Fukushima aktuell: Atomkraftgegner wegen Drohnenaktion verurteilt

Fukushima aktuell: Atomkraftgegner wegen Drohnenaktion verurteilt

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Artikelbild - Quadracopter-Drohne (Foto: wüstenigel cc-by)
Atomkraftprotest mit Drohne führt zu Verurteilung (Symbolfoto: wüstenigel cc-by)

Protest gegen die japanische Atompolitik kann Konsequenzen nach sich ziehen – das zeigen die heutigen Fukushima News. Einzelheiten und mehr zu dem, was im Zusammenhang mit den Folgen der Krise von Fukushima heute sonst noch von Bedeutung war, gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. Februar 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Drohnenpilot wegen Protestaktion verurteilt
  • Entwurf für Schilddrüsenkrebs-Zwischenbericht vorgestellt
  • Vorbehalte gegen Messposten-Regelung

Drohnenpilot wegen Protestaktion verurteilt: Am heutigen Dienstag verurteilte ein Gericht in Tokyo einen 41 Jahre alten Atomkraftkritiker zu zwei Jahren Haft, ausgesetzt zu einer vierjährigen Bewährung.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine dreijährige Haftstrafe gefordert. Die Bewährung schien nach Ansicht des Gerichts aufgrund des Umstands, dass sich der Täter selbst gestellt hatte, jedoch ausreichend.

Die Landung einer Drohne auf dem Sitz des Premierministers, die einen Behälter mit radioaktiv kontaminiertem Sand aus Fukushima dorthin transportierte, hatte im April 2015 für Aufsehen gesorgt. Die Drohne war zudem mit schwarzen Nebelkerzen und einem Warnsymbol versehen worden.

Das Flugobjekt war am 9. April vom Verurteilten dorthin navigiert und am 22. entdeckt worden. Wenige Tage nach seiner Aktion stellte er sich der Polizei und erklärte sein Motiv für die Aktion. Demnach habe er gegen die Atompolitik der Abe-Regierung protestieren wollen.

Vor Gericht bekannt er sich bezüglich der gegen ihn erhobenen Vorwürfe, er habe versucht den Betrieb zu stören, für nicht schuldig. Heute erfolgte der Schuldspruch durch das Gericht.

Der Zwischenfall führte zu einem neuen Gesetz, das im vergangenen Dezember in Kraft trat und die Verwendung von Drohnen in der Nähe von Flughäfen und Gebieten mit großer Bevölkerungsdichte verbietet. Über das Urteil berichteten japanische Medien, darunter die jiji.

Entwurf für Schilddrüsenkrebs-Zwischenbericht vorgestellt: Ein Expertenkomitee gab heute den endgültigen Entwurf für den Zwischenbericht zur Einschätzung der Fälle von Schilddrüsenkrebs in der Präfektur Fukushima bekannt.

Die Experten kommen zu dem Schluss, dass das Verhältnis von Schilddrüsenkrebsfällen in der Präfektur Fukushima deutlich über dem landesweiten Durchschnitt liegt.

Nach der jüngsten Untersuchungsreihe zwischen Oktober und Dezember stieg die Zahl bestätigter Fälle auf 16 und damit im Vergleich zum Ergebnis vom September um einen Patienten. Dazu kommen 35 Verdachtsfälle.

Die Gesamtzahl der Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Personen, die zum Zeitpunkt der Katastrophe maximal 18 Jahre alt waren, steigt somit auf 116 und die der Verdachtsfälle auf 51.

Auf einen definitiven Zusammenhang zur freigesetzten Radioaktivität durch die Kraftwerkskatastrophe will man sich in dem Entwurf jedoch nicht zweifelsfrei festlegen.

Es bestehe die Möglichkeit, dass aufgrund der großangelegten Untersuchungen auch weniger schwerwiegende Fälle, die keine lebensgefährliche Erkrankung darstellen, als auch Krebserkrankungen, die erst im späteren Lauf des Lebens entdeckt worden wären, erfasst wurden.

Zudem sei die nachgewiesene Belastung in den Schilddrüsen niedriger gewesen, als im Fall der Tschernobyl-Katastrophe. Schätzungen ergaben, dass sie im Zeitraum von vier Monaten nach der Fukushima-Krise eine maximale externe Belastung von 2,1 Millisievert ausegesetzt waren.

Über den Entwurf berichteten Kyodo, Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun, sowie Präfekturmedien.

Vorbehalte gegen Messposten-Regelung: Die Pläne der Atomaufsichtsbehörde NRA zur Neuverteilung von Strahlungsmessposten stößt in der Bevölkerung auf  Vorbehalte.

Die NRA plant in den Gebieten des Sperrgebiets die Zahl der Messposten aufzustocken, da die dortige Messung für künftige Beurteilungen der Bewohnbarkeit und Rückkehraussichten von Bedeutung sind.

Gleichzeitig sollen jedoch ab April 2017 an öffentlichen Einrichtungen der Präfektur 2.500 der 3.600 Messposten  abgebaut werden. Dies wird mit den geringen Abweichungen der Strahlunswerte, aber auch mit den Kosten für die Wartung begründet. Das geht aus Protokollen der NRA-Sitzung vom 10. Februar hervor.

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