Start Aktuelles Fukushima aktuell: Arbeiten am AKW nach Chile-Erdbeben unterbrochen

Fukushima aktuell: Arbeiten am AKW nach Chile-Erdbeben unterbrochen

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Artikelbild - AKW Fukushima: Simulation der Anlage (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Betreiber reagiert auf mögliche Tsunami-Gefahr (Foto: TEPCO)

Der Pazifische Ozean ist groß und so verwundert es auch nicht, wenn eine Naturkatastrophe umfassendere Gefahren darstellt, als nur für eine Küstenregion. Dieser Gefahr zeigt sich der Betreiber des AKW Fukushima heute sehr bewusst und ordnete aus gegebenem Anlass eine Unterbrechung von Arbeiten an der Kraftwerksanlage an.

Andere Fukushima News sind positiverer Natur und finden sich im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. April 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Arbeiten an AKW Fukushima nach Chile-Erdbeben unterbrochen
  • Präfektur Fukushima demonstriert Aufbruch
  • UN-Bericht sieht keinen Krebsanstieg als Fukushima-Folge

Arbeiten an AKW Fukushima wegen Chile-Erdbeben unterbrochen: Nachdem die japanische Wetterbehörde bekannt gegeben hatte, ein Tsunami von bis zu einem Meter könne die Küste erreichen, entschloss sich der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, die geplanten Arbeiten von Mittwochnacht bis Donnerstagmorgen einzustellen.

Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Arbeitsstopp als Schutzmaßnahme (Symbolfoto: TEPCO)

Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehörte der Stopp von Probeentnahmen aus Grundwassermessposten. Nach der Tsunami-Katastrophe 2011, hatte das Unternehmen in einem Bereich, der sich zehn Meter über dem Meeresspiegel befindet, Dämme zwischen zwei und vier Metern Höhe errichtet und Pumpen und Generatoren der Reaktorkühlsysteme in höher gelegene Bereiche gebracht.

Die Maßnahmen sind eine Reaktion auf ein Erdbeben der Magnitude 8,2, das sich vor der Küste Chiles ereignet hatte. Die japanische Wetterbehörde warnte, ein Tsunami von einem Meter könne auch Japan erreichen.

Die Behörden vor Ort hatten zunächst ebenfalls eine Tsunamiwarnung ausgegeben, die mittlerweile wieder aufgehoben wurde. Über die Reaktion von TEPCO berichtete die NHK.

Die scheinbar geringe Höhe sollte nicht zur Sorglosigkeit führen – bereits Tsunami von einem Meter können tödlich sein, wie Experimente nahe legen.

Präfektur Fukushima demonstriert Aufbruch: Nachdem zum 1. April die dauerhafte Rückkehr in einen Bezirk der Stadt Tamura offiziell zugelassen wurde, berichten die Medien der Präfektur zunehmend über Aktionen, die eine Wiederbelebung evakuierter Ortschaften demonstrieren sollen.

So wurde etwa aus der Ortschaft Koori die Restaurierung eines alten Verwaltungsgebäudes, das als wichtige Kulturgut gilt, gemeldet und das Büro offiziell wieder eröffnet.

In Naraha wurde eine Polizeistation neu besetzt, nachdem das Büro als Folge der AKW-Katastrophe verlegt worden war. Über die aktuellen Entwicklung berichteten Präfekturmeden.

UN-Bericht sieht keinen Krebsanstieg als Fukushima-Folge: In einem heute veröffentlichten Bericht kommt der „Wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung“ (UNSCEAR) zu einem Schluss, der bei Atomkraftgegner auf Kritik stieß.

Schilddrüse (Grafik: pd)
Neuer Bericht zu Schilddrüsenkrebs bei Kindern (Grafik: pd)

Zwar sei künftig eine erkennbare Zunahme der Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern, die zum Zeitpunkt der Krise bis zu einem Jahr alt waren und sich im 30-Kilometer-Umkreis befunden hatten möglich – es könne jedoch aufgrund unzureichender Daten kein ausreichender Zusammenhang belegt werden.

Bereits in der Vergangenheit hatten Mediziner erklärt, in den meisten Fällen seien auch gutartige Veränderungen der Schilddrüse nicht auf vermehrte Strahlungseinwirkung, sondern vielmehr auf vermehrte Kontrollen zurückzuführen.

Der Bericht der UNSCEAR hat allerdings besonderes Gewicht, da die Angaben des Ausschusses international als besonders zuverlässig gelten. Anhand von Daten der japanischen Regierung und Artikeln internationaler Wissenschaftler, wurden die Einwohner der Präfektur, sowie außerhalb in Alterskategorien untersucht.

Schilddrüsenkrebs ist die einzige Form von Krebs, die seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986, als Folge der radioaktiven Belastung wissenschaftlich anerkannt ist. Ein erhöhtes Krebsrisiko liegt erst ab einer Schilddrüsenbelastung von 100 Millisievert vor.

Bei Erwachsenen betrug die durchschnittliche Gesamtkörperbelastung während des ersten Jahres etwa zwischen 1 bis 10 Millisievert. Bei Kindern, die zum Zeitpunkt der Katastrophe ein Jahr alt waren und einem Umkreis zwischen 20 und 30 Kilometern um das AKW lebten, lag die Schilddrüsenbelastung zwischen 47-83 Millisievert.

Der Durchschnittswert der Kinder im 20-Kilometer-Umkreis lag zwischen 15 und 82 Millisievert und damit ebenfalls unter dem offiziellen Risikowert.

Der Bericht räumt ein, dass die Zahlen von Schilddrüsenkrebs ansteigen könnte, falls eine große Zahl dieser Kinder eine Strahlungsdosis um 80 Millisievert aufgenommen hätten – die verfügbaren Daten der einzelnen Landkreise und Bezirke der Präfektur seien jedoch für eine definitive Aussage nicht ausreichend.

Der Bericht der UNSCEAR stellt nicht der Weisheit letzter Schluss dar, vielmehr soll er bei Erlangung neuer Informationen, über mehrere Jahre hinweg überarbeitet werden. Diese Meldung war Teil der Berichterstattung mehrerer Medien, darunter auch der Asahi Shimbun.

Kritiker, wie etwa die IPPNW bemängeln, dass man bei derartigen Studien auf Daten der japanischen Regierung und TEPCO angewiesen sei und unabhägige Datenquellen für objektive  Grundlagen praktisch nicht vorhanden sind.

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