse erstmals Zutritt zu Reaktor-Kontrollraum
  • Anstieg von Wildtieren in Fukushima bereitet Probleme
  • Klage von Katastrophenopfern abgewiesen
  • TEPCO will Verklappung durch strenge Standards sichern

Stopp einer Pumpe des ALPS-Filtersystems: Am heutigen Mittwoch ertönte um 12:21 Uhr ein Alarm, der auf ein Problem in der Umkehreinheit aufmerksam machte. Am Filtersystem A stoppte die Pumpe Nummer 2. Als Folge davon schaltete das Filtersystem, dass sich im Testlauf befand, in den Standby-Betrieb.

Das Filtersystem B, das sich in der gleichen Einrichtung ebenfalls im Testbetrieb befand, weist keine Störungen auf. System C des Multinuklid-Filtersystems war aufgrund von Arbeiten nicht im Betrieb. Gegenwärtige ermittele man die Ursachen, berichtete Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Die Pumpe dient unter anderem dazu, die Karbonatausfällung und damit die Entfernung von organischem Material und Gamma-Nukliden, sowie weitere Filtermöglichkeiten, etwa durch Eisentrichlorid durchführen zu können. Weitere Angaben machte der Elektrizitätsanbieter TEPCO nicht.

AKW Fukushima: Steuerung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Steuerung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)

Das Unternehmen lässt seit Dezember 2013 drei ALPS-Einheiten im Testbetrieb laufen, da man für April diesen Jahres eine vollständige Inbetriebnahme anstrebt. Die Anlage gilt aufgrund ihrer Fähigkeit, 62 radioaktive Nuklide mit Ausnahme von Tritium zu filtern, als entscheidender Faktor bei der Bewältigung des radioaktiven Wassers.

Doch bereits seit den ersten Versuchen an der Anlage, war es immer wieder zu Problemen gekommen – darunter Korrosion, ein Salzsäureaustritt und zuletzt im Januar 2014 ein Steuerungsproblem des Behälterkrans gekommen (Spreadnews berichtete am J8. Januar 2014). Über das erneut Problem berichteten neben TEPCO auch jiji und NHK.

TEPCO erlaubt Presse erstmals Zutritt zu Reaktor-Kontrollraum: Erstmals seit dem Ausbruch der Krise am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi im März 2011, hat der Betreiber der Anlage einer Reihe von Pressevertretern den Zutritt zum Hauptkontrollraum der Reaktoren 1 und 2 gewährt.

Dort hatten Kraftwerksangestellte unter der Leitung von Masao Yoshida verzweifelt versucht, trotz der steigenden Strahlung und den Schäden durch die Wasserstoffexplosion an Reaktor 1, die Krise wieder unter Kontrolle zu bekommen. Unmittelbar nach der Katastrophe war die Strahlung dort auf einen Millisievert pro Stunde gestiegen.

AKW Fukushima: Kontrollraum für Reaktor 2 am 26. März 2011 (Foto: TEPCO)
Vor der Besichtigung: Kontrollraum für Reaktor 2 am 26. März 2011 (Foto: TEPCO)

Die Medienvertreter konnten den Raum, aus die herabgestürzten Deckenpaneele und Notstrombatterien entfernt worden waren, betreten, da die Strahlung auf ein Hundertfünfzigstel dieses Wertes gesunken ist.

Dennoch ist das Tragen von Schutzanzügen dort weiterhin erforderlich.

Mit den Batterien war versucht worden, genug Elektritizät zur Erfassung  von Daten und der Steuerung des Reaktors zu erhalten.

Der jetztige Kraftwerksleiter Akiro Ono erklärte, er habe den Hauptkontrollraum gerne früher zeigen wollen, dies sei aufgrund der zuvor bestehenden Strahlungshöhe nicht möglich gewesen.

Neben dem Kontrollraum war auch das Gebäude von Reaktor 5 ein Teil der offiziellen Führung. Dieser Reaktor war, ebenso wie Reaktor 6, von einer Kernschmelze verschont geblieben, da beide Anlagen aufgrund von Wartungsarbeiten nicht im Betrieb waren, als der Tsunami das Kraftwerksgelände traf.

Im Rahmen der Besichtigung entschuldigte sich Ono vor den Pressevertretern bei der Öffentlichkeit für das Überlaufen von stark radioaktivem Wasser aus einem Lagertank. Er versprach, nicht nur Maßnahmen zur Entfernung des Wassers zu treffen, sondern nach Feststellung der exakten Ursache auch Präventivmaßnahmen zu treffen, um eine Wiederholung ausschließen zu können.

Über die ungewöhnliche Gelegenheit berichteten Kyodo, jiji und NHK.

Anstieg von Wildtieren in Fukushima bereitet Probleme: Im Zuge der Evakuierung aus dem Umkreis des AKW Fukushima Daiichi, mussten Besitzer von Haustieren diese zurücklassen, so dass sie in Freiheit gelangten. Ähnliches geschah auf bei einem Teil des Nutzviehs der Region. Diese Tiere könnten nun bei der Rückkehr einstiger Bewohner zum Problem werden.

So wurde etwa in Tomioka eine steigende Anzahl von so genannten „Eisenzeitschweinen“ gesichtet – eine Kreuzung aus Hausschweinen und Wildschweinen. Diese Tiere haben sich trotz der Versuche, sie durch Fallen einzufangen sehr schnell vermehrt und fügen sowohl den verlassenen landwirtschaftlichen Nutzflächen deutliche Schäden zu.

Ein Beispiel hierfür ist der im Dezember 2013 entdeckte Einbruch der Tiere in das Lagerhaus einer landwirtschaftlichen Kooperative, wo die Schweine insgesamt drei Tonnen Reis im Wert von etwa 600.000 Yen aufgefressen hatten.

Doch auch Wildschweine richten Schaden an und beschädigten in Namie nicht nur mindestens 43 Wohnhäuser, sondern griffen auch einstige Einwohner der Ortschaft an, die zeitweise in ihre Häuser zurückkehren durften.

Um der Situation begegnen zu können, hat das Umweltministerium nun ein Projekt gestartet, um die Wildtiere in den nicht großflächig bewohnbaren Orten Futaba, Okuma und Tomioka einzufangen. Die Verwaltung von Tomioka erwägt, ab April Belohnungen für das Fangen von Tieren auszugeben. Die Rede ist hierbei von 20.000 Yen pro Tier.

Ob mit diesen Maßnahmen Tieren zu begegnen ist, die in den menschenleeren Gegenden und den verlassenen Feldern nahezu ideale Lebensräume gefunden haben, ist unklar und die Begegnung mit Wildtieren, die keinen Kontakt zu Menschen hatten und daher keine Distanz mehr wahren, gilt als gefährlich. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Klage von Katastrophenopfern abgewiesen: Das Erdbeben und Tsunami der Tohoku-Katastrophe nicht nur eine Reihe von Kernschmelzen am AKW Fukushima Daiichi auslösten, sondern in mehreren Präfekturen Todesopfer forderten, ist nicht immer jedem bewusst – die Hinterbliebenen hingegen werden diese Naturkatastrophen nicht vergessen.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Hinterbliebene mit Klage nach Entschädigungszahlung gescheitert (Symbolfoto: pd)

Ein Gericht in Sendai lehnte am gestrigen Dienstag dennoch die Klage der Hinterbliebenen von 12 Bankangestellten, die durch den Tsunami ums Leben gekommen waren, ab.

Die Kläger hatten 234 Millionen Yen an Schadensersatz verlangt und werfen dem Filialleiter vor, seine Untergebenen durch eine Fehlentscheidung ums Leben gebracht zu haben.

Der Direktor der Bank in Onagawa (Präf. Miyagi), hatte 13 Beschäftigte aufgefordert, sich auf dem Dach des Gebäudes, das sich nur zehn Meter über dem Boden befand, in Sicherheit zu bringen, obwohl eine offizielle Evakuierungsstelle in höherer Lage existierte. Lediglich einer von ihnen überlebte.

Nach der Abweisung der Klage wollen die Betroffenen nun umgehend bei der nächsthöheren Instanz Berufung einlegen und die Forderung erneut stellen. Der Leiter der Ortsfiliale der 77 Bank habe sich nicht vorab über bereits vorhandenen Tsunami-Schutzmaßnahmen informiert und damit seine Verpflichtung zum Mitarbeiterschutz verletzt. Das berichtet die jiji.

TEPCO will Verklappung durch strenge Standards sichern: Bei einem gestrigen Treffen mit dem Präsidenten der Vereinigung der Fischereikooperativen in Iwaki (Präf. Fukushima), stellte der Kraftwerksbetreiber TEPCO seine eigenen Pläne zur Sicherung der Verklappungspläne vor.

Demnach sollen statt der 60.000 Becquerel Tritium pro Liter radioaktiver Abwässer nur noch ein Wert von 1.500 Becquerel pro Liter zulässig sein, wenn dieses Wasser in den Pazifik verklappt werden soll. Mit der Beteuerung, strenge Standards bei der Durchführung aller Maßnahmen zu treffen, versuchte das Unternehmen, der bei den Fischern vorherrschenden Sorgen zu begegnen.

Aufgrund des Umstands, dass sich in den unterirdischen Tunneln radioaktives Wasser ansammelt, in Zukunft gänzlich gestaut und heraufgepumpt werden soll, stellt die Lagerung der Abwässer ein großes Problem dar. Bereits jetzt steigt das Strahlungsniveau aufgrund der Lagertanks auf dem Gelände an.

Neben TEPCO sehen auch externe Stellen die Verklappung der Abwässer, wenn sie einen Grenzwert nicht überschreiten, als plausible Lösung für das Problem an. Über die aktuellen Gespräche berichteten örtliche Medien.

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