Fukushima aktuell: ANRE warnt vor neuem Leckrisiko

Fukushima aktuell: ANRE warnt vor neuem Leckrisiko

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Artikelbild - Gebäude der ANRE in Tokyo (Foto: pd)
Das Gebäude der ANRE in Tokyo (Foto: pd)

Nach dem Erdbeben, dass Japan am Morgen erschütterte, werden aus der Präfektur Fukushima heute zwar einige Verletzte, jedoch keine schweren Schäden gemeldet. Grund zur Besorgnis bieten einige Fukushima News dennoch.

Verschleiß an AKW-Strukturen, Risiken durch radioaktive Abwässer und illegale Arbeitsverhältnisse beschäftigen TEPCO und finden, ebenso wie weitere Meldungen, ihren Eingang in den Spreadnews Japan-Ticker vom 22. November 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Risiko von künftigen Austritten stark radioaktiven Wassers
  • Schaden an Druckausgleichskammer am AKW Fukushima Daini
  • Verdacht von über 400 illegal Beschäftigten im Jahr 2015
  • Pokémon-Sonderaktion nach Erdbeben eingestellt
  • TEPCO nimmt Bewältigung radioaktiver Abwässer wieder auf
  • Erfahrung vom März 2011 zahlt sich aus
  • Krebskranker AKW-Arbeiter verklagt TEPCO
Risiko von künftigen Austritten stark radioaktiven Wassers

Am gestrigen Montag gab die Behörde für Rohstoffe und Energie (ANRE)  bekannt, dass am gemeinsamen Abluftkamin der Reaktor 1 und 2 das Risiko eines möglichen Austritts von kontaminiertem Wasser aus einem Behälter am Pumpensumpf besteht.

Dort hatte TEPCO seit Dezember automatische Vorrichtungen zur Kontrolle und Ableitung radioaktiven Wassers angebracht.

In dem Betonbehälter befindet sich etwa eine Tonne an stark radioaktiv belastetem Wasser. Die extreme Kontamination des Kamins und damit auch des angesammelten Wassers,  war durch die Entlüftungsversuche zum Druckausgleich während der Akutphase 2011 aufgetreten.

Untersuchungen am Pumpensumpf im September hatten eine Wassertiefe von 60 Zentimetern in dem ein Meter tiefen Behältnis ergeben. Da Regenfälle nicht zu einem Anstieg führten, besteht die Möglichkeit, dass Wasser unbemerkt durch Risse hinausdringen könnte.

Die ANRE forderte daraufhin, dass sowohl tatsächliche Lecks, als auch das allgemeine Risiko solcher Schäden unbedingt untersucht werden müssten, um Schutzmaßnahmen treffen zu können.

TEPCO gab bekannt, den Abluftkamin demontieren zu wollen und auf diese Weise weitere Belastungen zu verhindern, sobald ausreichend Pumpen und Ableitungsvorrichtungen für das Wasser aus dem Pumpensumpf und den Behältern vorhanden seien. Das berichten Präfekturmedien.

Schaden an Druckausgleichskammer am AKW Fukushima Daini

Wie TEPCO gestern bekannt gab, entdeckte ein Taucher bei Kontrollen an der Innenwand des wassergefüllten Druckausgleichskammer am Boden des Sicherheitsbehälters von Reaktor 2 eine kleine Beschädigung.

Dort sei an der Innenseite der vier Zentimeter dicken Stahlwand ein kleines Loch von 9,5 Zentimter Durchmesser und einer Tiefe von 3,7 Millimeter entdeckt worden. Es gab jedoch keine Öffnung nach außen, so dass auch kein radioaktives Wasser austrat.

Nach Unternehmensangaben geht man derzeit von Rost als Ursache aus. Bei der letzten regulären Inspektion im Jahr 2007 sei der Schaden noch nicht vorhanden gewesen.

Trotz der scheinbaren Marginalität stuft TEPCO nach seinen Richtlinien den Fund als Defekt an einer sicherheitsrelevanten Vorrichtung ein und will nach einer genaueren Untersuchung den Schaden reparieren.

Über den Nachweis des Schadens berichteten Präfekturmedien

Verdacht von über 400 illegal Beschäftigten im Jahr 2015

Wie eine Befragung durch die Betreiberfirma TEPCO zwischen August und Oktober 2015 ergab, sind im Jahr 2015 womöglich 465 Arbeitskräfte mit fragwürdigen Arbeitsverträgen am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi beschäftigt worden.

Insgesamt antworteten 3.268 Angestellte auf die Umfrage.

Bei einer Prüfung hätte man nur in 118 der 465 Fälle nachträglich eine Identifikation und ordnungsgemäße Beschäftigung nachweisen können. Bei den übrigen Arbeitern handelt es sich somit offenbar um Personen ohne offizielle Anstellung, oder eigenmächtige Einstellungen durch Subunternehmen.

Bereits Anfang des Monats hatte die illegale Beschäftigung von sieben Brasilianern für Aufsehen gesorgt.

Ehemalige Beschäftigte berichteten jedoch von Unregelmäßigkeiten. Sie räumten gegenüber der Presse ein, aus Angst, durch ihre Handschrift identifiziert zu werden, falsche Angaben gemacht und nicht die Realität des Arbeitsalltags geschildert zu haben

Ein anderer Arbeiter berichtet, seinen Antwortbogen mit offenem Kuvert zurückgegeben zu haben, so dass sein arbeitgebender Subunternehmer Änderung vornehmen konnte, bevor er ihn an den Hauptarbeitgeber weiterleitete.

Trotz des  Eingeständnisses eines Unternehmens, das illegale Verträge einräumte und zugleich erklärte, dies sei eine „allgemein übliche Praxis“, sieht die PR-Abteilung von TEPCO keine Mängel in der Umfrage. Das berichtete die Mainichi Shimbun.

Pokémon-Sonderaktion nach Erdbeben eingestellt

Mit dem Angebot eines seltenen Pokémon in der Region Tohoku wollte man mehr Touristen in das Gebiet bringen, das sowohl durch die Naturkatastrophen, als auch aufgrund der AKW-Krise im Jahr 2011 stark an Popularität eingebüßt hatte.

Doch nachdem heute morgen um 6:00 Uhr Ortszeit ein schweres Erdbeben mit Tsunamiwarnung erlassen worden war, reagierte der Hersteller des beliebten Smartphone-Spiels Pokémon Go auf die Naturkatastrophe.

Niantic Incorporated gab über den Mikrobloggingdienst Twitter bekannt, das begehrte Wesen „Lapras“ nicht länger dort besonder häufig erscheinen zu lassen. Der Grund hierfür seien Sicherheitsbedenken.

TEPCO nimmt Bewältigung radioaktiver Abwässer wieder auf

Nachdem TEPCO aufgrund des jüngsten Erdbebens die Angestellten des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi dazu aufgefordert hatte, die Arbeiten einzustellen und wegen der Tsunami-Warnung in höhere Bereiche zu fliehen, kehrte nun wieder Normalität ein.

So wurde am heutigen Dienstagnachmittag das Abpumpen, weiterleiten, filtern und einlagern radioaktiver Abwässer ebenso wieder aufgenommen, wie der Bau von Lagertanks und Dekontaminationsarbeiten.

Nach Unternehmensangaben gab es keine Schäden an der Anlage. Das berichtete neben TEPCO auch die NHK.

Erfahrung vom März 2011 zahlt sich aus

Die Ereignisse vom März 2011 haben das Sicherheitsbewusstsein verbessert und man fühle sich besser auf künftige Naturkatastrophen vorbereitet – so lässt sich das Fazit vieler Bürger nach dem schweren Erdbeben zusammenfassen.

Sei es ein E-Mail-Warnsystem in Iwaki, das richtige Verhalten der dortigen Fischer auf See, die Bereitschaft zur schnellen Evakuierung, oder die Aufbewahrung von Notfall-Taschen – vielfach wurde auf die Erfahrungen des Tohoku-Großbebens Bezug genommen.

Auch die zehn Meter hohen Tsunami-Evakuierungstürme in Sendai (Präf. Miyagi) entstanden als Reaktion auf die Ereignisse vom März 2011 und boten auch bei dem Beben am heutigen Morgen den Anwohnern in Küstennähe Schutz.

Allerdings lief es nicht überall so reibungslos.

So verwehrten Sicherheitsbeamte in Natori (Präf. Miyagi) den dortigen Einwohnern die Flucht in ein Rathaus, da dort keine Evakuierungsanordnung erfolgt war.

Ein Zeuge sagte aus, erst nach einer Stunde hätte man die Sicherheitsleute davon überzeugen können, die Menschen dort hineinzulassen. Die Stadtverwaltung räumte den Fehler ein und gelobte Besserung. Über die gelernten Lektionen berichtete die Kyodo.

Krebskranker AKW-Arbeiter verklagt TEPCO

Ein früherer Angestellter am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi hat sowohl dessen Betreiber TEPCO, als auch den Elektrizitätsanbieter Kyushu Electric, Betreiber des AKW Genkai, auf die Zahlung von Entschädigungsleistungen verklagt.

Dem 42 Jahre alten Kläger war zuvor als erster AKW-Arbeiter mit einer Krebs-Entschädigung bekannt geworden . Nun fordert er 59 Millionen Yen.

Er war nach eigenen Angaben im Januar 2014 an Leukämie erkrankt. Bei seiner Arbeit an den beiden genannten Kernkraftwerken war er damals einer Strahlungsbelastung von 19,8 Millisievert ausgesetzt.

Für die Strahlungsbelastung und die Erkrankung macht er seine früheren Arbeitgeber verantwortlich. Unter anderem sei er unzureichend über Sicherheitsmaßnahmen informiert worden und habe auch ohne Dosimeter arbeiten müssen.

Die beklagten Unternehmen gaben an, den Sachverhalt prüfen zu wollen. Das berichtete die NHK.

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