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Fukushima aktuell: Betonsarkophag für Reaktoren erneut im Gespräch

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Artikelbild - AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren 5 und 6 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren 5 und 6 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)

Während Zukunftspläne für das AKW Fukushima heute für eine gewisse Überraschung sorgen dürften, wird die  Medienlandschaft in Japan aktuell von Berichten erschüttert, der derzeitige Tenno Akihito (82) wolle in den nächsten Jahren zugunsten von Kronprinz Naruhito (56) abdanken.

Doch auch die Fukushima News haben heute interessante Neuigkeiten zu bieten und finden sich, wie üblich, im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Juli 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Sarkophag für Fukushima-Reaktoren wieder Option
  • Neue externe Notfallzentren für TEPCO-AKW nehmen Betrieb auf
  • TEPCO veröffentlicht Beruhigungsvideo
  • Umfrage zur Atompolitik der Präfektur
Sarkophag für Fukushima-Reaktoren wieder Option

Am heutigen Mittwoch legte eine Regierungseinrichtung, die mit der Stilllegung des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi beauftragt ist, einen Bericht zu den langfristigen Plänen vor. Dabei wurde eine umstrittene Idee wieder ins Gespräch gebracht.

Demnach sei eine Bergung der geschmolzenen Brennelemente zwar weiterhin priorisiert, jedoch eine Versiegelung der Gebäude durch einen Betonsarkophag, ähnlich wie nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986, ebenfalls eine mögliche Option.

Die Entfernung der zusammengeschmolzenen Brennelemente aus den Reaktoren werde aufgrund langfristiger Sicherheitserwägungen favorisiert, man müsse jedoch für alle möglichen Optionen offen bleiben.

Abhängig vom Zustand der Reaktoren wären zwei Bergungsmethoden denkbar. Während der erste Entwurf ohne Einsatz von Wasser auskommt, sieht der zweite die Auffüllung der Sicherheitsbehälter mit Wasser vor, um den Arbeitern einen Strahlenschutz zu bieten.

Problematisch bei diesem Ansatz ist, dass Strukturen in den Reaktoren beschädigt sind, so dass beispielsweise eingeleitetes Kühlwasser durch Risse in die Untergeschosse der Turbinengebäude gelangt und sich dort mit Grundwasser vermischt.

Eine Entscheidung, welche Methode tatsächlich bei der Bergung zum Einsatz kommen soll, ist für Mitte kommenden Jahres geplant. Sofern sich keine besonderen Umstände ergeben, hofft man, im Jahr 2021 mit der Bergung beginnen zu können.

Die Reaktionen auf diese Bekanntgabe fielen wenig enthusiastisch aus.

Katsunobu Sakurai, Bürgermeister von Minamisoma, erklärte gegenüber der Presse, die Verantwortlichen bei Regierung und TEPCO müssten ihr Versprechen zur Bergung des Materials einhalten.

Außerdem warnte er davor, den Begriff „Sarkophag“ leichtfertig zu verwenden, da er an die unzureichenden Technologien zur Reaktorstilllegung erinnere.

Sein Kollege Tamotsu Baba, Bürgermeister von Namie, sprach sich dagegen gänzlich gegen diese Option aus. An den wissenschaftlichen Forschungszentren werde an der Entwicklung von Stilllegungstechnologien gearbeitet. Ein Sarkophag sei daher eine falsche Entscheidung.

Auch Toshitsuna Watanabe, Bürgermeister von Okuma drängte darauf, das ursprüngliche Versprechen zur Beseitigung der Brennelemente und radioaktiven Abfälle einzuhalten. Über diese Pläne berichtete die NHK.

Neue externe Notfallzentren für TEPCO-AKW nehmen Betrieb auf

Am gestrigen Dienstag nahmen die beiden neuen externen Notfallzentren für die Kernkraftwerke Fukushima Daiichi und Fukushima Daini ihren Betrieb auf.

Das Gebäude für das AKW Fukushima Daiichi hat seinen neuen Standort in Minamisoma, während der zweite Außenposten in Naraha seine Arbeit aufnimmt.

Zweck der Einrichtungen ist es, bei einem Störfall als externe Zentralen die anfallenden Daten zu sammeln, Nachrichten zu übermitteln und Konferenzschaltungen zu ermöglichen, so dass beispielsweise Schutzmaßnahmen getroffen werden können.

Das zuvor genutzte Notfallzentrum in Okuma musste im Zuge der Fukushima-Krise aufgrund steigender Strahlungsbelastung und ausgefallener Kommunikationssysteme aufgegeben werden.

Bei den neuen, zweistöckigen Gebäuden wurden Lehren aus diesen Erfahrungen gezogen und besonderer Wert auf Erdbebensicherheit und Strahlenschutz gelegt. In Minamisoma werden 12 und in Naraha neun Mitarbeiter der Atomaufsichtsbehörde NRA tätig sein.

An den Eröffnungszeremonien beteiligten sich die jeweiligen Bürgermeister und die offiziellen Vertreter der Einrichtungen. Über die Eröffnung berichteten Präfekturmedien.

TEPCO veröffentlicht Beruhigungsvideo

Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte am heutigen Mittwoch ein Video, in dem das Unternehmen erklärt, weshalb eine so genannte Rekritikalität, die zu einem Wiedereinsetzen der Kernschmelze folgen würde, unwahrscheinlich ist und welche Maßnahmen getroffen wurden.

TEPCO erklärt darin beispielsweise, das bereits der Umstand, dass Brennelemente als zusammengeschmolzene Masse (Corium) in den Sicherheitsbehälter gelangten, zwei wichtige Voraussetzungen verhindere – die korrekte Position und umgebendes Wasser.

Ein neues Gerät überwache zudem die Erhöhung der Konzentration an radioaktivem Material, die in solch einem Fall auftreten würden und könnte sofort Alarm geben. Insgesamt bezeichnete TEPCO das Risiko als extrem unwahrscheinlich.

Umfrage zur Atompolitik der Präfektur

Eine mehrtägige Telefonumfrage zu wichtigen Entscheidungen der Präfektur zeigt eine starke Ablehnung der Kernkraftnutzung bei den Befragten.

Im Bezug auf das künftige Schicksal des AKW Fukushima Daini, das sich derzeit im Zustand des „Cold Shutdown“ befindet, antworteten 81,6 Prozent, sie wünschten eine Stilllegung.

In der Frage der möglichen Verklappung radioaktiver Abwässer mit Tritiumgehalt lehnten 39,2 Prozent eine solche Maßnahme gänzlich ab, lediglich 11,8 Prozent befürworteten dies und die Mehrheit von 44,9 Prozent war sich unschlüssig.

Interessant war die Gruppe der jungen Neuwähler zwischen 18 und 19 Jahren, denen durch eine aktuelle Gesetzesänderung seit Juni eine Beteiligung an Wahlen möglich ist.

In dieser Altersgruppe gaben alle Befragten an, für eine Stilllegung zu sein und gegen die Verklappung von Tritiumabwässern sprachen sich hier 50,3 Prozent aus, während 49,7 Prozent angaben, unsicher zu sein. Befürworter gab es in dieser Bevölkerungsgruppe überhaupt nicht.

Über diese Zahlen berichteten Präfekturmedien.

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