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Fukushima aktuell: Bekämpfung steigender Strahlung auf AKW-Gelände gefordert

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Artikelbild - AKW Fukushima: Strahlungskontrolle an einem Fahrzeug im Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Strahlungskontrolle an einem Fahrzeug im Oktober 2011 (Foto: TEPCO)

Nachdem das steigende Strahlungsniveau bereits in den Ausläufern des Kernkraftwerks gemessen wurde, werden nun Maßnahmen zur Bekämpfung gefordert. Dieses Thema ist für die Präfektur Fukushima heute ebenso von Interesse, wie das Anliegen der Regierung, dort AKW-Grundwasser verklappen zu wollen.

Mehr Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. Februar 2014.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • TEPCO muss steigende Strahlungswerte auf Gelände bekämpfen
  • Regierung will Einverständnis zur Verklappung von AKW-Grundwasser
  • TEPCO legt Fukushima-Reaktoren 5 und 6 still
  • Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter
  • NRA legt Strahlungsmessung in neuen Evakuierungsrichtlinien fest

TEPCO muss steigende Strahlungswerte auf Gelände bekämpfen: Die Atomaufsichtsbehörde NRA drängte den Kraftwerksbetreiber TEPCO auf einem Treffen am Freitag dazu, das Strahlungsniveau auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi zu senken. Gegenwärtig wird der jährlich zulässige Grenzwert stellenweise um das achtfache überschritten.

Ursache für den Anstieg ist der Aufbau von Lagertanks, in denen sich radioaktives Wasser befindet. Durch die Verbindung von radioaktivem Material das Betastrahlung aussendet, mit dem Metall der Stahltanks entsteht Röntgenstrahlung.

Diese so genannte Bremsstrahlung ist ungleich gefährlicher als Betastrahlung, die sich bereits durch geeignete Schutzkleidung abschirmen lässt.

Fukushima-Wassertanks bleiben Thema für Diskussionen (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Bekämpfung von steigender Strahlung der Lagertankbereiche erforderlich (Symbolfoto: TEPCO)

Aufgrund des Umstands, dass die Behälter an den Grenzen des Kraftwerksgeländes stehen, wird bereits ein Anstieg der Umgebungsradioaktivität außerhalb des Kernkraftwerks festgestellt (Spreadnews berichtete am 10. Januar 2014).

Nach Auffassung der Behörden ist die Senkung des Strahlungsniveaus erforderlich, um sowohl die Beschäftigten, als auch die Umwelt, die an das Kraftwerk  angrenzt, zu schützen. Die Atomaufsicht verlangt daher eine Reduzierung unterhalb des Jahresgrenzwerts von einem Millisievert bis März 2016.

TEPCO geht aufgrund der Entwicklungen davon aus, dass 90 Prozent des Strahlungsanstiegs in den betroffenen Bereichen auf die Lagertanks zurückzuführen ist. Daher sieht das Unternehmen die Dekontamination der Tankinhalte als wichtigste Gegenmaßnahme an.

Experten bezweifeln jedoch, dass der Zeitplan auf diese Weise eingehalten werden kann und fordern neben der Dekontamination des Wassers auch die Verlegung kontaminierter Trümmer in andere Bereiche. Auch müsse die Radioaktivität des Wassers bereits vor Abfüllung in die Behälter hinreichend gesenkt werden. Dies berichtet die NHK.

Regierung will Einverständnis zur Verklappung von AKW-Grundwasser: Am heutigen Montag begann die Regierung in Tokyo damit, bei dem Nationalen Verband der Fischereikooperativen, um Einverständis für die Verklappung von Grundwasser des AKW Fukushima Daiichi in das Meer zu werben.

Vertreter des Industrieministeriums  erklärten gegenüber der Verbandsführung, man werde strenge Maßstäbe anlegen und nur Wasser in den Pazifik verklappen, dessen Konzentration unterhalb des rechtlichen Grenzwerts liegt. Auch würden die Pumpvorgänge überwacht und in festgelegter Weise stattfinden, um Risiken auszuschließen.

Geht es nach dem Willen der Regierung, so wird das Grundwasser hochgepumpt, bevor es durch das stark radioaktive Wasser aus den Untergeschossen der Gebäude kontaminiert wird und stattdessen in das Meer eingeleitet. Das berichtet die Kyodo.

Die Fischereikooperativen sind bislang gegen eine derartige Maßnahme, da sie eine Schädigung ihres Geschäftes fürchten. Grund hierfür ist das Misstrauen der Verbraucher, das bei der Durchführung der Verklappung steigen und zu Umsatzeinbußen führen könnten.

Die Fischerei in der Präfektur Fukushima ist seit den Kernschmelzen an drei Reaktoren im März 2011 immer wieder von Einschränkungen und Rückschlägen betroffen.

TEPCO legt Fukushima-Reaktoren 5 und 6 still: Kraftwerksbetreiber TEPCO erklärte am vergangenen Freitag, man habe die Reaktoren 5 und 6 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi offiziell stillgelegt. Beide Reaktoren waren aufgrund von Wartungsarbeiten zum Zeitpunkt des Tohoku-Erdbebens 2011 nicht aktiv, so dass sich dort keine Kernschmelzen ereigneten.

Der Fukushima-Reaktor 5 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)
Der Fukushima-Reaktor 5 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)

Das Schicksal der beiden Reaktoren war lange Zeit unklar, bereits im März 2011 als auch später waren Neustarts erwogen worden.

Premierminister Shinzo Abe hatte später einen Neustart beider Anlagen als schwierig bezeichnet und um die Stilllegung gebeten (Spreadnews berichtete am 1. April 2013).

Nachdem bereits im April 2012 die Reaktoren 1 bis 3 offiziell stillgelegt wurden und die Arbeiten zur Stilllegung laufen, folgen somit auch die beiden letzten Reaktoren der Anlage diesem Schicksal.

Nach der Entscheidung im Dezember 2013 wurde Industrieminister Toshimitsu Motegi über den Schritt unterrichtet.

Künftig will sich das Unternehmen der Bekämpfung des radioaktiven Wassers auf der Anlage widmen. Die Reaktoren 5 und 6 werden auch in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen, da sie als Forschungseinrichtungen zur Entwicklung von Dekontaminationstechnologien genutzt werden sollen. Das berichtete die NHK.

Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter: Am Samstag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für den November 2013.

Fukushima-Arbeitsroutine: Kontrolle der Dosimeter (Video: TEPCO)
Fukushima-Arbeitsroutine: Kontrolle der Dosimeter (Video: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO  waren im Dezember 2013 insgesamt 475 Arbeitskräfte für das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi neu eingestellt worden.

Die maximale Strahlungsbelastung lag bei 12,61 Millisievert. Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden keine signifikanten Werte festgestellt.

Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten mit Stand von Ende Januar befassen wird, soll gegen Ende Februar eingereicht werden.

NRA legt Strahlungsmessung in neuen Evakuierungsrichtlinien fest: Am Wochenende stellte die japanische Atomaufsichtsbehörde neue Richtlinien vor,  in denen die Handhabung der Daten von Strahlungsmessposten für die Evakuierung von Anwohnern geregelt wird.

So sollen die örtlichen Behörden in Gebieten um das Kernkraftwerk mindestens einen Messposten zur Erfassung von Strahlungshöhe und der Dichte an radioaktivem Material in der Umgebungsluft messen. Auch müssen die Gemeinden an diesen Messposten auch Notstromgeneratoren verfügbar haben.

Bei der letzteren Regelung handelt es sich um eine Lektion aus der Fukushima-Katastrophe. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren aufgrund eines Stromausfalls keine Daten der Messposten mehr verfügbar. Von eigener Seite will die Regierung in den betroffenen Gebieten dann Notfallzentren einrichten, in denen die Daten ausgewertet und über Art und Umfang der Evakuierung entschieden wird.

Doch auch wenn diese Maßnahmen die Strahlung innerhalb der 30-Kilometer-Zone ermitteln sollen und Anwohner in einem Umkreis von fünf Kilometern ohne weitere Vorbedingungen umgehend evakuiert werden müssen, sehen Experten auch Mängel, die sich bei der Umsetzung der Regelung ergeben werden.

So sei die gegenwärtig vorhandene Zahl an Messposten innerhalb der Zone unzureichend und bislang ungeklärt, welches Personal die Messungen in Bereichen vornehmen wird, in denen bislang keine derartigen Vorrichtungen existieren. Das berichtete die NHK.

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