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Fukushima aktuell: Austritt von Salzsäure an ALPS-Filtersystem

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Artikelbild: Salzsäureleck an ALPS-Filtersystem am 1. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Salzsäureleck an ALPS-Multinuklidfiltersystem am 1. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)

Die Adventszeit begann für Kraftwerksbetreiber TEPCO mit einer Reihe von Lecks, bei denen neben Wasser auch Salzsäure austraten. Doch mit Meldungen über geplante Dekontaminationen nahe Tokyo und Hintergründe der Atompolitik finden sich im Zusammenhang mit der Anlage in Fukushima heute erneut weitere interessante Informationen.

Die Fukushima News zu Beginn des Advents auch heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. Dezember 2013.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Austritt von Salzsäure am ALPS-Filtersystem
  • Leck an Fukushima-Entsalzungssystem
  • Stadt nahe Tokyo beginnt Vorbereitung für Dekontamination
  • Werbung für Atomindustrie unmittelbar nach Fukushima-Katastrophe

Austritt von Salzsäure am ALPS: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO am Sonntag mitteilte, war es am Morgen zum Austritt von Salzsäure an einem der beiden aktiven Einheiten des Multinuklid-Filtersystems ALPS gekommen.

AKW Fukushima: Salzsäurepumpe des ALPS am 1. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Salzsäurepumpe des ALPS am 1. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)

Die Leckstelle habe sich an einem Verbindungsstück der Pumpe befunden und sei noch vor der Inbetriebnahme um 9:00 Uhr entdeckt worden. Bei dem Zwischenfall ist nach Angaben des Unternehmens etwa ein Liter der Salzsäure ausgetreten, die zur Neutralisierung von basischem Wasser genutzt wird.

Säure, die mit einer Rate von einem Tropfen alle zehn Minuten austrat, wurde zunächst in einem Kunststoffbeutel aufgefangen, der später entsorgt werden musste.

Die betroffene Einheit C wurde in den Standby-Modus versetzt und ist bislang nicht wieder betriebsbereit, berichten der Betreiber TEPCO, sowie die jiji.

Das ALPS-System ist in der Lage, 62 radioaktive Nuklide mit Ausnahme von Tritium zu filtern und gilt als Schlüsselelement zur Bewältigung stark kontaminierten Wassers, das täglich in Lagertanks abgepumpt werden muss. Der Betreiber hofft, bei ausreichender Filterung eine Erlaubnis zur Verklappung der Abwässer zu erhalten.

Leck an Fukushima-Entsalzungssystem: Am heutigen Montag entdeckte ein Angestellter gegen 9:40 Uhr, dass an der Entsalzungseinheit 2, die durch Umkehrosmose das Salz filtert, Wasser austrat, Dies sei mit einer Geschwindigkeit von einem Tropfen pro Sekunde geschehen. Daraufhin wurde um 9:42 Uhr die Einheit abgestellt.

AKW Fukushima: Leck an Umkehrosmose-Einheit am 2. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leck an Umkehrosmose-Einheit am 2. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)

Nachdem eine Inspektion erfolgte und ein Ventil festgezogen wurde, endete der Wasseraustritt um 10:00 Uhr.

Das angesammelte Wasser hatte eine Tiefe von einem Millimeter und breitete sich auf einer Fläche von 2 x 0,5 Metern aus, gelangte jedoch nicht in die Umwelt. Die Gesamtmenge wird auf etwa einen Liter geschätzt.

Die Wasserlache wurde im Anschluss durch den Einsatz von Adsorptionsmaterial entfernt und, da sich nach Angaben von TEPCO keine weiteren Probleme fanden, das System gegen Mittag wieder in Betrieb genommen.

Stadt nahe Tokyo beginnt Vorbereitung für Dekontamination: Die Stadt Toride, nordöstlich von Tokyo, begann heute mit Strahlungskontrollen an 35.000 Häusern, um die Notwendigkeit von Dekontaminationen einzelner Gebäude ermitteln zu können.

Rathaus von Toride (Foto: pd)
Rathaus von Toride (Foto: pd)

Dabei wurde unter Einsatz spezieller Geräte auch die Strahlung in Regenrinnen und Hinterhöfen ermittelt. Bis kommenden Frühling will die Stadtverwaltung alle Dekontaminationsarbeiten abgeschlossen haben. In öffentlichen Parks und Schulen laufen bereits Dekontaminationsmaßnahmen.

Etwa 70 Prozent der Stadt gehören zu einem Gebiet, für dessen Dekontamination in Folge der Fukushima-Katastrophe 2011 die Regierung aufkommt. Die Stadtverwaltung hofft, mit der Maßnahme die immer noch bestehenden Sorgen der Einwohner verringern zu können. Das berichtete die NHK.

Werbung für Atomindustrie unmittelbar nach Fukushima-Katastrophe: Wie aus einem vertraulichen internen Dokument des Industrieministeriums vom März 2011 hervorgeht, begann man unmittelbar nach den Kernschmelzen am AKW Fukushima Daiichi mit der Bewerbung von Atomenergie.

Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)
Industrieministerium förderte nach Fukushima-Katastrophe die Atomenergie (Foto: BlackRiver cc-by)

Das Dokument sollte die Grundlage für die künftige Atompolitik des Landes werden und kommt zu dem Schluss, dass eine stabile Energieversorgung ohne sie nicht möglich sei.

Da die dort gebrauchte Formulierung, man werde die Faktoren hinter der gegenwärtigen Tragödie ermitteln und die Informationen mit der Welt teilen, fast wörtlich in einer Erklärung der Regierung des jetzigen Premierministers Shinzo Abe auftaucht, zeigt dies die Herkunft der atomkraftfreundlichen Politik und das es seit der Erstellung des Dokuments keine wesentlichen Änderungen gegeben hat.

Neben den zu erwartenden Kapiteln zur Bewältigung der Krise, Schaffung einer neuen Kontrollinstanz und der Stilllegung der Anlage findet sich dort auch der Passus, Kraftwerksbetreibern können Neustarts erlaubt werden, wenn diese den neuen Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Auch diese Haltung findet sich in der Politik von Premier Shinzo Abe wieder.

Die Asahi Shimbun, der das entsprechende Papier in Kopie vorliegt, macht bei der Veröffentlichung deutlich, dass derartige Dokumente für die Presse nicht mehr legal durch Anfragen zu erhalten sein werden, sollte das geplante Geheimhaltungsgesetz in Kraft treten.

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