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Fukushima aktuell: Beratungshotlines melden erhöhte Suizidtendenz

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Artikelbild - Öffentliches Telefon in Japan (Foto: taisyo, cc-by)
Öffentliches Telefon in Japan (Foto: taisyo, cc-by)

Für viele Menschen sind die Folgen der Naturkatastrophen vom März 2011 und die Krise am AKW Fukushima, heute immer noch von entscheidender Bedeutung für ihr Leben – und den zunehmenden Wunsch, dieses zu beenden. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 10. September 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Zunehmende Suizidfragen bei Beratungstelefon für Tohoku-Opfer
  • Schulbetrieb  immer noch durch Übergangshäuser eingeschränkt
  • Erstes AKW besteht verschärfte Sicherheitsprüfung

Zunehmende Suizidfragen bei Beratungstelefon für Tohoku-Opfer: Nachdem die Bewohner der Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi durch das Tohoku-Erdbeben, den Tsunami und die AKW-Katastrophe extremen psychischen Belastungen ausgesetzt waren, wurde ein kostenloses Notfalltelefon eingerichtet, an das sich Betroffene rund um die Uhr wenden können.

Japanisches Telefon (Foto: pd)
Japanisches Telefon (Foto: pd)

Jetzt meldet die Beratungshotline eine zunehmende Zahl von Fragen mit Suizid-Bezug. Das geht aus Zahlen des Fiskaljahrs 2013 hervor. Von insgesamt 561.656 telefonischen Beratungen wurden in 154.792 Selbsttötungsabsichten geäußert. Das entspricht 28 Prozent der Gesamtanrufe. Das ist das 2,5 fache der Beratungshotlines und Seelsorgeangeboten in anderen Teilen Japans. Vergleichszahlen für die gesamte Tohoku-Region aus dem Jahr 2012 existieren nicht.

Bereits im Juni 2014 war von einer Telefonberatung in der Präfektur Fukushima für das Jahr 2013 eine Rekordzahl von 18.194 Anrufen gemeldet worden.

Sowohl bei der Tohoku-Beratungshotline, als auch den Angeboten in 44 Präfekturen, geht der Beratung eine Eingangsfrage nach dem Thema – „Allgemeiner Rat“, „Suizidprävention“ oder „Frauenprobleme“ – voraus. Im Fall der Tohoku-Hotline wurde in 11.759 Fällen ein Gespräch mit Suizidbezug geführt. Aufgrund des Personalmangels können nicht alle Anrufe beantwortet werden.

Alleine im November vergangenen Jahres nannten 67 Prozent der Ratsuchenden des Tohoku-Angebots psychologische Gründe als Grund für Suizidpläne. Weitere 31 Prozent nannten Trennungen, Scheidungen und erneute Heiraten als Gründe. In 21 Prozent der Fälle wurden Todesfälle oder Trennung von der Familie als Suizidgrund genannt.

Somit sind in der Präfektur Fukushima und den Nachbarpräfekturen Iwate und Miyagi auch lange nach dem Ausbruch der Katastrophen die Folgen der Evakuierung mit Motiven wie sozialer Isolation und Zukunftsängste vorherrschend. Über diese Zahlen berichteten die Kyodo, sowie Präfekturmedien.

Schulbetrieb  immer noch durch Übergangshäuser eingeschränkt: Auch dreieinhalb Jahre nach dem Tohoku-Großbeben, dem Tsunami und dem Beginn der Fukushima-Katastrophe, beeinträchtigt die Unterbringung von Flüchtlingen in Übergangshäusern den Alltag von Schülern.

Auf dem Gelände von 61 Schulen in den Katastrophenpräfekturen Iwate und Miyagi, wurden als Folge der Naturkatastrophen 4.224 Übergangshäuser eingerichtet. Bislang sind lediglich 28 dieser Wohneinheiten geräumt. Dies entspricht gerade einmal 0,6 Prozent. Die Zahl der Wohneinheiten pro Schule schwankt zwischen sieben und 192.

Übergangshaussiedlung (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Eine Übergangshaussiedlung in Onagawa (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Dies stellt nicht nur eine langfristige Zweckentfremdung der schulischen Anlagen dar – schränken die Gebäude doch die Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten der Schüler ein, so dass chronischer Bewegungsmangel dieser Schulkinder gefürchtet wird. Ein Rückgang sportlicher Aktivitäten werde bereits nachgewiesen.

Exemplarisch ist etwa die Situation der  Yahagi Grundschule in Rikuzentakata (Präf. Iwate). Mit 40 Übergangshäusern ist das gesamte Schulgelände mit Ausnahme eines 70 Meter langen und fünf Meter breiten Streifens belegt. Über die schulische Situation durch Übergangshäuser berichtete die Mainichi Shimbun.

Erstes AKW besteht verschärfte Sicherheitsprüfung: Bereits zu Beginn der Woche berichteten wir, dass ein positiver Abschluss eines AKW-Sicherheitstests erwartet wurde. Jetzt wurde offiziell bekannt gegeben, dass das AKW Sendai (Präf. Kagoshima) auch den verschärften Sicherheitsbestimmungen der Atomaufsichtsbehörde NRA entspricht.

Doch auch wenn die Anlage des Betreibers Kyushu Electric damit das erste Kernkraftwerk ist, dass den neuen Bestimmungen entspricht und damit die Grundlagen für einen möglichen Neustart durch ein Wiederhochfahren der Reaktoren gegeben ist, wird nicht mit einer baldigen Umsetzung gerechnet.

Da die Einreichung von Bauplänen, Sicherheitsbestimmungen und Notfallrichtlinien erst Ende September und daher mit viermonatiger Verspätung erfolgt und zudem eine Überprüfung des technischen Equipments ansteht, sei nicht vor kommendem Jahr mit einem Neustart zu rechnen. Optimistischere Schätzungen gehen dagegen noch vom Dezember diesen Jahres aus.

Erschwerend für Neustarts kommen die Einwände von Vulkanologen hinzu, die unzureichende Maßnahmen bemängeln und so zu weiteren Expertenbefragungen führten, die Kyushu Electric sogar zur Anpassung bereits getroffener Maßnahmen veranlassen könnten.

Auch wenn sowohl die Präfekturverwaltung Kagoshima und die Gemeindeverwaltung Satsuma-Sendai eine grundsätzliche Bereitschaft zur Wiederaufnahme des Kraftwerksbetriebs signalisiert haben, steht die offizielle Anerkennung der Neustartpläne durch diese Behörden noch aus.

In der Bevölkerung bestehen insbesondere aufgrund von Bedenken über die Evakuierungspläne von Präfektur und Gemeinden weiterhin Vorbehalte, wie auch aus den einmonatigen Befragungen hervorgeht, deren Inhalte bereits in die neuen Bestimmungen einflossen und neue sicherheitsrelevante Punkte beitrugen. Über die erfolgreiche Absolvierung der Sicherheitsprüfung berichteten praktisch alle japanische Medien, darunter Kyodo, Asahi Shimbun, jiji und NHK.

Gegenwärtig sind landesweit alle 48 Reaktoren heruntergefahren, die Zahl der Anlagen für die eine Sicherheitsprüfung beantragt wird, dürfte mit der zunehmenden Durchführung von Anpassungsarbeiten an den Kraftwerken jedoch weiter steigen.

Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga erklärte bereits, die Regierung werde dem Betreiber des AKW Sendai bei Neustartbestrebungen helfen und auch beim regionalen Katastrophenschutzplan entsprechend Unterstützung leisten.

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