Fukushima aktuell: Atemschutzpflicht für AKW-Arbeiter gelockert

Fukushima aktuell: Atemschutzpflicht für AKW-Arbeiter gelockert

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Artikelbild - Atemschutzmaske mit Aktivkohlefilter im Februar 2012 (Foto: TEPCO)
Atemschutzmaske mit Aktivkohlefilter im Februar 2012 (Foto: TEPCO)

Für die Angestellten ist die Arbeit am AKW Fukushima heute sicherer geworden, so die aus Japan aktuell gemeldete Botschaft von TEPCO. Die übrigen Fukushima News zeigen jedoch, dass es an anderer Stelle weiterhin Schwierigkeiten gibt. Alle Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Mai 2015.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • TEPCO dehnt AKW-Bereiche ohne Atemschutzmaske aus
  • Radioaktives Wasserleck an Druckleitung aufgetreten
  • TEPCO-Großküche in Fukushima macht Fortschritte
  • Zahl der Aufsichtspersonen in Übergangshaussiedlungen sinkt

TEPCO dehnt AKW-Bereiche ohne Atemschutzmaske aus: Der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, hob am heutigen Freitag die Pflicht zum Tragen einer Vollgesichts-Atemschutzmaske für weitere Bereiche der Anlage auf.

Somit können die dort beschäftigten Arbeiter nun auf 90 Prozent des Kraftwerksgeländes auf das Tragen der schweren Atemmaske verzichten und leichtere Modelle nutzen.

AKW-Arbeiter: Vollgesichts-Atemschutzmaske (Foto: TEPCO)
AKW-Arbeiter: Vollgesichts-Atemschutzmaske (Foto: TEPCO)

Ausgenommen von der Regelung sind somit lediglich noch die Bereiche unmittelbar an den Reaktorgebäuden 1 bis 4, sowie die Durchführung bestimmter Lagertankarbeiten.

Die neue Atemschutzregelung ist nach Angaben von TEPCO auf die erfolgreiche Durchführung von Dekontaminationsmaßnahmen zurückzuführen.

So hätte etwa die Asphaltierung des Geländes das Aufwirbeln von kontaminiertem Staub verringert und durch zusätzliche Messposten für die Luftbelastung sei die Sicherheit weiter erhöht worden.

Auf einer gestrigen Pressekonferenz zeigte sich der PR-Verantwortliche Naohiro Masuda erfreut über die Ausweitung der gelockerten Atemschutzregelung.

Hierdurch würden die Arbeiter entlastet und die Wahrscheinlichkeit von Hitzschlägen und anderen Problemen bei schwerer körperlicher Arbeit verringert.

Es sei davon auszugehen, dass diese Verbesserungen sich auch positiv auf den flüssigen Ablauf der Stilllegungsarbeiten auswirken werden, da die Kommunikation leichter falle.

Kraftwerksarbeiter tragen, abhängig von der Gefährlichkeit ihres Aufgabenbereichs, unterschiedliche Atemschutzmasken.

Neben den Vollgesichts-Atemschutzmasken gibt es auch solche, die nur das halbe Gesicht bedecken, aber auch Wegwerf-Atemmasken. Über die Ausweitung der Atemmaskenregelung berichteten Präfekturmedien.

Radioaktives Wasserleck an Druckleitung aufgetreten: Am heutigen Freitagmorgen entdeckten Angestellte eines Partnerunternehmens an der Druckleitung in einem Entwässerungsgraben entlang der Straße zwischen den Reaktoren 1 und 2 einen Wasseraustritt.

Nach dem Stopp der entsprechenden Pumpe konnte um 10:26 Uhr das Ende des unkontrollierten Wasseraustritts gemeldet werden.

Der Straßengraben führt zu einem Entwässerungskanal, so dass der Bereich mit Sandsäcken gesichert und Fahrzeuge zum Abpumpen des Wassers angefordert wurden.

Da die Einleitung in den Hafenbereich durch einen anderen Entwässerungskanal sichergestellt werden konnte, so dass kein Überlaufen zu erwarten ist, wurde der Betrieb gegen 11:27 Uhr wieder aufgenommen.

Die betroffene Druckleitung war dazu genutzt werden, um Wasser zwischen dem Turbinengebäude von Reaktor 3 und einem 1000-Tonnen-Behälter zu transferieren.

Die Konzentration von radioaktivem Material in dem ausgetretenen Wasser werde derzeit noch untersucht berichtete TEPCO.

Schließlich wurden weitere Details bekannt gemacht. Demnach handele es sich um einen ein Zentimeter langen Riss.

Bereits am Donnerstag habe Betrastrahler-Konzentration des Wassers mit 1.200 Becquerel pro Liter das Vierzigfache über dem Wert am Tag zuvor gelegen.

Beim heutigen Leck habe man eine Konzentration von 1.400 Becquerel pro Liter nachweisen können. TEPCO geht nun davon aus, dass das Leck seit Donnerstag vorhanden war.

Es handelt sich um radioaktives Abwasser, dass bei dem Versuch, Regenwasser zu filtern, anfiel. Da Zweifel an der Dauerhaftigkeit der Druckleitung bestanden, habe man sie nun ausgetauscht.

Die Behörden in der Präfektur reagierten alarmiert und fordern eine genaue Ursachenermittlung um derartige Zwischenfälle verhindern zu können. Das berichtete die NHK.

TEPCO-Großküche in Fukushima macht Fortschritte: Der Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte am gestrigen Donnerstag einen Teil der Speisekarte, die sich im neuen „Fukushima Lunch Center“ in Okuma finden werden.

Das Unternehmen hatte bereits im März über den Bau und ersten Testbetrieb von Großküche und Versorgungszentrum informiert.

TEPCO-Beschäftigte beim gemeinsamen Essen (Foto: TEPCO)
TEPCO-Beschäftigte beim gemeinsamen Essen im März 2015 (Foto: TEPCO)

Die Anlage soll Anfang kommenden Monats in Betrieb gehen und damit zeitgleich mit einem großen Ruheraum, in dem die Kraftwerksarbeiter essen und sich mit Kollegen austauschen können.

Durch die Bereitstellung warmer Mahlzeiten, soll die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi verbessert werden.

Bei vollständigem Betrieb können nach Unternehmensangaben sowohl Mittag- als auch Abendessen angeboten werden.

Die Zutaten für die Mahlzeiten, deren Preis bei etwa 400 Yen liegen wird, stammen aus der Präfektur. Zu den angebotenen Gerichten sollen unter anderem „Chicken Nuggets Curry“ und ein Makrelen-Teriyaki gehören.

Zahl der Aufsichtspersonen in Übergangshaussiedlungen sinkt: Mit der Aussicht auf baldige Rückkehr nach Abschluss der Dekontaminationsgemeinden, sinkt die Zahl jener Menschen, die langfristig in den Übergangshäusern wohnen.

Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Diese scheinbar positive Entwicklung bringt jedoch auch Probleme mit sich, da die Gemeinschaften kleiner werden und es weniger gegenseitige Aufsicht gibt.

In der Vergangenheit hatte man sich in den Übergangshaussiedlungen darum bemüht, die Zahl der „einsamen Tode“ von Kranken und Senioren, durch soziale Betreuung und Kontrollbesuche zu verringern.

Selbst in Soma (Präf. Fukushima), dessen Siedlung als gutes Beispiel für erfolgreiches Sozialmanagement galt, wurde im April erstmals wieder ein einsamer Tod gemeldet.

Nun erwägt die Stadt, jeweils eine Aufsichtsperson für eine bestimmte Anzahl von Wohneinheiten zu bestimmen.

Diese Helfer übernehmen aber auch andere Aufgaben, indem sie etwa Nonprofit-Organisationen bei der Ausgabe von Mahlzeiten helfen. Über das neue und alte Sozialproblem berichteten Präfekturmedien.

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