Fukushima aktuell: Atomaufsicht sieht anhaltende Risiken am AKW

Fukushima aktuell: Atomaufsicht sieht anhaltende Risiken am AKW

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Artikelbild - AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)

Das Gedenken an die Opfer der Tohoku-Katastrophen ist anlässlich des Jahrestags in Japan aktuell besonders präsent und auch in den Fukushima News ist das Thema allgegenwärtig. Auch die weiterhin bestehende Gefahr durch das Kernkraftwerk ist von Bedeutung. Einzelheiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. März 2015.

Unsere Themen zum Jahrestag der Katastrophen:

  • Atomaufsicht sieht anhaltende Risiken am AKW Fukushima
  • Informationen zum jüngsten Wasserleck
  • Gedenkveranstaltung am AKW Fukushima
  • Weltweites Gedenken an Tohoku-Katastrophen
  • Neue Methode zur Bergung geschmolzener Brennelemente erwogen
  • Transport von kontaminiertem Erdreich soll zum Wochenende anlaufen

Atomaufsicht sieht anhaltende Risiken am AKW Fukushima: Anlässlich des vierten Jahrestags der Kraftwerkskatastrophe, äußerte sich die Atomaufsichtsbehörde NRA zur aktuellen Situation der Anlage.

So erklärte der Vorsitzende Shunichi Tanaka, eine Reihe von Unfällen und technischen Problemen im vergangenen Jahr machten deutlich, dass man sich den Tatsachen stellen müsse, zu denen auch Angst und Verärgerung der Präfekturbewohner gehörten.

Es sei nicht zu leugnen, dass die Kernschmelzen nach dem Tohoku-Großbeben und damit damit verbundenen Tsunami zusätzliches Leid geschaffen hätten. Derartiges dürfe nicht wieder geschehen.

Es bestünden immer noch mehrere Risiken, die zu verschiedene Arten von Unfällen und weiteren Problemen an der Anlage führen könnten.

Der NRA-Vorsitzende sieht den Kraftwerksbetreiber in der Pflicht, weitere Maßnahmen an der Anlage zu treffen um die Sicherheitssituation zu verbessern.

Tanaka drängte seine Mitarbeiter dazu, ihrerseits ebenfalls ihr bestes zu geben, um Sicherheitsrisiken zu verringern. Bereits zu Beginn des Jahres waren Arbeitsunfälle mit tödlichem Ausgang gemeldet worden.

Er äußerte zudem seine Besorgnis, dass die Erinnerungen an die Katastrophe schwinden und die Lektionen vergessen werden könnten. Dies dürfe zumindest einer Kontrollinstanz nicht geschehen. Über die Rede berichteten Kyodo und NHK.

Informationen zum jüngsten Wasserleck: Am gestrigen Dienstag berichteten wir von einem Wasserleck, bei dem Tonnen an radioaktivem Wasser ausgetreten waren. Nach der ersten Meldung machte das Unternehmen weitergehende Angaben.

Das kontaminierte Regenwasser wurde an zwei Stellen zwischen dem inneren und dem äußeren Wall entdeckt, die um den betreffenden Lagertankbereich angelegt worden waren.

AKW Fukushima: Blasenbildung am 10. März 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blasenbildung am 10. März 2015 (Foto: TEPCO)

Der Wasseraustritt war entdeckt worden, nachdem es zu einem Abfall des Regenwasserstands zwischen Montagabend und Dienstagmorgen gekommen war.

Ursprünglich sei das Unternehmen nur von 400 Tonnen ausgegangen, habe diese Zahl dann jedoch nach oben korrigieren müssen. Nun gehe man von etwa 747 Tonnen radioaktiv belastetem Regenwasser aus.

Die gemessenen Werte von 8.300 Becquerel pro Liter liegen deutlich über den Messergebnissen von fünf anderen Stellen. Dort lag der Durchschnittswert bei 2.300 Becquerel pro Liter. Das ausgetretene Wasser gelangte vermutlich an Verbindungspunkten zu Nebenkanälen in den Boden.

TEPCO versicherte erneut, es bestehe keine Verbindung zwischen dem Austritt des kontaminiertem Regenwassers und den Lagertanks, in denen stark radioaktiv belastetes Wasser eingelagert wird.

Änderungen der Pegelstände in den Behältern, oder Schäden an den dort vorhandenen Leitungen, habe man bei den Kontrollen nicht festgestellt. Neben dem Kraftwerksbetreiber berichteten nun auch zahlreiche japanische Medien, darunter Asahi Shimbun, jiji und NHK.

Gedenkveranstaltung am AKW Fukushima: Wie gestern angekündigt, gedachte sowohl die Unternehmensführung von Tokyo Electric Power (TEPCO), als auch die Angestellten am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi mit einer Schweigeminute der Opfer der Tohoku-Katastrophen.

AKW Fukushima: Gedenken der Tohoku-Opfer am 11. März 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Gedenken an die Tohoku-Opfer am 11. März 2015 (Foto: TEPCO)

Das Großbeben und der damit verbundene Tsunami vom 11. März 2011, hatten aufgrund unzureichender Sicherheitsmaßnahmen zu Japans schlimmster Reaktorkatastrophe geführt.

Die Gedenkminute, an die sich die Ansprache des Unternehmenspräsidenten Naomi Hirose anschloss, fanden im erdbebensicheren Hauptverwaltungsgebäude auf dem Gelände statt. Das Betreiberunternehmen TEPCO begleitete die aktuelle Mitteilung mit Videoaufnahmen der Veranstaltung.

Weltweites Gedenken an Tohoku-Katastrophen: Weltweit wurde heute der Opfer der Tohoku-Naturkatastrophen und der damit verbundenen Folgen am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi gedacht.

Einwohner eines Übergangshaus-Wohnkomplexes in Minamisanriku (Präf. Miyagi), beteiligten sich vor Ort ebenso an der Schweigeminute, wie Menschen in Miyako (Präfektur Iwate) und Fukushima Stadt, sowie die die Teilnehmer einer offiziellen Gedenkfeier in Tokyo, auf der Premierminister Shinzo Abe und der Tenno sprachen.

Auch für die kommenden Tage sind zahlreiche Mahnwachen und Gedenkveranstaltungen geplant, so etwa am morgigen Donnerstag vor dem Kanzleramt in Berlin.

Neue Methode zur Bergung geschmolzener Brennelemente erwogen: Experten eines Unternehmens, das Stilllegungspläne für das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ausarbeiten soll, erwägen ein neues Vorgehen bei der Brennelemente-Bergung.

Aufgrund des unklaren Zustands der Sicherheitsbehälter in den Reaktoren, an denen verschiedene Schäden zu erwarten sind, deren genaue Lokalisierung zudem unklar sei, wäre das bislang vorgesehen Konzept, die Behälter zur Strahlungsabschirmung mit Wasser zu füllen möglicherweise wenig praktikabel.

Die neue Herangehensweise sieht stattdessen vor, eine Seite des Sicherheitsbehälters zu öffnen und die zusammengeschmolzenen Brennelemente ohne vorausgehende Flutung zu entfernen.

Da die dortigen Strahlungswerte ohne entsprechende Abschirmung jedoch zum schnellen Tod führen würden, müssten die Arbeiten durch Roboter durchgeführt werden. Sowohl alternative Abschirmungsmöglichkeiten, als auch die Robotertechnologien müssten hierfür speziell entwickelt werden.

Derzeit ist zwar primär die Bergung von Brennelementen aus Reaktor 1 von Bedeutung, bei der Vorstellung ihres neuen Plans wollen die Experten jedoch auch verschiedene Möglichkeiten für die Reaktoren 2 und 3 nennen.

Mit dem neuen Plan sei frühestens Ende des Monats zu rechnen. Über das neue Konzept zur Brennelementebergung berichtete die NHK.

Transport von kontaminiertem Erdreich soll zum Wochenende anlaufen: Am Freitag soll mit dem Transfer von Dekontaminationsabfällen zu den Lagerstätten im Gebiet der Gemeinden Futaba und Okuma begonnen werden.

Bei dem Material handelt es sich um Erdreich, das im Zuge der Dekontaminationsarbeiten abgetragen worden war, sowie um geräumte Trümmer. Das Umweltministerium will einen möglichst zügigen Transport um die bisherigen Verhältnisse zu bessern.

Derzeit lagern mit 54 der insgesamt 59 Gemeinden fast alle Ortschaften der Präfektur Fukushima radioaktiv kontaminierte Abfälle und neben 1.050 offiziellen Erstlagern, besteht mit 86.000 die Mehrzahl der bisherigen Standorte aus Privatgrundstücken und Parkplätzen.

Schätzungsweise befinden sich etwa 6,6 Millionen Kubikmeter an radioaktiv belastetem Material in der Präfektur und da verwundert es wenig, dass es weiterhin Probleme gibt.

So steht dem Plan der Regierung, auf einem 16 Quadratkilometer messenden Gelände, eine Gesamtmenge von bis zu 22 Millionen Kubikmetern zu lagern der Umstand entgegen, das dort bislang lediglich genug Platz für 20.000 Kubikmeter vorhanden ist.

Ursächlich für diese Art von Problemen sind auch die Privateigentümer der zur Ausweitung benötigten Grundstücke. Diese zeigen sich sowohl angesichts der historischen Bedeutung für alteingesessene Familien, als auch der Höhe der in Aussicht gestellten Entschädigungszahlungen unzufrieden.

Nicht zuletzt deshalb bleibt zunächst ungeklärt, wie schnell sich die behelfsmäßigen Erstlager mit den charakteristischen dunklen Plastiksäcken tatsächlich auflösen lassen.

Nach Angaben der Regierung sperren sich derzeit mehr als 2.300 Grundstückseigentümer gegen die Nutzung ihrer Gelände. Über den dennoch geplanten Beginn der Lieferungen berichtete die NHK.

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