Fukushima aktuell: Betonierung von gefluteten Tunneln weist Mängel auf

Fukushima aktuell: Betonierung von gefluteten Tunneln weist Mängel auf

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Artikelbild - Versuche mit Spezialbeton (Video: TEPCO)
Bekämpfung von radioaktivem Wasser mit Spezialbeton offenbar erfolgreich. (Video: TEPCO)

Auch kurz vor Neujahr gibt es vom AKW Fukushima heute interessante Meldungen. Dabei geht es sowohl um das drohende Scheitern eines Prestigeprojekts, als auch um die Kraftwerksarbeiter. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Dezember 2014.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Betonierung von gefluteten Tunneln weist Mängel auf
  • Neujahrsurlaub für Fukushima-Kraftwerksarbeiter
  • Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter
  • Keine Anklage gegen frühere TEPCO-Führung erwartet
  • Entsorgung aller Bolzentanks für Anfang 2015 geplant
  • Zahl der Todesfälle mit Katastrophenbezug
  • Evakuierungswarnungen für Minamisoma aufgehoben
  • Neue Verklappung zu Wochenbeginn

Betonierung von gefluteten Tunneln weist Mängel auf: Am vergangenen Freitag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO einen Bericht über die Fortschritte bei der Eindämmung von stark radioaktivem Wasser in unterirdischen Tunneln des Kraftwerksgeländes, an die Atomaufsichtsbehörde NRA.

In dem Bericht heißt es, die U-förmig verlaufenden Tunnel wären, mit Ausnahme von vier vertikale Schächten, die eine Verbindung zur Erdoberfläche darstellen, gänzlich mit dem Spezialzement aufgefüllt und 2.500 Tonnen radioaktives Wasser abgepumpt worden.

Die Betonierung der Tunnel begann im November und die Verbindung eines Spezialbetons, der sich auch unter Wasser ausbringen lässt. Mit den Pumparbeiten galten nach dem Scheitern der Tunnelvereisung im August, als aussichtsreichste Methode zur Bekämpfung der radioaktiven Abwässer.

Doch der Bericht gibt Hinweise auf neue Probleme.

Bei Pumparbeiten an einem der Bohrschächte, sei es zu Wasserstandsänderung an einem weiteren vertikalen Schacht gekommen. Da aufgrund der Betonierung eigentlich kein Wasserfluss vorhanden sein dürfte, lässt das Auftreten dieser Schwankungen auf Risse, Spalten, oder andere Öffnungen in den aufgefüllten Tunneln schließen.

Dennoch gibt TEPCO nicht auf und will zunächst einen Monat lang die Wasserstandsänderungen beobachten, versuchen mögliche Öffnungen auszumachen und an einer Verbesserung der Barrierewirkung arbeiten.

Derzeit geht man beim Unternehmen noch davon aus, dass man den Einfluss von weiterem Wasser in die Tunnel vollständig unterbinden kann, sobald die vier vertikalen Öffnungen ebenfalls aufgefüllt sind. Über die möglichen Probleme berichtete die NHK.

Neujahrsurlaub für Fukushima-Kraftwerksarbeiter: Für einen Großteil der Beschäftigten am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, begann am vergangenen Freitag der Neujahrsurlaub. Lediglich eine kleinere Gruppe Angestellter bleibt aus Sicherheitsgründen zurück.

Kurz vor Neujahr finden in Japan zahlreiche bonenkai (Jahresendfeiern) statt, zu denen die Belegschaften von Unternehmen und private Freundeskreise in lockerer Atmosphäre große Trinkgelage ausrichten. Da man praktisch immer zu mehreren bonenkai geht (Arbeitskollegen, Geschäftspartner,  Komillitonen, Freunde) ist der legendäre futsukayoi (Kater) danach vorprogrammiert.

Am Samstag setzte in Japan dann landesweit die Schwemme der Neujahrsurlauber ein, so dass Inlandsflüge praktisch ausgebucht waren und auch auf den Bahnhöfen hat die Zahl der Fahrgäste stark zugenommen.

Am Wochenende gab es allerdings keine Informationen von TEPCO darüber, ob ein Schichtdienst an der Kraftwerksanlage eingerichtet wird. Offiziell sollen die Arbeiten in vollem Umfang wieder am 5. Januar 2015 anlaufen. Über den Urlaubsantritt berichteten Kyodo und Präfekturmedien.

Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter: Am Freitag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO, die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für den November 2014.

Übung zur Messung von Radioaktivität am 8. August (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Übung von Strahlungsmessungen am 6. August 2011 (Foto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO , waren im Juni 2014 insgesamt 702 Arbeitskräfte für das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi neu eingestellt worden. Die maximale Strahlungsbelastung der Angestellten lag bei 13,40 Millisievert.

Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden wie zuvor, keine signifikanten Werte festgestellt. Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten, mit Stand von Ende Dezember 2014 befassen wird, soll gegen Ende Januar 2015  eingereicht werden.

Keine Anklage gegen frühere TEPCO-Führung erwartet: Auch eine erneute Prüfung des Sachverhalts, wird vermutlich nicht zu einem Strafverfahren gegen drei ehemalige Führungsmitglieder des Kraftwerksbetreibers TEPCO führen.

Die erneute Prüfung war eingeleitet worden, nachdem Bürger eine Anklage gefordert und hierzu einen Rechtsausschuss gebildet hatten. Bei den Betroffenen handelt es sich um Tsunehisa Katsumata, den früheren Vorsitzenden von TEPCO, während der Fukushima-Krise, sowie zwei frühere Vize-Präsidenten des Unternehmens Sakae Muto und Ichiro Takekuro.

Die Forderungen nach einer Anklage beruhen auf dem Vorwurf, durch Nachlässigkeit hätten diese Personen die Todesopfer und Verletzten der Fukushima-Katastrophe mitzuverantworten. Das berichtete die Kyodo am vergangenen Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen.

Entsorgung aller Bolzentanks für Anfang 2015 geplant: Kraftwerksbetreiber TEPCO gab am Mittwoch bekannt, ab Januar kommenden Jahres die durch Bolzen zusammengehaltenen Lagertanks für kontaminierte Abwässer vollständig entfernen zu wollen.

Die Bolzentanks hatten sich in der Vergangenheit als unsicher erwiesen, war es doch zu Wasserlecks an den Behältern gekommen. Die Behälter werden seitdem durch verschweißte Stahltanks ersetzt. Für die Entfernung der alten Behälter reichte das Unternehmen einen Erlaubnisantrag bei der Atomaufsichtsbehörde NRA ein.

Bei einer Kontrolle vor Ort wurden nicht nur die entsprechenden Geräte und Arbeiten inspiziert, sondern auch die Stelle, an der jüngst Wasser der ALPS-Filteranlage an einer Leitung ausgetreten war, wurde besichtigt. Wie sich herausgestellt hatte, waren fehlerhafte Pläne die Ursache für den Austritt. Über die Pläne zur Ersetzung berichteten Präfekturmedien.

Zahl der Todesfälle mit Katastrophenbezug: Mit Stand vom Ende September liegt die Zahl jener Personen, deren Ableben als „Todesfall mit Katastrophenbezug“ anerkannt wurde, bei 3.194  Personen in 10 Präfekturen. Dies sind 105 Fälle mehr, als bei der letzten Zählung Ende März.

Nach Präfekturen aufgeteilt wurden in Fukushima 1.793 Todesfälle (eine Zunahme um 89 Personen), in der Präfektur Miyagi 900 Fällen (eine Zunahme um 11 Personen) und in der Präfektur Iwate 446 Todesfälle (eine Zunahme um fünf Personen) mit Katastrophenbezug gemeldet.

Somit entfällt die Mehrheit von  3.139 Todesfällen auf die drei „Katastrophenpräfekturen“ Fukushima, Iwate und Miyagi.  Die verbleibenden 55 Fälle verteilen sich auf Ibaraki, Chiba und Kanagwa, sowie die Präfekturen Nagano, Yamagata, Saitama und Tokyo. Über die Zahlen berichtete die Kyodo.

Evakuierungswarnungen für Minamisoma aufgehoben: Wie zuvor bereits angekündigt, hob die japanische Regierung am Sonntag alle Evakuierungswarnungen für Hotspots in der Stadt Minamisoma auf.

Präfektur Fukushima: Absperrung einer Zonengrenze (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Präfektur Fukushima: Absperrung einer Zonengrenze (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Als Begründung erklärten die Behörden, dort sei aufgrund von Dekontaminationsmaßnahmen das Strahlungsniveau unter den Wert von 20 Millisievert pro Jahr (3,8 Mikrosievert pro Stunde) gesunken. Die jährliche Strahlungsbelastung ist das entscheidene Kriterium für derartige Schritte.

Nun können offiziell zwar die Einwohner von 152 Haushalten theoretisch wieder in ihre früheren Wohnorte zurückkehren. Wie die Verantwortlichen der Stadtverwaltung jedoch mitteilten, wollen etwa 80 Prozent die Rückkehrmöglichkeit, trotz Unterstützungsmaßnahmen der Regierung, nicht nutzen.

Grund hierfür sind weiterhin anhaltende Ängste vor radioaktiver Belastung.

Den einstigen Einwohnern geht die lokale Dekontamination noch nicht weit genug und wollen, etwa aufgrund noch nicht dekontaminierter Felder in der Umgebung, nicht in ihre bereits als sicher eingestuften Häuser zurückkehren.

Nachdem in den vergangenen Jahren ähnliche Schritte für Date und Kawauchi gemacht worden waren, sind damit alle Evakuierungsregeln für Hot Spots – Bereiche erhöhter Werte im Vergleich zur Umgebungsradioaktivität – in der Präfektur Fukushima aufgehoben.

Die Entschädigungszahlungen für die psychische Belastung durch die Katastrophe in Höhe von 100.000 Yen, sollen die Einwohner auch bei einer Rückkehr noch bis zum März kommenden Jahres erhalten. Über die Entscheidung berichteten Asahi Shimbun, NHK und Präfekturmedien.

Neue Verklappung zu Wochenbeginn: Trotz des nahenden Jahreswechsels wurden am heutigen Montag eine weitere Verklappung von unbelastetem Grundwasser aus den Bergen durchgeführt. Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO mitteilte, kam es dabei zu keinerlei Störungen.

Während der Maßnahme, die zwischen 9:53 Uhr und 16:58 Uhr lief, wurde eine Gesamtmenge von 1.789 Tonnen verklappt. Hierüber berichtete das Betreiberunternehmen.

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