Start Aktuelles Fukushima aktuell: Bekämpfung der Wildschweinplage im Sperrgebiet läuft

Fukushima aktuell: Bekämpfung der Wildschweinplage im Sperrgebiet läuft

Schäden durch Wildtiere in Sperrgebiets-Gemeinden sollen reduziert werden

960
0
TEILEN
Artikelbild - Japanisches Wildschwein (Foto: KENPEI cc-by-sa)
Präfektur Fukushima: Positive Aussichten bei Wildschweinbekämpfung (Foto: KENPEI cc-by-sa)

Die Bekämpfung der Wildschweinplage erzielt in Fukushima heute positive Schlagzeilen und ist damit ein angenehmes Gegengewicht zu den Fukushima News über die Situation der Evakuierten, die aus Japan aktuell berichtet werden.

Die Details für diese Meldungen gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. März 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Reduzierung von Wildschweinen wird Erwartungen übertreffen
  • Fläche der Sperrgebiete in Fukushima sinkt durch Freigaben deutlich
  • Umfrage zur Schikane von Evakuierten aus Fukushima
  • Mobbing von Fukushima-Kindern auch gewalttätig
  • Region Tohoku weist mehr als 123.000 Evakuierte auf
  • Über 35.000 Evakuierte der Region leben noch in Übergangshäusern
Reduzierung von Wildschweinen wird Erwartungen übertreffen

Die Zahl der in diesem Fiskaljahr gefangenen Wildschweine in der Präfektur Fukushima, wird die angestrebte Zahl von 17.000 bis 18.000 Tieren übersteigen. Man rechnet mit etwa 24.000 Tieren.

Bereits mit Stand von Ende Januar wurden über 20.000 erfolgreiche Fänge gemeldet. Entsprechende Zahlen legte die Präfektur einem Planungskomitee vor.

Die Präfektur folgt einem Plan, der die Reduzierung der landwirtschaftlichen und baulichen Schäden durch Wildschweine in den evakuierten Sperrgebietsgemeinden durch Abschuss und Fang der Tiere. Das berichten Präfekturmedien.

Auch wenn es nicht explizit gesagt wird, so scheint eine Tötung der gefangenen Tiere wahrscheinlich, da eine Freilassung an anderer Stelle sinnlos wäre, so lange nicht ausreichend Schutzmaßnahmen, wie etwa Zäune, für die Nutzflächen vorhanden sind.

Die Verwaltung will einen kontrollierten Bestand an Tieren, der die Rückkehr in die Gemeinden und die Wiederaufnahme der Landwirtschaft  nicht behindert.

Die Vertreibung von Wildschweinen gilt als wichtiger Schritt dazu, die Rückkehr attraktiv zu machen, denn bereits seit Jahren wird aufgrund der allgemeinen Problematik eine mögliche Behinderung der Rückkehr befürchtet.

Fläche der Sperrgebiete in Fukushima sinkt durch Freigaben deutlich

Mit der geplante Freigabe weiterer Gebiete zum 1. April wird die Zahl der Gebiete, für die in Folge der AKW-Katastrophe eine Evakuierungsanordnung erlassen und somit Teil des Sperrgebiets wurden, deutlich sinken.

Präfektur Fukushima: Absperrung einer Zonengrenze (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Präfektur Fukushima: Absperrung einer Zonengrenze (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Demnach werden dann 70 Prozent der zuvor bewohnten Gebiete wieder frei sein und die verbleibende Fläche des Sperrgebiets auf 30 Prozent des Areals sinken.

Von den 11 Gemeinden, die innerhalb der evakuierten Gebiete lebten, werden dann insgesamt neun Ortschaften ganz, oder teilweise wieder für die potentiellen Rückkehrer offen sein. Wie viele der einstigen Bewohner die Gelegenheit nutzen werden, ist jedoch unklar.

So sind in den bislang fünf Gemeinden, die seit April 2014 freigegeben wurden, bislang lediglich 13,5 Prozent der früheren Bürger in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Strahlungsangst und Infrastrukturmängel halten immer noch viele zurück.

Über die Reduzierung der Sperrgebiete berichtete die jiji.

Umfrage zur Schikane von Evakuierten aus Fukushima

Eine gemeinsame Umfrage der Waseda-Universität und der NHK in Zusammenarbeit mit weiteren Stellen zeigt, dass Diskriminierung und Mobbing von Personen aus der Präfektur Fukushima keine Seltenheit sind und keinesfalls nur Einzelfälle vorliegen.

Auch belegen sie, dass sich das Mobbing nicht auf Schulkinder erstreckt, sondern auch Erwachsene einzig aufgrund ihrer Herkunft und ihres Status als Evakuierte zum Ziel von Diskriminierung und Ausgrenzung werden.

Insgesamt 334 der 741 gültigen Antworten bestätigten seelische Belastung durch ihre Herkunft aus der Präfektur erlitten zu haben. Bei der Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich.

Zu den konkret geschilderten Fällen gehört die Sachbeschädigung an Autos, die Ablehnung der Teilnahme an einer öffentlichen Veranstaltung und die Ablehnung von Gehaltserhöhung, oder Weiterbildung, unter Verweis auf die Entschädigungszahlung

Die Entschädigungszahlungen waren der Hauptgrund für Diskriminierung (274 Fälle), gefolgt vom bloßen Bekanntwerden des Status als Evakuierte (197 Fälle), oder Bezug auf die Kontamination durch den radioaktiven Niederschlag (127 Fälle).

Experten wie Professor Takuya Tsujiuchi von der Waseda-Universität betonen, der Allgemeinheit müsse die Bedeutung der Zahlungen – ein Ausgleich zum Verlust der nunmehr unbewohnbaren Heimat – stärker bewusst gemacht werden.

Über diese Diskriminierungen berichtete die NHK.

Mobbing von Fukushima-Kindern auch gewalttätig

Im Rahmen der zuvor genannten Umfrage wurde auch deutlich, dass die Diskriminierung und Schikane von Kindern nicht ausschließlich auf Beleidigungen reduziert werden kann, sondern auch Fälle von Bedrohung und Erpressungen vorliegen.

Anti-Mobbing (Foto: L’Interdit flickr, cc-by)
(Original-Foto: L’Interdit flickr, cc-by)

So gaben 54 der 741 Familien an, ihre Kinder hätten Mobbing in Kindergärten (drei Fälle), Grundschule (28 Fälle), oder weiterführenden Schulen (21 Fälle) erfahren müssen.

Neben verbalen Erniedrigungen (32 Fälle) wurden auch soziale Ächtung (22 Fälle), und sogar  körperlicher Gewalt (13 Fälle) und finanzielle Erpressung (fünf Fälle) gemeldet.

So wurde ein Kind dazu genötigt, vom dritten Stock eines Gebäudes zu springen und ein weiteres berichtet von der Bedrohung mit einem Messer, verbunden mit der Behauptung, er oder sie habe kein Recht zu leben.

Mehr als 60 Prozent der Kinder gaben an, als Folge dieser Behandlung ihre Herkunft zu verschweigen. Experten prognostizieren einen Anstieg dieser Fälle und fordern ein System zur Unterstützung dieser Kinder. Das berichtete die NHK.

Region Tohoku weist mehr als 123.000 Evakuierte auf

Fast sechs Jahre nach dem Tohoku-Großbeben, dem damit verbundenen Tsunami und Japans größter Katastrophe an einem Kernkraftwerk ist die Zahl der Evakuierten in der Region immer noch hoch.

Fischersfrauen am 15. März 2011 an der Tohoku-Küste (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Fischersfrauen am 15. März 2011 an der Tohoku-Küste (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Zahlen der Behörde für Wiederaufbau sprechen von mehr als 123.000 Personen, die immer noch den Status als Evakuierte haben. Das ist zwar ein Rückgang von 30 Prozent zum Vorjahr, jedoch keineswegs optimal.

So wurden von der Regierung mehr als 3.500 „Todesfälle mit Katastrophenbezug“ anerkannt, bei denen Erschöpfung und der Stress durch die Evakuierung zum Tod der Personen führten. Insgesamt 96 Prozent starben innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren.

Über die offiziellen Zahlen berichtete die NHK.

Über 35.000 Evakuierte der Region leben noch in Übergangshäusern

Auch wenn statistisch die Zahlen der Evakuierten aus den Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi seit Januar 2012 deutlich zurückging und nur noch 17.592 Haushalte als evakuiert gelten, ist die Zahl der Personen in Übergangshaussiedlungen immer noch hoch.

Blick in ein Übergangshaus (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Blick in ein Übergangshaus (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Mit Stand von Januar 2017 leben immer noch 35.503 Personen aus diesen drei Präfekturen in Wohnkomplexen aus Überganghäusern, da sie sich kein neues Standbein aufbauen konnten.

Auch das Problem, neues Bauland in sicherer Höhe aufzuschütten und Schwierigkeiten beim Bau von Sozialwohnungen behindern den Umzug in ein anderes Leben, jenseits der Übergangshäuser. Das berichtete die jiji.

Da es sich vielfach um Senioren handelt und das soziale Gefüge der einstigen Gemeinschaften vielfach durch die zahlreichen Todesopfer und die verstreute Evakuierung zerstört wurde, besteht weiterhin das Risiko der „einsamen Tode“.

Als solche werden Todesfälle  bezeichnet, bei denen alleinstehende Personen meist fortgeschrittenen Alters, von den Nachbarn unbemerkt sterben, etwa an bereits vorhandenen Erkrankungen.

Verschiedene Maßnahmen, wie etwa Besuche durch Sozialarbeiter und freiwillige Helfer, sowie das tägliche Anbringen und Einholen von Fähnchen an den Gebäuden, sollen die Zahl dieser tragischen Sterbefälle verringern. Über die aktuelle Zahl berichtete die jiji.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here