Fukushima aktuell: Bislang größte Freigabe einer evakuierten Ortschaft

Fukushima aktuell: Bislang größte Freigabe einer evakuierten Ortschaft

Einwohner von Minamisoma stehen Rückkehr kritisch gegenüber

1320
0
TEILEN
Artikelbild - Präfektur Fukushima: Zugangsbeschränkung für autorisierte Fahrzeuge im Sperrgebiet (Foto; Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Präfektur Fukushima: Zugangsbeschränkungen für Minamisoma aufgehoben (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Die aus der Präfektur Fukushima heute gemeldete Freigabe einer Gemeinde kontrastiert mit den aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News über die Umstände des gestrigen Wasserlecks.

Die Bedeutung dieser Ereignisse und weitere Meldungen finden sich im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Juli 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Evakuierungsanordnung für Minamisoma aufgehoben
  • Leckbereich war nicht gegen Wasseraustritt gesichert
  • Präfektur fordert Aufarbeitung von TEPCO-Verschleierung
  • Suche nach Tohoku-Katastrophenopfern
Evakuierungsanordnung für Minamisoma aufgehoben:

Am heutigen Dienstag hob die Regierung in Tokyo die Evakuierungsanordnung für den bislang gesperrten Südteil der Stadt Minamisoma praktisch auf. Lediglich das Gebiet um ein einzelnes Gebäude ist wegen zu hoher Strahlungswerte von der Freigabe ausgeschlossen.

Nach den Ereignissen vom März 2011 waren insgesamt 11 Gemeinden evakuiert worden. Die Stadt Minamisoma ist die nunmehr fünfte Gemeinde, in der die offizielle Evakuierungsanordnung ganz, oder teilweise aufgehoben wurde.

Bislang gab es Freigaben für die Städte Tamura (Bezirk Miyakoji) und Naraha, sowie die Ortschaften Katsurao und Kawauchi.

Mit Rückkehraussichten für 10.807 Einwohner handelt es sich um die bislang größte Freigabe seit Einführung der Evakuierungsgebiete. Doch die tatsächliche Motivation zur Rückkehr hält sich bei den Evakuierten in Grenzen.

Obwohl Wohngebiete dekontaminiert, Krankenhäuser wieder in Betrieb, provisorische Läden eröffnet, sowie ein Teilstück der Joban-Bahnstrecke freigegeben wurden, hatten sich vorab nur 2.000 Personen für die vorausgehende Phase des Aufenthalts mit Übernachtungserlaubnis registriert.

Die Skepsis gegenüber der Freigabe von Minamisoma ist alles andere als gering. Das liegt zum Einen daran, dass zwar Grundstücke erfolgreich dekontaminiert wurden, die Dekontamination von Straßen und landwirtschaftliche Flächen jedoch erst im März 2017 abgeschlossen sein soll.

Zum Anderen haben viele der einstigen Einwohner sich in der Zwischenzeit bereits an anderer Stelle eine neue Existenz geschaffen, so dass ein Umzug vor allem Nachteile mit sich bringen würde.

Zweifelhafte Methoden bei der Dekontamination von Minamisoma – etwa die unkontrollierte Beseitigung kontaminierter Zweige und illegale Entsorgung von Schutzkleidung – sowie weiterhin bestehende Angst vor Radioaktivität sind weitere Faktoren.

Über die Freigabe berichteten praktisch alle japanischen Medien, darunter Kyodo, Asahi Shimbun, jiji und NHK, sowie Präfekturmedien.

Leckbereich war nicht gegen Wasseraustritt gesichert:

Gestern berichteten wir an dieser Stelle über ein Wasserleck bei Transferarbeiten. Die heute veröffentlichten Informationen zeigen dabei unter anderem auch einige Probleme auf.

Demnach trat das Wasser aus, als Arbeiter mit einem Pumpfahrzeug dort Regenwasser aus einem Behälter abpumpen wollten, wobei sich der verwendete Schlauch löste.

Interessanter sind jedoch die Angaben zum betroffenen Wassertank.

Demnach seien die Behälter in diesem Bereich unmittelbar nach Ausbruch der AKW-Krise für vergleichsweise stark radioaktives Wasser verwendet worden. Die weitere Nutzung habe man jedoch eingestellt.

Das angesammelte Regenwasser konnte deshalb in einen nahe gelegenen Graben gelangen, weil dort keine Betonbarrieren als Dämme gegen austretendes Wasser vorhanden sind.

Mittlerweile wurde der Graben erfolgreich dekontaminiert und die dort platzierten Sandsäcke konnten wieder entfernt werden. Es gelangte kein kontaminiertes Wasser in das Meer. Über die aktuellen Erkenntnisse berichteten der Kraftwerksbetreiber TEPCO und die NHK.

Präfektur fordert Aufarbeitung von TEPCO-Verschleierung:

Nach der Verschleierung der Kernschmelzen am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi reagieren viele Gemeinden, wie etwa Naraha, mit dem Einreichen von offiziellen Beschwerdeschreiben beim Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Doch der präfekturale Sicherheitsrat, der die Stilllegungsarbeiten beaufsichtigt, geht noch einen Schritt weiter und einigte sich darauf, die Veröffentlichung von Informationen in Krisensituationen zu fordern.

Nun sollen gezielte Anfragen bei TEPCO weitere Klarheit bringen und die gesamte Maßnahme dazu beitragen, Präventionsmaßnahmen gegen die Unterschlagung von Informationen zu erarbeiten, etwa durch entsprechende Kontrollinstanzen.

Über die Pläne berichteten Präfekturmedien.

Suche nach Tohoku-Katastrophenopfern:

Am gestrigen Montag und damit fünf Jahre und vier Monate seit dem Tohoku-Großbeben und Tsunami führten Polizei und Freiwillige Suchaktionen nach Hinweisen auf weiterhin vermissten Personen in den Küstenregionen durch.

Etwa 100 Personen beteiligten sich an der Aktion, darunter auch Personen, die sich damals gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten und den Angehörigen nun Gewissheit über den Verbleib der Vermissten geben wollen.

Die Helfer suchen nach Dokumenten, persönlichen Gegenständen und menschlichen Überresten, die entweder die Identifikation erleichtern, oder von emotionalem Wert für die Hinterbliebenen sind.

Nach Angaben der Polizei wurden einige Gedenkmünzen, sowie Knochenfragmente entdeckt. Über die Suchaktion, die am 11. jedes Monats erneut durchgeführt wird, berichteten Präfekturmedien.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT