Fukushima aktuell: Behörden räumen nach Schülermobbing Fehler ein

Fukushima aktuell: Behörden räumen nach Schülermobbing Fehler ein

Mobbing und Erpressung wurden bagatellisiert

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Artikelbild - Hafen von Yokohama 2010 (Foto: Public Domain)
Hafen von Yokohama im Jahr 2010 (Foto: pd)

Dass die Herkunft aus Fukushima heute noch ein Stigma sein kann, wissen Betroffene aus eigener Erfahrung. Dass Konsequenzen folgen, ist nicht selbstverständlich und manchmal ist es erst der mediale Druck, der für die benötigte Aufmerksamkeit sorgt.

Die Details zu diesen Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Februar 2017.

Unsere Themen zum Wochenbeginn im Überblick:

  • Entschuldigung und Eingeständnis nach Erpressung von Mobbing-Opfer
  • TEPCO präsentiert Medien das AKW Fukushima Daiichi
Entschuldigung und Eingeständnis nach Erpressung von Mobbing-Opfer

Auf einer Pressekonferenz am heutigen Montag vollzog die Vorsitzende der Schulbehörde in Yokohama, Yuko Okada eine offizielle Entschuldigung für die Versäumnisse im Mobbing-Fall von Yokohama an der dortigen Schule.

Der Junge war aufgrund seiner Herkunft aus der Präfektur Fukushima von Mitschülern nicht nur gemobbt, sondern auch um Geld erpresst worden und hatte wegen der psychischen Belastung schließlich sogar Suizidabsichten als Mobbingfolge entwickelt.

Insgesamt erpressten die Täter etwa 1,5 Millionen Yen und rechtfertigten ihr Vorgehen mit der Begründung, dass seine Familie als Flüchtlinge aus Fukushima ja schließlich staatliche Unterstützungsgelder erhalten würden.

Seine Mitschüler forderten das Geld mit der Begründung, als Evakuierter aus der Präfektur erhalte seine Familie doch staatliche Unterstützung.

Die Schule hatte nach dem Bekanntwerden anfangs argumentiert, die Weitergabe von Geld an Mitschüler habe in keinem kausalen Zusammenhang zu irgendeiner Form von Mobbing gestanden. Daraufhin war die Schulleitung unter Druck geraten.

Frau Okada entschuldigte sich nun offiziell und erklärte, die Hinweise des Schülers wären lange Zeit nicht wirklich ernst genommen worden. Man erkenne zudem auch die erzwungenen Zahlungen als erpresserische Folgen des Mobbing an

Jetzt arbeite man an einem Plan , um in Zukunft derartige Ereignisse an den dortigen Schulen zu verhindern. Über die formelle Entschuldigung und die Anerkennung der finanziellen Erpressung  berichteten Kyodo, jiji und Präfekturmedien

Die Geschichte des Jungen hatte eine ganze Reihe von Schülern ermutigt, ebenfalls von ihren Demütigungen aufgrund ihrer Herkunft zu berichten. So gibt es mehrere Mobbing-Fälle in Kanagawa und mindestens ein weiteres Mobbing-Opfer in Niigata.

In mindestens einem Fall war auch ein Lehrer am Mobbing beteiligt. Er hatte den Schüler als „Bazille“ oder „Keim“ bezeichnet und damit auf die radioaktive Kontamination angespiellt.

Der Gouverneur der Präfektur Fukushima erklärte seinerzeit hierzu, Unkenntnis über Radioaktivität als Mobbing-Motiv könne nur durch fundierte Aufklärung beseitigt werden.

TEPCO präsentiert Medien das AKW Fukushima Daiichi

Anlässlich einer Besichtigungstour für Journalisten am vergangenen Montag, wurden die Unterschiede zwischen den ersten Besuchen des Kraftwerksgeländes noch einmal besonders deutlich.

Fast sechs Jahre nach der Katastrophe dürfen Angestellte auf etwa 90 Prozent des Geländes in konventionellen Arbeitsanzügen tätig sein. Auch die Journalisten mussten lediglich eine leichte Atemmaske und eine Dosimeter-Weste mit sich führen.

Auch durch die Dekontamination und Betonierung des Geländes ist die Radioaktivität im Vergleich zum Krisenjahr 2011 deutlich gesunken. Die Strahlungswerte in unmittelbarer Nähe zu den Reaktorgebäuden konnte durch die Arbeiten ebenfalls reduziert werden.

So wurden in einer Distanz von 80 Metern zum Gebäude von Reaktor 1 auf einem Hügel eine Belastung von 0,149 Millisievert pro Stunde angezeigt und selbst wenige Meter von Reaktor 3 entfernt waren es nur 0,245 Millisievert.

Zudem wurden die Lebensumstände für die Arbeiter verbessert – nicht zuletzt durch ein neunstöckiges Pausengebäude, in dem die Angestellten sich erholen können.

Diese Fortschritte dürfen jedoch nicht über die zahlreichen Probleme hinwegtäuschen, die nach wie vor noch bestehen und dementsprechend funktionierender Konzepte zur Bewältigung der Schwierigkeiten harren.

So ist die Bewältigung des radioaktiven Abwassers aufgrund des nicht effektiv filterbaren Tritiumgehalts noch ungeklärt. Schätzungsweise 960.000 Tonnen kontaminiertes Wasser lagern auf dem Gelände und stellen ein Sicherheitsrisiko dar.

Der Umstand, dass sich die geschmolzenen Brennelemente aus dem Kern von Reaktor 2 vermutlich großflächig im Gebäude verbreitet haben, wird dortige Arbeiten aufgrund der hohen Radioaktivität weiterhin behindern und die Bergungspläne erschweren.

Über die Fortschritte und Defizite berichtete die Asahi Shimbun.

 

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