Fukushima aktuell: Bergung kontaminierter Abfallsäcke lokal eingestellt

Fukushima aktuell: Bergung kontaminierter Abfallsäcke lokal eingestellt

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Artikelbild - Abukumagawa, Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Der Abukuma-Fluss (Symbolfoto: pd)

Die Regierung verspricht, kontaminierte Abfälle künftig besser zu sichern, erklärt jedoch auch, die Bergung lokal einstellen zu wollen.

Während diese Fukushima News seltsam anmuten mögen, so dürfte die Kenntnis und gleichzeitige Ausblendung von Risiken vor der Katastrophe von Fukushima, heute eigentlich niemanden mehr verblüffen. Die Details nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. September 2015.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Bergung der weggeschwemmten Abfallsäcke in Iitate eingestellt
  • Japan will Dekontaminationsabfälle besser sichern
  • TEPCO war Risiko eines Riesentsunami seit zwei Jahren bekannt

Bergung der weggeschwemmten Abfallsäcke in Iitate eingestellt: Wie das Umweltministerium am gestrigen Donnerstag mitteilte, wurde die Suche nach weiterhin vermissten 36 Abfallsäcken in Iitate aufgrund der schwierigen Fundstelle abgebrochen.

Man habe 439 Plastiksäcke lokalisieren und 398 bergen können. In 255 Fällen seien die Kunstoffhüllen beschädigt, oder leer gewesen. Während man hofft, fünf weitere Säcke bergen zu können, gelten die 36 Säcke wegen ihrer Lage nur noch als schwer zu bergen.

Man werde jedoch die Messwerte am Unterlauf des Flusses kontrollieren, um die tatsächliche Auswirkung beurteilen zu können.

Der Bürgermeister von Iitate kritisierte die Entscheidung und wies auf die Ängste der Bevölkerung am unteren Flusslauf hin, die hierdurch zunehmen würden. Das berichten Präfekturmedien.

Bei der Suche nach den Säcken waren bereits Arbeiter bei Bergungsversuchen im schwierigen Gelände stecken geblieben und galten zeitweise als vermisst.

Japan will Dekontaminationsabfälle besser sichern:  Nachdem schwere Regenfälle alleine in Iitate (Präf. Fukushima) 439 Plastiksäcke mit Dekontaminationbsabfällen fortgespült hatten, versprach die Regierung nun Besserung.

Auf dem Treffen mit einem Expertenausschuss am gestrigen Donnerstag erklärte das Umweltministerium, man habe fast 400 Säcke bergen können, die meisten seien jedoch bereits leer gewesen.

Nun werde man die verbliebenen Abfälle an höher gelegenen Standorten lagern, oder sie durch Seile sichern, um ähnliche Zwischenfälle künftig zu verhindern. Zudem sollen sowohl die Standorte der temporären Lagerstätten, als auch die Menge der dort vorübergehend gelagerten Säcke registriert werden.

Die Experten drängten die Vertreter des Umweltministeriums dazu, die Einwohner der Gebiete über den Grad der radioaktiven Kontamination in den Flüssen zu informieren. Die Regierungsvertreter stimmten diesem Anliegen zu und erklärten, Strahlungskontrollen und die Information der Öffentlichkeit würden durchgeführt.

Zusätzlich fordern die Experten, die Arbeiten an den festen Zwischenlagern müsse beschleunigt werden. Über die aktuellen Pläne des Umweltministeriums berichtete die NHK.

Bislang werden radioaktives Erdreich, Laub und andere Abfälle, die bei der Dekontamination von Gebieten anfallen, behelfsmäßig auf Sportplätzen, in öffentlichen Parks, auf Schulhöfen und Parkplätzen gesammelt.

Die Anzahl der Säcke mit Dekontaminationsabfällen, die beim Unwetter am 11. September in die Flüsse gespült worden war, musste im Laufe der Bergungsarbeiten weiter erhöht werden.

TEPCO war Risiko eines Riesentsunami seit zwei Jahren bekannt: Dem Kraftwerksbetreiber TEPCO waren die Risiken eines besonders schweren Tsunami am AKW Fukushima bereits zwei Jahre vor der Kraftwerkskatastrophe 2011 bekannt.

Das geht aus Vernehmungsprotokollen von fünf Personen hervor, die vor dem Untersuchungsausschuss zur Fukushima-Katastrophe ausgesagt hatten.

Die japanische Regierung gab die betreffenden Dokumente am gestrigen Donnerstag frei. Zu den Personen gehört auch ein früherer Inspekteur der damaligen Atomaufsichtsbehörde NISA.

Es ist das erste Mal, dass die Ergebnisse hinter verschlossenen Türen erfolgte Korrespondenz zwischen TEPCO und NISA zur Tsunami-Einschätzung veröffentlicht wird.

Im September 2009 habe ein TEPCO-Mitarbeiter auf Basis von Erdbebendaten aus dem 9. Jahrhundert eine mögliche Tsunami-Höhe von bis zu acht Metern ermittelt und diese Einschätzung der NISA mitgeteilt.

Daraufhin habe er dem Kraftwerksbetreiber dazu geraten, die Notfallpumpen für die Reaktoren in das Innere von Gebäuden zu verlegen, wie dies am AKW Fukushima Daini (Fukushima 2) der Fall war.

Dort war es im Zuge des Tohoku-Großbebens und Tsunami zwar ebenfalls zu einem zeitweisen Ausfall der Kühlung gekommen, die Reaktorkühlungen konnten jedoch vor Einsetzen einer Kernschmelze wieder in Betrieb genommen werden.

Den veröffentlichten Dokumenten zufolge habe ein TEPCO-Verantwortlicher erklärt, diese Entscheidung könne erst nach Rücksprache mit der japanischen Gesellschaft der Bauingenieure getroffen werden.

Ein anderer Mitarbeiter stellte den gesamten Plan in Frage und bezweifelte, dass es tatsächlich möglich wäre, die Reaktoren zu diesem Zweck zu stoppen.

Der Inspektor der NISA gab in seiner Aussage zu Protokoll, seinerseits habe er den Plan nicht weiter verfolgt, oder Gelder hierfür eingeplant.

Der Untersuchungsausschuss zur AKW-Katastrophe kommt in dem Dokument zu dem Schluss, dass die NISA das Betreiberunternehmen nicht zu konkreten Schritten veranlasst habe.

Dort sei man offenbar zu dem Schluss gelangt, da kein weiterer Druck durch die Behörde erfolgte, teile man die Einschätzung, es sei ausreichend zu warten, bis Experten sich zu Wort melden. Über diese Bekanntgabe berichteten neben der NHK auch Präfekturmedien.

1 KOMMENTAR

  1. Next Monday is Fukushima Day in Berlin / Fukushima in Berlin!

    Montag 28.09. um 18.00 Uhr ist Fukushima-Tag beim Uranium Film Festival in Berlin. Zwei Filme zu Fukushima in deutsch bzw. erstmals mit deutschen Untertiteln. „Fukushima – Japans Kampf gegen die Radioaktivität“ und „Alone in The Zone / Allein in der Zone“. Ort: Berlin-Weissensee (Pankow), Kino Brotfabrik.

    Schon um 16 Uhr gibt es zwei Filme zur radioaktiven Verseuchung in Kasachstan und im Ural. In Englisch bzw. mit englischen Untertiteln.

    http://uraniumfilmfestival.org/de/festivalprogramm-berlin-2015

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