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Fukushima aktuell: Ausländische Dekontaminationsarbeiter um Gefahrenzulage geprellt

Dreister Lohnbetrug: Vietnamesischen Arbeitern wurden Gelder vorenthalten und Dokumente gefälscht

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Artikelbild - Yen Geldscheine (Foto: pd)
Schlichtung zwischen dem Betreiber des Fukushima Daiichi und Evakuierten gescheitert (Symbolfoto: pd)

Der Missbrauch vietnamesischer Arbeitskräfte sorgt in Fukushima heute erneut für Schlagzeilen – auch wenn das Problem keineswegs auf die Präfektur beschränkt ist. Weitere Fukushima News betreffen kontaminierte Abfälle und die Olympischen Spiele.

Welche Meldungen neben der Kirschblütenschau in Fukushima sonst noch von Interesse sein können, erfährt man nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. April 2018.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Vietnamesen wurden bei Dekontamination um Gefahrenzulage geprellt
  • Kontrollierter Kühlungsstopp wegen Kamera-Arbeiten an Reaktor 3
  • Verbrennungsanlage für kontaminierte Abfälle in Katsurao eingeweiht
  • TEPCO entschuldigt sich bei Angehörigen von Suizidopfer
  • Olympischer Fackellauf soll die Region Tohoku besonders berücksichtigen
Vietnamesen wurden bei Dekontamination um Gefahrenzulage geprellt

In einem aktuellen Fall untersucht das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) die Umstände, unter denen ein japanisches Unternehmen ausländische Praktikanten bei Dekontaminationsarbeiten in Fukushima einsetzte.

Bereits im März war die missbräuchliche Beschäftigung eines Vietnamesen bei Dekontaminationsmaßnahmen in der Präfektur festgestellt worden und der Betroffene hatte eine Aussage über die Missstände gemacht.

im aktuell behandelten Fall hat der Arbeitgeber offenbar über einen Zeitraum von zwei Jahren die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitszulagen nicht ausgezahlt und die Gelder unterschlagen. Doch die kriminellen Machenschaften gingen noch weiter.

Nach der Aussage des Arbeiters vom  14. März wurde bekannt, dass das Bauunternehmen den Ermittlern der Behörde gefälschte Lohnnachweise zukommen ließ. Umweltminister Masaharu Nakagawa erklärte dann am 27, März, die Sicherheitszulagen wären gezahlt worden.

Nicht zuletzt aufgrund von derartigen Zwischenfällen gilt in Japan mittlerweile ein Verbot für die Beschäftigung von Praktikanten/Azubis im Dekontaminationsgewerbe.

Dass die ausländischen Arbeitskräfte, die sich in Japan schulen und weiterbilden lassen wollen, aber auch in anderen Bereichen wie billige Arbeitssklaven gehalten werden, zeigt ein anderer Fall aus Yokohama.

Der 27 Jahre alte Vietnamese, war weniger als ein Jahr bei einem Unternehmen zur Verarbeitung von Meerestieren beschäftigt, als er am 6. Februar gegen 5:00 Uhr morgens aus dem Bett geklingelt  wurde, bevor er mehreren Männern die Tür öffnete.

Sie gehörten zur „Boso Promotion Cooperative“ und begannen umgehend damit, seine Habseligkeiten zusammenzupacken. Innerhalb kürzester Zeit waren die notwendigen Dokumente bei der Gemeinde unterschrieben – und er saß in einem Flieger zurück nach Vietnam.

Später meldete sich der Betroffene aus Vietnam. Grund für seine unfreiwillige Ausreise war demnach die „unangebrachte Forderung“ nach bezahltem Urlaub gewesen, die einem Auszubildendem nicht zustehe – so zumindest die Haltung des Ex-Arbeitsgebers.

Über beide Fälle berichteten die Mainichi Shimbun bzw. die Kyodo.

Kontrollierter Kühlungsstopp wegen Kamera-Arbeiten an Reaktor 3

Aufgrund der Anbringung von Kameras zur künftigen Überwachung bei der Bergung von gebrauchten Brennelementen aus dem Abklingbecken von Reaktor 3, wird das Hauptkühlsystem für das Becken zeitweise abgeschaltet.

Ein Sicherheitsrisiko besteht nach Angaben des Kraftwerksbetreibers TEPCO hierdurch nicht, da der kalkulierte Anstieg von 19,4 auf 22,3°Celsius keine Gefahr für den Kühlungszustand der Brennelemente darstellt. Das berichtet der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Verbrennungsanlage für kontaminierter Abfälle in Katsurao eingeweiht

Wie das Umweltministerium am Samstag bekannt gab, wurden an einer temporären Verbrennungsanlage in einem Teil der Gemeinde Katsurao, der aufgrund der dortigen Radioaktivität noch nicht bewohnbar ist, mit Arbeiten begonnen.

Es ist das erste Mal, dass das Ministerium im Rahmen der Maßnahmen zur großflächigen Entsorgung von kontaminiertem Abfall auf die Dienste der Anlage zurückgreift. Zu bewältigen sind Abfälle aus den Gemeinden Tamura, Miharu und Kawauchi.

Etwa 50 Personen nahmen an der offiziellen Eröffnungszeremonie teil. Insgesamt werden in Tamura 50.000 Tonnen, in Miharu 20.000 Tonnen und in Kawauchi 40.000 Tonnen an Zweigen, Laub und anderem Material aus den Dekontaminationsarbeiten temporär gelagert.

Das Volumen der Gesamtmenge kann durch Verbrennung auf ein Zehntel der ursprünglichen Menge reduziert werden, was die Einlagerung deutlich vereinfacht.

Um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, wurden zunächst nur fünf Tonnen in den charakteristischen schwarzen Kunststoffbehältern (furekon) geliefert. Die Behörden betonten, dass die Sicherheit bei der Entsorgung oberste Priorität habe.

Über die Zeremonie und den Beginn der Arbeiten berichteten Präfekturmedien.

TEPCO entschuldigt sich bei Angehörigen von Suizidopfer

Ende vergangener Woche entschuldigte sich der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi bei den Hinterbliebenen eines Mannes aus Iitate, der sich im Alter von 102 Jahren erhängt hatte, als er von der Evakuierungsanordnung für seine Heimatgemeinde erfuhr.

Ein Vertreter erklärte, man bedauere aufrichtig, dass man den Hundertjährigen der nie seinen Heimatort Iitate verlassen hatte, zu solch einem tragischen Schritt getrieben habe. Auch für das Leiden, das der Familie entstanden sei, entschuldigte sich TEPCO.

Zuvor hatte im Februar ein Gerichtsurteil gegen die Betreiberfirma TEPCO das Unternehmen zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 15,2 Millionen Yen an die Familie Okubo verpflichtet. Weder Kläger noch Beklagte hatten Einspruch eingelegt.

Angehörige des Verstorbenen Fumio Okubo zeigten sich über die offizielle Entschuldigung erleichtert und erklärten, mit dieser Geste sei ein wichtiger Wunsch der Familie erfüllt worden. Man hoffe nun in Frieden leben zu können.

Über den finalen Schritt des Elektrizitätsanbieters in dieser Angelegenheit berichteten Kyodo,  Asahi Shimbun, sowie Präfekturmedien.

Olympischer Fackellauf soll die Region Tohoku besonders berücksichtigen

Nachdem Tokyo zum Austragungsort der Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 bestimmt wurde, war die Frage, welche Bedeutung der Region Tohoku und insbesondere der Präfektur Fukushima zukommen sollte, in verschiedener Form diskutiert worden.

In einem noch nie dagewesenen Schritt soll das Olympische Feuer noch vor dem Beginn der eigentlichen Etappen in Japan die drei „Katastrophenpräfekturen“ Fukushima, Iwate und Miyagi erreichen und dort bei drei Veranstaltungen entzündet werden.

Erst dann wird sie im März 2020 ihre eigentliche Reise in Okinawa beginnen und über die japanischen Inseln führen, bis sie nach etwa 115 Tagen zur Eröffnung der Spiele von Tokyo am 24. Juli, in der Hauptstadt eintreffen wird.

Ursprünglich war sogar erwogen worden, die japanische Etappe in der Region Tohoku starten zu lassen, doch die Möglichkeit von starkem Schneefall hatte zur Wahl von Okinawa geführt. Nun will man zumindest die Sonderregelung durchsetzen.

Ob die Absicht, durch diese außergewöhnliche Abweichung die Veranstaltung zu den „Olympischen Spielen für Wiederaufbau“ stilisieren zu können tatsächlich erreicht wird, hängt auch von den Verhandlungen mit dem Internationalen Olympischen Komitee ab.

Was die Dauer der Etappen in den einzelnen Präfekturen des Landes angeht, so will man auf der südwestlichen Hauptinsel Kyushu, wo im April 2016 die Präfektur Kumamoto und angrenzende Gebiete zum Opfer mehrerer Erdbeben wurden, längere Etappen zulassen.

Yoshiro Mori, Präsident des Organisationskomitees und andere wichtige Personen, wollen den Plan bei einem Treffen am 10. April genauer diskutieren. Über diese Aussichten berichtete die Asahi Shimbun unter Bezug auf ungenannte Quellen.