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Fukushima aktuell: Bericht belegt unterschätzte Strahlungsbelastung von AKW-Arbeitern

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Artikelbild - Training zur Strahlungskontrolle am 6. August 2011 (Foto: TEPCO)
KW Fukushima: Übung der Strahlungsmessung am 6. August 2011 (Foto: TEPCO)

Ein von Atomkraftgegnern kritisierter Bericht belegt die Strahlungsunterschätzung durch TEPCO. Doch ist der Betreiber des AKW in Fukushima heute nicht der einzige Kraftwerksbetreiber, dem weiteres Ungemach droht. Daher gibt es heute deutlich mehr, als nur die Fukushima News, im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. April. 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • UNSCEAR-Bericht legt weitere Strahlungsunterschätzung nahe
  • Verfügung gegen AKW-Neubau mit MOX-Elementen eingereicht
  • Keine Schäden durch Chile-Tsunami
  • Untersuchungen am AKW Sendai

UNSCEAR-Bericht legt weitere Strahlungsunterschätzung nahe: Der gestern vorgelegte Bericht eines UN-Ausschusses zur Untersuchung der Auswirkungen atomarer Strahlung (UNSCEAR) legt nahe, das der Kraftwerksbetreiber die Strahlungsbelastung weiter unterschätzte, als bislang angenommen.

Obwohl die Daten zur Strahlungsbelastung von etwa 4.000 TEPCO-Angestellten und 21.000 Arbeitern von Subunternehmen, die bis Oktober 2012 beschäftigt waren, sowie weitere Daten lediglich von TEPCO und der japanischen Regierung zur Verfügung gestellt wurden und Kritiker deren Neutralität anzweifeln, kommt die UNSCEAR zu anderen Schlüssen als beide Instanzen.

Während ein Vergleich der von TEPCO gemachten Angaben zu deren Angestellten und der Einschätzung internationaler Experten eine ausreichende Übereinstimmung feststellte, gehen die von TEPCO gemachten Angaben und die Beurteilung der UNSCEAR an anderer Stelle deutlich auseinander.

Nach Ansicht der UN-Experten hat TEPCO bei Subunternehmen niedrigere interne Strahlungsbelastungen vorgelegt, als die jetzigen Einschätzung vermuten lassen.

Bei den Schilddrüsenwerten der Mitarbeiter von Partnerunternehmen, entsprach die UNSCEAR-Beurteilung in mehreren Fällen mehr als dem Doppelten, der von TEPCO vorgelegten Berichte. Außerdem sei die Möglichkeit, Kraftwerksarbeiter könnten kurzlebigeren Jod-Isotopen aus Jod-131 ausgesetzt gewesen sein, nicht von TEPCO berücksichtigt worden.

Die UNSCEAR-Experten kommen somit zu dem Schluss, dass die tatsächliche interne Belastung bis zu 20 Prozent unterschätzt worden sein könnte. Über diese Entdeckung berichtete die Asahi Shimbun.

Es ist nicht das erste Mal, dass die UNSCEAR die Einschätzungen des Kraftwerksbetreibers anzweifelt. Auf Anordnung der Regierung hatte TEPCO seine Einschätzungen bis Juli 2013 überarbeitet.

Dabei mussten die Strahlungswerte von etwa  500 Arbeitern nach oben korrigiert werden. Im März 2014 wurden Werte von 140 weiteren Arbeitern korrigiert

Verfügung gegen AKW-Neubau mit MOX-Elementen  eingereicht: Die Stadt Hakodate (Präf. Hokkaido), hat am heutigen Donnerstag beim Bezirksgericht Tokyo, eine gerichtliche Verfügung gegen den Staat und die J-Power beantragt, durch die der Bau eines Kernkraftwerks gestoppt werden soll.

Stadt Hakodate (Foto: pd)
Stadt Hakodate wehrt sich gegen MOX-AKW (Symbolfoto: pd)

Die Stadt wehrt sich damit gegen die Arbeiten am AKW Oma, das sich etwa 23 Kilometer von Hakodate befindet und mit so genannten MOX-Brennelementen, die auf der Grundlage einer Mischung von Uranoxid mit Plutonium- oder Thoriumoxid bestehen, zur Energiegewinnung eingesetzt werden soll.

Es handelt sich um den ersten Fall, in dem eine Lokalververwaltung juristisch einen Baustopp fordert. Die Arbeiten an der Anlage waren nach der Fukushima-Katastrophe im März 2011 zunächst eingestellt, jedoch im Oktober 2012 wieder aufgenommen worden.

Die Stadtverwaltung Hakodate fordert, nach dem Baustopp eine mögliche Weiterführung der Arbeiten von der Zustimmung der Stadt abhängig zu machen. Die Verwaltung von Hakodate argumentiert, die Anlage entspreche nicht den verschärften Sicherheitsbedingungen und ein schwerer Störfall könne praktisch die ganze Stadt zum Stillstand bringen.

J-Power bedauert nach eigenen Angaben zwar die Klagebestrebungen der Verwaltung, erklärte jedoch gleichzeitig, sich nicht zu den Forderungen zu äußern, so lange das Schreiben dem Unternehmen nicht vorliegt. Über die Pläne berichteten unter anderem Kyodo und NHK.

Warnung nach Chile-Tsunami aufgehoben: Nachdem am 1. April ein Erdbeben der Stärke 8,2 einen Tsunami ausgelöst hatte, benötigte dieser etwa 18 Stunden, um über den Pazifik zu gelangen, so dass die japanische Wetterbehörde erst am 3. April um 3:00 Uhr Ortszeit die Tsunamiwarnung für Küstenregionen des Pazifik ausgab.

Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Keine Schäden durch Chile-Tsunami (Symbolfoto: TEPCO)

Die schließlich auftreffenden Wellen erreichten in Kuji (Präf. Iwate) kurz nach 12:20 Uhr eine Höhe von 60 Zentimetern. In allen anderen Küstenbereichen fiel die Welle niedriger aus, so dass etwa in Nemuro (Präf. Hokkaido)  nur noch 10 Zentimeter gemessen wurden.

Doch die Evakuierungsempfehlung für etwa 30.000 Einwohner der Küstenregion, darunter auch die Ortschaften Rikuzentakata und Kamaishi, die vom mehrere Meter hohen Tohoku-Tsunami 2011 getroffen worden waren, erinnerte nicht nur an die jüngste Katastrophe. Im Mai 1960 hatte ein Chile-Tsunami zu 142 Todesopfern geführt.

An keinem der japanischen Atomkraftwerke der Pazifikküste wurden Auffälligkeiten gemeldet (Stand 5:00 Uhr Ortszeit). Um 18:00 Uhr hoben die Behörden die Tsunamiwarnung auf. Über den kleinen Tsunami an Japans Pazifikküste berichteten praktisch alle Medien, darunter Kyodo, jiji, Yomiuri Shimbun und NHK.

Auf der bereits im Oktober 2013 vom Taifun Wipha getroffene Inselkette Izu-Oshima, gab es dagegen eine Evakuierungsempfehlung für 184 Haushalte der Ortschaft Oshima und für weitere 26 Haushalte eine Evakuierungsaufforderung – allerdings aufgrund starker Regenfälle und nicht wegen des Tsunami.

Untersuchungen am AKW Sendai: Am heutigen Donnerstag, begannen 15 Mitarbeit der japanischen Atomaufsichtsbehörde NRA, mit einer Inspektion des AKW Sendai (Präf. Kagoshima). Das von Kyushu Electric betriebene Kraftwerk gilt als die erste Anlage, die vermutlich den schärferen Sicherheitsvorgaben entsprechen wird.

Ziel der jetzigen Untersuchung ist die Eigenschaft der Anlage, schweren Erdbeben und Tsunami standhalten zu können. Daher war die Inspektion von seismischen Verwerfungen, die unter dem Gelände verlaufen, einer der ersten Kontrollen, gefolgt vom Umfang der maximalen Meerwassereinspeisung zur Notkühlung bei niedrigem Wasserstand.

Die Anlage gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für einen Neustart der Reaktoren – ihre Sicherheitskontrolle wurde den Prüfungen anderer Anlagen vorgezogen, da der Betreiber eine erhöhte Risikoeinschätzung eines Tsunami mit sieben Metern Höhe, statt eines 5,2 Meter hohen Tsunami einräumte.

Zu den Sicherheitsmaßnahmen gehört daher auch der Bau eines 15 Meter hohen Tsunami-Schutzdamms. Die NRA-Experten kamen zu dem Schluss, dass die Anlage keine Probleme aufweise, die eine Änderung der bisherigen Berichte erforderlich mache.

Doch neben dem Ergebnisbericht der jetzigen Untersuchung, wird der Neustart von Reaktoren sowohl von weiteren Tests, als auch dem benötigtne Einverständnis der Anwohner abhängen. Über die Kontrolle berichteten jiji und NHK.

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