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Fukushima aktuell: Blindgängeralarm bei Dekontaminationsarbeiten

Arbeiter entdecken verdächtigen Gegenstand - Abbruch der Arbeiten und Absperrungen die Folge.

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Artikelbild - Dekontaminationsmaßnahmen von TEPCO, 2012 (Foto: Copyright by TEPCO)
Präfektur Fukushima: Dekontaminationsmaßnahmen von TEPCO (Foto: Copyright by TEPCO)

TEPCO kann am AKW Fukushima heute zwar mit einem innovativen Projekt punkten, dafür gibt es an anderer Stelle ausreichend unangenehme Meldungen in den Fukushima News.  So behinderte beispielsweise ein Blindgängeralarm die Dekontaminationsarbeiten.

Diese und weitere Nachrichten gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. April 2018.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Blindgängeralarm bei Dekontaminationsarbeiten
  • Autonome E-Busse ohne Fahrer am AKW Fukushima im Einsatz
  • Drei weitere Vietnamesen zu Dekontaminationsarbeiten genötigt
  • Verweigerte Sicherheitsmaßnahme hätte AKW Fukushima nicht geschützt
Blindgängeralarm bei Dekontaminationsarbeiten

Am gestrigen Dienstag wurde gegen 9:20 Uhr (Ortszeit) die Polizei über den möglichen Fund eines Blindgängers auf einem Privatgründstück in der Stadt Fukushima in Kenntnis gesetzt und in Folge entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Bei Dekontaminationsarbeiten mit schwerem Gerät war ein Objekt entdeckt worden, das von den Arbeitern  vor Ort als möglicher Blindgänger angesehen wurde, so dass sie die Polizei über die Entdeckung verständigten.

Als Sicherheitsmaßnahme wurde ein Gebiet von 100 Metern um die Fundstelle evakuiert und Einwohner dazu angewiesen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Auch an Schulen wurde der Unterricht im Freien abgebrochen und einige Klassenräume geräumt.

Die Polizei schickte Bilder des Objekts an die Selbstverteidigungsstreitkräfte (SDF), um eine Einschätzung des Funds zu erhalten. Deren Experten gaben schließlich Entwarnung, so dass die Polizei das Fundstück entfernte.

An dem 30 Zentimeter langen Gegenstand mit einem Durchmesser von etwa 10 Zentimetern, wurde keine Sprengvorrichtung und auch keine Spuren von Sprengstoff entdeckt.

Die Besitzer des Hauses bestätigten, dass der verstorbene Vater derartige Objekte als Dekoration im Haus aufbewahrt und sie offenbar aufgrund von Problemen bei der Entsorgung, im Garten vergraben hatte. Über den vermeintlichen Bombenfund berichteten Präfektumedien.

Autonome E-Busse ohne Fahrer am AKW Fukushima im Einsatz

Am heutigen Mittwoch wurde Medienvertretern der erste fahrerlose Shuttle-Dienst in Japan vorgestellt. Das elektrische Fahrzeug stammt aus Frankreich und wird Angestellte auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi transportieren.

Bis zu 15 Fahrgäste können aus einer Liste vorprogrammierter Strecken ihr Fahrziel wählen und sich dann von dem elektrisch betriebenen Bus mit einer Geschwindigkeit von 18 Km/h dorthin bringen lassen.

Zunächst wird es lediglich einen Transfer zwischen dem Zugangstor und dem Gebäude mit den Ruhebereichen und Erholungsangeboten für Angestellte geben. Die übrigen Strecken sollen dem GPS-Lenksystem dann nacheinander hinzugefügt werden.

Insgesamt sollen drei Busse auf dem Gelände zum Einsatz kommen und künftig auch Besucher über die Anlage transportieren. Die Fahrzeuge sind mit Sensoren ausgestattet, die Fußgänger und Hindernisse erkennen und den Bus automatisch stoppen.

Über das in Japan erstmalige Projekt dieser Art, dass die Abläufe auf dem Kraftwerksgelände effektiver machen soll, berichteten neben der NHK auch Präfekturmedien

Drei weitere Vietnamesen zu Dekontaminationsarbeiten genötigt

Aus Japan werden drei weitere Fälle gemeldet, in denen vietnamesische Praktikanten von einem Unternehmen dazu angewiesen wurden, fachfremde Dekontaminationsarbeiten zu verrichten.

Die Männer zwischen 24 und 34 Jahren kamen im Juli 2015 nach Japan und unterschrieben bei einem Unternehmen in Koriyama (Präf. Fukushima), mit der Aussicht, dort Metallarbeiten durchführen zu können.

Stattdessen waren sie zwischen April 2016 und März 2018 in der Dekontamination von Straßen und anderen Orten in den Städten Koriyama und Motomiya beschäftigt.

Es wird damit gerechnet, dass die angekündigte Untersuchung durch eine Organisation, die dem Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) angeschlossen ist, weitere Fälle zu Tage fördern wird.

Über diese Entwicklung berichtet die Mainichi Shimbun unter Berufung auf mehrere Quellen. Im März 2018 hatte der Fall eines Vietnamesen für Schlagzeilen gesorgt und weitere Meldungen über finanzielle Ausbeutung folgten.

Verweigerte Sicherheitsmaßnahme hätte AKW Fukushima nicht geschützt

In einer Zeugenaussage im Rahmen des Prozesses gegen drei frühere TEPCO-Manager bestreitet der frühere Verantwortliche für Tsunami-Schutzmaßnahmen die Wirksamkeit eines nicht errichteten Sturmflutsperrwerks am AKW Fukushima Daiichi.

In den vergangenen Tagen hatte eine Meldung Aufsehen erregt, derzufolge die TEPCO-Führung eine Risikoszenario aus dem Jahr 2008 nicht berücksichtigt hatte und auf die Errichtung dieser Schutzmaßnahme verzichtet wurde.

In seiner jetzigen Aussage erklärte der Angestellte, der Tsunami vom März 2011 sei größer gewesen, als die damals in einer Simulation berechnete Höhe von 15,7 Metern, so dass eine Schutzmaßnahme auf Basis dieser Annahme kaum Nutzen gehabt hätte.

Er berief sich dabei auf Simulationen nach der Tohoku-Katastrophe. Diese hätten gezeigt, dass die Überflutung der Anlage auch durch ein solches Sturmflutsperrwerk nicht verhinderbar gewesen wäre. Zugleich räumte er aber ein, zumindest die Höhe der Flutwelle hätte verringert werden können.

Allgemein habe es damals keine wissenschaftlichen Hinweise darauf gegeben, dass derart schwere Erdstöße aufeinander folgen können, so dass sie auch nicht als Grundlage für eine Tsunami-Berechnung dienen konnten.

Am kommenden Dienstag soll ein weiterer Zeuge vor Gericht befragt werden Über diese Aussage berichtete die NHK, sowie Präfekturmedien.