Start Aktuelles Fukushima aktuell: Arbeiter sollen in evakuierte Risikobereiche zurückkehren

Fukushima aktuell: Arbeiter sollen in evakuierte Risikobereiche zurückkehren

Einsatz trotz hoher Umgebungsradioaktivität vorgesehen

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Artikelbild: Grundwassermessposten 3 am 12. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Arbeiter sollen in stark kontaminierte Bereiche zurück (Symbolfoto: TEPCO)

Der aus Fukushima heute bekannt gewordene Plan, auch in Bereichen mit hoher Radioaktivität wieder Arbeiter zu beschäftigen zeigt, wie groß die Probleme des AKW-Betreibers TEPCO sind.

Weitere Fukushima News berichten von falsch berechneten Tsunami-Höhen, der geplanten Rückkehr des Fußballs und Uran-Experimenten für Stilllegungsarbeiten. Diese und weitere Meldungen gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. November 2016.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Kontaminierte Grundwasserposten sollen wieder genutzt werden
  • Hauptgebäude des J-Village wird für TEPCO-Arbeiter geschlossen
  • Falsch kalkulierte Tsunami-Höhe beschäftigt TEPCO
  • IRID will geschmolzene Brennelemente reproduzieren
  • Privater Fond für junge Schilddrüsenkrebspatienten
  • Weiterer Schüler aus Fukushima berichtet von Mobbing
Kontaminierte Grundwasserposten sollen wieder genutzt werden

TEPCO will mit einer neuen Maßnahme beginnen, um die Menge an Grundwasser, das vor der Kontamination heraufgepumpt wird vergrößern und damit die Gefahr einer radioaktiven Belastung weiter reduzieren zu können.

Im Rahmen der Maßnahmen soll durch Bauarbeiten der Umfang von 15 der bisherigen Grundwasserposten (subdrains) ausgeweitet werden, um dort weitere Pumpen anbringen zu können.

Außerdem plant das Unternehmen sogar an drei aufgegebenen Grundwasserbrunnen mit hoher Umgebungsradioaktivität ab April 2017 wieder Arbeiten durchzuführen.

Die Anlagen waren im Oktober 2014 wegen der starken radioaktiven Belastung für Angestellte in diesen Bereichen des Kraftwerksgeländes nicht weiter genutzt worden. Doch nun sind für diese Risikobereiche somit neue Arbeiten geplant.

Zusätzlich sollen westlich von Reaktor 1 und im Norden und Westen von Reaktor 3 neue Grundwasserbrunnen entstehen, um dort ebenfalls Wasser hochpumpen zu können.

Das gab der Kraftwerksbetreiber am vergangenen Freitag vor einem Ausschuss der Präfektur bekannt. Die Arbeiten sollen im kommenden April beginnen und  erste Pumparbeiten im Sommer anlaufen.

Läuft alles wie geplant, wird das Wasser nach einer anschließenden Filterung in das Meer verklappt. Das berichten Präfekturmedien.

Hauptgebäude des J-Village wird für TEPCO-Arbeiter geschlossen

Das Hauptgebäude des J-Village in Naraha, das vom Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi nach der AKW-Krise als Basis für den Einsatz von Kraftwerksarbeitern diente, soll noch in diesem Monat geschlossen werden.

Das Gebäude soll wie der Rest des J-Village auch, ihrem ursprünglichen Zweck als Sportstätte wieder zugeführt werden. Es war 1997 zusammen mit dem Fußballstadion, Hotels und weiteren Sportanlagen von TEPCO finanziert und der Präfektur geschenkt worden.

Doch nach den Tohoku-Katastrophen 2011 wurde die seinerzeit größte Sportanlage des Landes von TEPCO zur behelfsmäßigen Unterbringung von Arbeitskräften genutzt. Medienberichte kritisierten damals die spartanischen Zustände und das Unternehmen besserte nach.

Eine Aufgabe des J-Village als Stützpunkt für AKW-Arbeiter war bereits lange im Gespräch, denn dort sollen künftig Olympioniken wieder trainieren können und eine Austragung sportlicher Wettkämpfe möglich werden..

Während dort die Dekontamination der Sportanlagen bereits läuft und auch die geplante Umverlegung von Angestellten in Angriff genommen wurde, soll nun also auch das Hauptgebäude geräumt werden.

Dafür müssen jedoch zunächst zahlreiche Abfälle entsorgt werden, denn die Arbeiter ließen Schutzkleidung und Gegenstände des täglichen Bedarfs dort zurück.

Eine teilweise Nutzung des für den Sport soll bereits ab Sommer 2018 möglich sein. Die vollständige Fortsetzung des Normalbetriebs soll dann am 19. April erfolgen. Das berichten Präfekturmedien.

Falsch kalkulierte Tsunami-Höhe beschäftigt TEPCO

Nach dem Erdbeben und Tsunami vom 22. November 2016 diskutiert TEPCO über die eigene fehlerhafte Prognose bei der Höhe des Tsunami am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Die Anlage liegt an der Küste der Region Tohoku.

Dort war statt der prognostizierten Maximalhöhe von einem Meter immerhin 1,60 Meter hoch. Das gehe aus einer genaueren Prüfung der Daten vom vergangenen Freitag hervor.

Die Abweichungen von eigenen Schätzungen und offiziellen Prognosen führt das Unternehmen darauf zurück, dass andere Methoden zum Einsatz kommen würden, deren Ergebnisse sich nicht einfach vergleichen ließen.

Aber auch die Wetterbehörde arbeitet an einer Verbesserung ihrer Prognosen. So waren im Hafen von Higashimatsushima (Präf. Miyagi) statt der prognostizierten 1,40 Metern ein unerwartet hoher Tsunami von mindestens zwei Metern fotografisch dokumentiert worden.

Über die deutlichen Höhenabweichungen bei der Tsunami-Vorhersage berichteten NHK und Präfekturmedien.

IRID will geschmolzene Brennelemente reproduzieren

Die internationale Forschungsorganisation zur Stilllegung von Atomanlagen (IRID) arbeitet weiterhin an Plänen, wie die geschmolzenen Brennelemente aus dem Inneren der Reaktoren 1 bis 3 am AKW Fukushima Daiichi geborgen werden können.

Dabei wollen die Experten nun ungewöhnliche Wege gehen, und die zusammengeschmolzene Masse (Corium) aus Brennelementen und Metalltrümmern selbst reproduzieren, um so ein konkretes Forschungsobjekt zu haben.

In Zusammenarbeit mit der französischen Regierung sollen auf einer Forschungsanlage in Südfrankreich 50 Kilogramm Uran und 24 Kilogramm an Metallen wie Stahl und Zirkon in einem Ofen schmelzen und in einen Behälter mit Beton gießen.

Nach einem Monat, in dem man das geschmolzene Material selbstständig abkühlen lässt, soll der Behälter geöffnet und dann Härte und Mischungsverhältnis der Masse untersucht werden.

Nach Angaben der IRID hat sich das Material in den Kernschmelze-Reaktoren in Japan am Boden des Sicherheitsbehälters ausgehärtet und müsste zunächst klein genug gebrochen werden, um es von dort bergen zu können.

Ob das bei einer Mischung aus dem radioaktiven Material, rostfreiem Stahl des Druckbehälters, dem Zirkonstahl der Brennelemente und dem Beton des Sicherheitsbehälters mit bestehenden Mitteln überhaupt möglich wäre, soll das Experiment zeigen.

Über den Versuch, von dessen Ausgang man sich wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Bergungsstrategien am AKW Fukushima Daiichi erhofft, berichteten Präfekturmedien.

Privater Fond für junge Schilddrüsenkrebspatienten

Ein privater Fond, der sich aus Spenden finanziert, will Personen, bei denen nach der AKW-Krise später Schilddrüsenkrebs diagnostiziert wurde, mit finanziellen Mitteln unterstützen.

Betroffene bis zum Alter von 25 Jahren können ab kommendem Monat beim „3.11 Children’s Fund for Thyroid Cancer“ bis zum März nächsten Jahres einen Antrag auf die Zahlung des einmaligen Pauschalbetrags von 100.000 Yen stellen.

In besonders schweren Fällen soll eine zusätzliche Zahlung der gleichen Summe erfolgen können. Eine zweite Antragsfrist soll sich im April anschließen.  Bezugsberechtigt sind Patienten in 15 Präfekturen Ostjapans. Hierzu zählt neben der Region Tohoku auch Tokyo.

Neben dem Geld – nach eigenen Angaben kamen bislang etwa 20 Millionen Yen an Spendengeldern zusammen – soll den jungen Patienten auch psychologische Hilfe angeboten werden, da sie lange mit der Angst vor bösartigen Krebsformen leben müssten.

Über die Aktion berichteten Kyodo und NHK

Weiterer Schüler aus Fukushima berichtet von Mobbing

Nachdem das Mobbing eines evakuierten Schülers bekannt geworden war und der Schüler andere Betroffene dazu aufgerufen hatte, sich Hilfe zu suchen, anstatt Selbstmord zu begehen, meldete sich nun ein weiteres Opfer.

Ein Schüler aus Tokyo, der zum Zeitpunkt der Evakuierung noch Zweitklässler war, berichtete in einem Interview nun ebenfalls von seinen Erlebnissen. Er war an zwei Schulen gemobbt worden

Auch er berichtet von verbalen Erniedrigungen („was du anfasst wird kontaminiert“),  Neid wegen zeitweise mietfreier Wohnung, sozialer Ausgrenzung, sowie  erniedrigenden Handlungen. Sein Widerstand gegen diese Handlungen wurde von einem Lehrer als unsoziales Verhalten bemängelt.

Eine Organisation für Fukushima-Flüchtlinge meldet unterdessen, dort wären mittlerweile fünf weitere Fälle bekannt. Das berichtete die Asahi Shimbun.

 

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