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Fukushima aktuell: Ausländische Unternehmen sollen Tritiumproblem lösen

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Artikelbild - AKW Fukushima: Adsorptionsanlage von Kurion am 8. Juni 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Adsorptionsanlage von Kurion am 8. Juni 2011 (Foto: TEPCO)

Zahlreiche Informationen, etwa zur Bewältigung radioaktiver Abwässer, zu Entschädigungszahlungen und Testfängen werden aus Fukushima heute gemeldet, so dass es scheint, als wäre das vielzitierte Sommerloch zumindest bei den Fukushima News vorbei. Aktuelle Informationen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. August 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Ausländische Unternehmen sollen Tritium bekämpfen
  • TEPCO muss Entschädigung für Suizid zahlen
  • Fukushima-Kosten im Trillionenbereich möglich
  • Regierung bietet Gemeinden Milliardenbetrag für Zwischenlagerzustimmung
  • Testfang von Breitling in Präfektur Fukushima
  • Tsunami über 20 Meter könnten japanische Küste treffen

Ausländische Unternehmen sollen Tritium bekämpfen: Japan hat eine Entscheidung zur Bewältigung der Tritiumbelastung radioaktiver Abwässer getroffen und aus 29 Bewerbern nun drei Unternehmen ausgesucht, die im Rahmen eines subventionierten Projekts die beste Technologie zur Filterung von Tritium ermitteln sollen.

Dabei handelt es sich um das US-Unternehmen Kurion Inc.orporated, dass auf die Verarbeitung von Atommüll und gefährlichen Abfällen spezialisiert ist und die GE Hitachi Nuclear Energy Canada Inc. bei dem es sich um ein Joint-Venture des japanischen Herstellers Hitachi und dem US-Unternehmen General Electric Co. handelt.

Kurion war bereits unmittelbar nach Ausbruch der Fukushima-Krise mit einem externen Kühlsystem und einer Cäsiumfilteranlage an technischen Maßnahmen zur Bewältigung der Situation in Japan beteiligt.

Als drittes ist mit dem föderalen staatlichen Einheitsunternehmen RosRAO auch ein russisches Unternehmen für Atommüllentsorgung mit im Boot, berichtet die Kyodo. Derzeit arbeitet TEPCO an einer Verbesserung der ALPS-Anlage, die externe Hilfe könnte somit die Bewältigung radioaktiv kontaminierter Abwässer deutlich erleichtern.

TEPCO muss Entschädigung für Suizid zahlen: Das Bezirksgericht Fukushima hat den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi  aufgrund einer, im Mai 2012 eingereichten Klage, zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 49 Millionen Yen verurteilt. Das Geld kommt den Hinterbliebenen von Hamako Watanabe zu, die sich im Alter von 58 Jahren aus Verzweiflung nach ihrer Evakuierung selbst verbrannt hatte.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO zu Zahlung von Entschädigung nach Suizid verurteilt (Symbolfoto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Es ist das erste Mal, dass ein Gericht eine derartige Entscheidung fällt und einen kausalen Zusammenhang zwischen der Katastrophe am Kernkraftwerk und einem Fall von Selbsttötung erklärt. Die Richter blieben bei ihrem Urteil jedoch unter der von den Klägern geforderten Summe von 91 Millionen Yen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, das die Verzweiflung und Zukunftsangst, die zum Suizid von Frau Watanabe geführt hatten, unmittelbar auf die Krise durch das Kraftwerksunglück zurückzuführen seien.

Im Juli 2011 während eines zeitlich begrenzten Besuchs ihres Heimatorts Kawamata (Bezirk Yamakiya), der etwa 35 Kilometer vom Kraftwerk Fukushima Daiichi entfernt liegt, übergoß sich die Frau mit Treibstoff und zündete sich selbst an.

Nach Darstellung ihrer Angehörigen – sie hinterlässt einen Ehemann, sowie drei Kinder – sei sie aufgrund der Flucht, des Wegbrechens sozialer Kontakte in der Nachbarschaft, sowie des Arbeitsplatzverlustes und Anpassungsschwierigkeiten an die neue Umgebung der Stadtwohnung, depressiv geworden und habe lieber in ihrer Heimat sterben wollen, anstatt als Flüchtling an einem anderen Ort leben zu müssen.

TEPCO hatte in der Verhandlung argumentiert, wesentliche Ursache für den Suizid sei nicht die Kraftwerkskatastrophe selbst, sondern auch ihre besondere Empfindsamkeit und somit ein Charakterzug, habe zur Selbsttötung beigetragen. Anlässlich des Urteils erklärte das Unternehmen man werde dafür beten, dass die Verstorbene in Frieden ruhe, und den Wortlaut des Gerichtsentscheids prüfen, um dementsprechend zu handeln.

Über die Gerichtsentscheidung berichteten praktische alle Medien darunter Kyodo, Asahi  Shimbun, jiji und NHK.

Fukushima-Kosten im Trillionenbereich möglich: Eine Berechnung von Professoren für Umweltwirtschaft und Umweltpolitik, kommt auf Basis von Materialkosten und Daten, die von Regierung und Kraftwerksbetreiber veröffentlicht wurden, zu dem Schluss, dass die Kosten der Fukushima-Krise etwa 11,08 Trillionen Yen betragen werden.

Die Zahlen, in denen 4,91 Trillionen für Entschädigungsleistungen und 2,48 Trillionen an Dekontaminationskosten ebenso einbezogen sind, wie weitere 2,17 Trillionen zur Stilllegung der Kraftwerksanlage und 1,06 Trillionen für Zwischenlagerung von kontaminiertem Abfall, übertreffen eine Regierungsberechnung aus dem Jahr 2011 annähernd um das Doppelte. Das berichtete die Kyodo.

Testfang von Breitling in Präfektur Fukushima: Am heutigen Dienstag begannen zwei Fischereikooperativen mit dem Testfang von Breitling in den Küstengewässern von Iwaki. Nachdem im Oktober 2010 der letzte reguläre Fang erfolgte, war der erste Testfang für den September 2013 vorgesehen, jedoch aufgrund des Austritts von kontaminiertem Wasser am AKW verschoben worden.

Tokyo: Traditioneller Fischhändler Foto: KJ
Fukushima-Fischfang soll wiederbelebt werden (Foto: Fischhändler in Tokyo, Copyright by KJ)

Somit fuhren die 17 Fischerboote das erste Mal seit vier Jahren wieder auf das Meer hinaus und brachten eine Ausbeute von drei Tonnen Breitling zurück. Der Fang wurde auf radioaktive Belastung geprüft und keine Überschreitung der Grenzwerte festgestellt, so dass er verzehrt werden kann.

Der etwa drei Zentimeter lange Fisch stellte vor der Kraftwerkskatastrophe die wichtigste Einkommensquelle für die dortigen Fischer dar und die Wiederaufnahme des Verkaufs, nachdem der Fisch zuvor gekocht und getrocknet wurde, gilt als wichtiger Schlüssel zur Erholung der örtlichen Fischereibetriebe. Vor dem Vertrieb werden die Fische erneut auf Strahlungsbelastung geprüft. Das berichteten NHK und Präfekturmedien.

NHK und Minyu Regierung bietet 15 Millarden Yen für Zwischenlagergenehmigung: Die Regierung in Tokyo will das Problem der fehlenden Lagermöglichkeiten für radioaktiv kontaminiertes Erdreich, Laub, Asche und andere Dekontaminationsabfälle endlich lösen und ist bereit, nicht unwesentliche Summen für diesen Zweck auszugeben.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Gelder sollen Gemeinden von Zwischlagern überzeugen (Symbolfoto: pd)

Nun soll den beiden Gemeinden Futaba und Okuma, die als Lagerstandorte favorisiert werden, eine finanzielle Unterstützung durch eine Gesamtsumme von 15 Milliarden Yen zukommen. Die Regierung hofft, die Erlaubnis zum Ankauf von Gebieten der Gemeinden, oder eine Nutzungserlaubnis für die Flächen zu erhalten.

Umweltminister Nobuteru Ishihara warb heute bei den Gemeinden für den Plan und erklärte, um die Dekontamination und den Wiederaufbau der Präfektur Fukushima erfolgreich weiterführen zu können, sei die Schaffung von Lagern unbedingt erforderlich. Er versicherte, das Geld würde beiden Ortschaften direkt zukommen.

Nach Angaben von Ishihara sollen Flugblätter die Einwohner informieren. Zudem werde eine Hotline für Bürgerfragen eingerichtet. Die NHK beruft sich auf ungenannte Quellen wenn sie nun berichtet, dass zumindest einige Mitglieder der Ortsverwaltung durchaus Bereitschaft für den Handel zeigen. Einige fordern ein Treffen zwischen Regierungsvertretern und den Eigentümern der Grundstücke, bevor die Gemeinde entscheide.

Ob die Vorarbeit von Ishihara tatsächlich Erfolge hat, wird sich vielleicht schon am morgigen Mittwoch indirekt zeigen. Dann wollen Vertreter der Regierung ein Treffen mit Vertretern der Ortschaften abhalten. Mit einer Entscheidung von Präfekturverwaltung und Gemeinden wird erst nach Einholung der öffentlichen Meinung gerechnet. Neben der NHK berichteten auch Präfekturmedien.

Tsunami über 20 Meter könnten japanische Küste treffen: Ein Regierungsausschuss hat die Tsunamirisiken für 16 Präfekturen entlang der Küste des Japanischen Meeres untersucht und nun seine Ergebnisse vorgelegt. Bei den Einschätzungen für Gemeinden dienten 253 Erdbeben mit Stärken zwischen 6,8 und 7,9 als Grundlage.

Tsunami-Warnschild (Foto: Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Tsunami-Warnschild (Foto: Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Demnach könnte die Ortschaft Setana (Präf. Hokkaido) von einem Tsunami mit bis zu 23,4 Metern getroffen werden. Die größte Höhe in flachem Gelände wird von den Experten auf 12,4 Meter geschätzt und wird für Okushiri (Präf. Hokkaido) erwartet, gefolgt von 12,2 Metern bei der Stadt Suzu (Präf. Ishikawa).

Innerhalb des Zeitraums von einer Minute nach einem Erdbeben, könnten 15 Küstenorte in mehreren Präfekturen – darunter Hokkaido, Yamagata und Niigata – von Tsunami ab 30 Zentimetern Höhe getroffen werden. Dabei wurden exemplarisch die Orte Wajima (Präf. Ishikawa) und die Stadt Sado auf der gleichnamigen Insel (Präf. Niigata) genannt.  Weitere 34 Ortschaften könnten ab fünf Minuten einen Tsunami erwarten. Allgemein seien zwischen Hokkaido und Ishikawa Tsunami ab fünf Metern zu erwarten.

Geologische Grundlage der Berechnung ist die vermutete Existenz von etwa 60 Verwerfungen des Meeresbodens, deren Verlauf durch Analysen von Bodenschichten ermittelt wurde. Nach Expertenmeinung könnten am Japanisch Meer auch schwächere Erdbeben vergleichsweise hohe Tsunami auslösen.

Aufgrund von Epizentren nahe der Küste, könnten die Wellen sogar früher eintreffen als gedacht, so dass bereits das Auftreten eines Erdbebens hinreichender Grund für die umgehende Evakuierung der Bevölkerung aus dem Küstengebiet sei. Das berichten Kyodo und NHK.

Tatsächlich wird die Gefährlichkeit von niedrigen Tsunami von Laien oft unterschätzt. Bereits Tsunami von einem Meter Höhe können tödlich sein, wie Untersuchungen mit einem Simulator gezeigt hatten.

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