Start Aktuelles Fukushima aktuell: Atomaufsicht gegen Start des Eiswalls

Fukushima aktuell: Atomaufsicht gegen Start des Eiswalls

2196
0
TEILEN
Artikelbild - AKW Fukushima: Gefriereinheit des Eiswall-Projekts am 30. April 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Gefriereinheit des Eiswalls im April 2015 (Foto: TEPCO)

Alles ist bereit, doch die erforderliche Erlaubnis für den Betrieb steht auf der Kippe –  so ließen sich die beiden großen Meldungen zum AKW Fukushima heute zusammenfassen.

Sowohl TEPCO, als auch die Atomaufsichtsbehörde sind derzeit sehr aktiv, wie die aktuellen Fukushima News zeigen. Deren Details gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 10. Februar 2016.

Unsere heutigen Meldungen im Überblick:

  • Installationsarbeiten am Eiswall abgeschlossen
  • Atomaufsicht blockiert Eiswallprojekt
  • NRA will Messposten in Sperrgebietsgemeinden aufstocken
  • NRA-Vorsitzender spricht mit TEPCO über Fragen des Arbeitsumfelds
  • Einzelheiten zum Testbetrieb der Verbrennungsanlage

Installationsarbeiten am Eiswall abgeschlossen: Kraftwerksbetreiber TEPCO hat die Verlegung von 1.568 Rohren, die Anbringung von Ventilen und die Arbeiten an den Pumpen für das chemische Kühlmittel abgeschlossen.

Als letzter Arbeitsschritt wurden gestern die Temperaturanzeiger angebracht, so dass die Anlage nun jederzeit zum Einsatz kommen kann.

Das Rohrsystem wurde am AKW Fukushima Daiichi auf einer Strecke von 1.500 Metern um die Reaktoren 1 bis 4 verlegt und soll nach Inbetriebnahme durch die Zirkulation des Kühlmittels den Boden gefrieren, um auf diese Weise eine natürliche Barriere gegen eindringendes Grundwasser zu bilden.

TEPCO hofft, die täglich anfallende Menge an kontaminierten Abwässern in Höhe von 450 Tonnen auf 150 Tonnen reduzieren zu können. Das radioaktiv belastete Abwasser müsste andernfalls in Stahltanks gelagert und gefiltert werden.

Regierung und TEPCO hoffen, den so genannten Eiswall Ende März in Betrieb nehmen zu können Das Projekt ist jedoch keineswegs unumstritten. Über den Abschluss berichteten jiji und Präfekturmedien.

Atomaufsicht blockiert Eiswallprojekt:  Die Vorbereitungen sind abgeschlossen und der Inbetriebnahme des Kühlkreislaufs steht technisch gesehen nichts mehr im Weg – doch die Atomaufsichtsbehörde NRA bremst das Projekt nun aus.

Die NRA sieht das Risiko, dass radioaktive Abwässer verstärkt aus den Reaktorgebäuden gelangen könnten, wenn durch die Aufstauung der Grundwasserpegel innerhalb der Barriere zu stark fällt. Dadurch sei auch die Effektivität der Maßnahme fraglich.

Dem seit Juni 2014 begonnenen Projekt, das bislang etwa 34,5 Milliarden Yen kostete, sieht sich daher mit Vorbehalten von oberster Stelle konfrontiert. Die erforderliche Erlaubnis für die Inbetriebnahme steht noch aus.

Bereits im Frühjahr 2015 hatte der NRA-Vorsitzende Shunichi Tanaka gemahnt, TEPCO solle den Eiswall nicht illusorisch als perfekte Lösung ansehen.

Probleme, die sich nun Anfang des Jahres bei Tests des Eiswalls in einem Teilstück der Anlage zeigten, scheinen den Vorbehalten der Behörde Recht zu geben.

So sei der Rückgang des Grundwasserspegels an einigen Stellen stärker gewesen, als erwartet, was zum befürchteten Szenario führen könnte. Auch Geschwindigkeit und Richtung des Grundwasserverlaufs konnten nicht an allen Teilstrecken nachvollzogen werden.

Außerdem ist im Fall von Störungen am System keine schnelle Notfallmaßnahme möglich, da der gefrorene Boden etwa zwei Monate brauchen würde, um wieder aufzutauen.

Im vergangenen Dezember ging die NRA aufgrund ihrer Bedenken so weit, dem Betreiberunternehmen TEPCO schriftlich vorzuschlagen, lediglich an weniger gefährdeten Bereichen auf den Eiswall zu setzen.

TEPCO beharrt zwar auf dem Vollbetrieb, will jedoch die Bedenken der Behörde und deren Bitte zumindest bei der weiteren Planung berücksichtigen. Über den Widerstand der NRA gegen das Projekt berichteten Asahi Shimbun und Präfekturmedien.

NRA will Messposten in Sperrgebietsgemeinden aufstocken: Bei einer Sitzung der Atomaufsicht am heutigen Mittwoch wurde bekannt, dass die Behörde die Strahlungsmessungen in den Evakuierungszonen gezielt ausbauen will.

Demnach soll die Zahl der bislang 3.000 Messposten vergrößert werden, indem man in Gemeinden, deren Evakuierungsanordnung bereits aufgehoben wurde, oder künftig bevorsteht, mehr öffentliche Messposten anbringt.

Man hofft, bessere Information werde Ängste reduzieren und bislang Unentschlossene zur Rückkehr in ihre alten Gemeinden bewegen. Im Gegenzug sollen Messposten an anderer Stelle abgebaut werden.

Für Gebiete mit besonders hoher Strahlungsbelastung aufgrund des radioaktiven Niederschlags  ist dagegen die Nutzung mobiler Messgeräte vorgesehen. Dort mangelt es nach Ansicht des NRA-Vorsitzenden an diesen Vorrichtungen.

Dort sei die Erfassung der Strahlungsdaten von besonderem Interesse, da sich dort die Auswirkungen von Dekontaminationsarbeiten besonders beobachten ließen. Nach Beratungen mit anderen Behörden wolle man die Details des neuen Plans festlegen.

Über die geplanten Maßnahmen der Atomaufsichtsbehörde berichtete die NHK.

NRA-Vorsitzender spricht mit TEPCO über Fragen des Arbeitsumfelds:  Anlässlich der Sitzung der Atomaufsichtsbehörde NRA, traf sich deren Vorsitzender Shunichi Tanaka mit TEPCO-Präsent Naomi Hirose und sprach über die Verbesserung des Arbeitsumfelds.

Gespräche mit den Verantwortlichen der 12 Gemeinden in der Sperrzone um das AKW Fukushima Daiichi, bringen immer wieder Ängste um die Kraftwerksanlage als Thema auf.

Sowohl die Befürchtung, es könne ein weiteres Großleck am AKW geben, als auch die Angst vor der Einsturzgefahr eines Reaktor-Abluftkamins, beschäftigen die Menschen. An dem Stahlgerüst der 120 Meter hohen Konstruktion waren Risse an Verbindungstellen festgestellt worden.

Eine Normalisierung der Bedingungen auf den Stand vor der Kraftwerkskatastrophe wäre auch nach Einschätzung von Experten ein wichtiger Schritt. Besuche der Kraftwerksanlage durch Gruppen von Komitee-Mitgliedern sind ab dem kommenden Wochenende geplant. Das berichten Präfekturmedien.

Einzelheiten zum Testbetrieb der Verbrennungsanlage: Gestern berichteten wir an dieser Stelle über den ersten Testlauf einer Müllverbrennung auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi. Nun gibt es weitere Einzelheiten.

Demnach soll die Anlage im Vollbetrieb das Volumen der Abfälle, die bei den Arbeiten anfallen, um etwa 90 Prozent verringern können. Bei dem radioaktiv belasteten Abfall handelt es sich unter anderem um Schutzanzüge und Metallteile.

Nach dem gestrigen Testlauf soll die Anlage möglicherweise bereits morgen in einen Testbetrieb übergehen, der zunächst bis zum Donnerstag kommender Woche dauern soll.

Ein entscheidender Punkt ist die Sicherheit der Müllverbrennung. So wird die entstehende Asche höhere Strahlungswerte aufweisen, als die Abfälle, so dass TEPCO sie in Fässern innerhalb eines strahlungssicheren Gebäudes einlagern will.

Um den Austritt von radioaktivem Material bei der Verbrennung zu verhindern, werden Filter an den Abluftleitungen der Anlage angebracht, erklärte der Kraftwerksbetreiber. Nach Ende des Testbetriebs werde man die Belastung der Abgase auswerten.

Sofern keine Störungen auftreten, hofft das Unternehmen, die Anlage gegen Ende März in Regelbetrieb nehmen zu können. Der Betrieb kann rund um die Uhr erfolgen und wird täglich 14 Tonnen Abfälle verbrennen.

Mit Stand vom Ende vergangenen Jahres sind derzeit 66.000 Kubikmeter an Abfällen, die der Verbrennung bedürfen, auf dem Kraftwerksgelände angefallen. Über die Müllentsorgung berichtete die NHK.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here