Fukushima aktuell: Brennelemente-Bergung wichtiger als radioaktive Abwässer

Fukushima aktuell: Brennelemente-Bergung wichtiger als radioaktive Abwässer

TEPCO will Schwerpunkt der Arbeiten am AKW Fukushima verlagern

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Artikelbild - AKW Fukushima: Besuch von Premier Abe am 19. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Lagertankbereich H4 beim Besuch von Premiermminister Shinzo Abe im September 2013 (Foto: TEPCO)

Während in den rheinischen Karnevalshochburgen die Narren los sind, greifen Medien das Thema Fukushima heute wieder verstärkt auf – naht doch der nunmehr sechste Jahrestag der Tohoku-Katastrophen.

Statt uns nun ebenfalls in Rückblicken zu ergehen, bieten wir weiterhin aktuelle Fukushima News – wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. Februar 2017.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • TEPCO-Manager sieht radioaktives Abwasser als weitgehend bewältigt an
  • Umfrage zum Mobbing von Flüchtlingen aus Fukushima
TEPCO-Manager sieht radioaktive Abwässer als weitgehend bewältigt an

In einem gestrigen Interview machte Naohiro Masuda, der beim Elektrizitätsanbieter TEPCO für die Stilllegung der Reaktoren des AKW Fukushima Daiichi verantwortlich ist, eine überraschende Aussage.

Demnach habe sich die Situation bei der Bewältigung der täglich anfallenden radioaktiven Abwässer beruhigt. Künftig würden andere Aufgaben, wie etwa der wichtigste Schritt – die Bergung geschmolzenen Materials aus den Reaktoren – im Vordergrund stehen.

Kenntnisse über den Zustand am Boden der Druckbehälter und wie das ausgetretene Material sich dort verbreitet habe, wären demnach das Minimum an Information, das zur Ausarbeitung langfristiger Konzepte erforderlich sei.

Aus diesem Grund sei die Planung zum Robotereinsatz in Reaktor 1 von besonderer Bedeutung. Dieser soll im kommenden Monat durchgeführt werden.

Ähnlich äußerte sich mit Takahiro Kimoto auch ein Sprecher des Unternehmens, der Journalisten bei einer Tour über des Kraftwerksgelände begleitete. Die Arbeiten würden sich nun dem zentralen Thema, der Bergung geschmolzener Brennelemente nähern.

Dabei sind noch einige Fragen, etwa zum Umgang mit dem kontaminierten Wasser, das auf dem Gelände des Kraftwerks eingelagert werden muss, ungeklärt.

Im Bezug auf das radioaktiv kontaminierte Wasser mit hoher Tritium-Konzentration, das sich bislang nicht effektiv filtern lässt, erklärte Masuda, die Angelegenheit müsse diskutiert und nach Anhörung der öffentlichen Meinung entschieden werden.

Bislang mögliche Konzepte wären die Verdampfung, oder die kontrollierte Verklappung nach ausreichender Verdünnung. Beide Herangehensweisen sind jedoch umstritten.

Angesprochen auf temporäre Ausfälle von Kühlsystemen im Dezember vergangenen Jahres versicherte Masuda, man sei sich bewusst, dass derartige Ereignisse für Bürger die wohl belastendsten Meldungen darstellen würden.

Das Unternehmen versuche dabei sowohl durch Schulung der Arbeitskräfte, als auch durch konkrete Maßnahmen, wie etwa die Abdeckung von wichtigen Schaltern, eine Wiederholung solcher Zwischenfälle zu verhindern.

Neben der Kyodo, die das Interview führte, berichteten auch die Mainichi Shimbun und Präfekturmedien über die Aussagen von Masuda bzw. Kimoto.

Umfrage zum Mobbing von Flüchtlingen aus Fukushima

Eine Umfrage ergab, dass mehr als 60 Prozent der Evakuierten aus der Präfektur Fukushima an ihrem neuen Wohnort entweder selbst Opfer von Mobbing und Diskriminierung wurden, oder zumindest von diesen Fällen hörten.

Das geht aus einer Fragebogen-Aktion hervor, die Ende Januar unter 448 Evakuierten begann. Insgesamt 184 gültige Antworten erfolgten.  Die gestern veröffentlichten Ergebnisse sind womöglich die ersten umfassenden Daten dieser Art.

So wurde erstmals gefragt, ob sie oder Angehörige aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert wurden – ein Umstand den 33 der 184 Personen (18 Prozent) bejahten. Weitere 81 Befragte (44 Prozent) erklärten, derartiges Verhalten gesehen, oder davon gehört zu haben.

Gegenwärtig leben noch etwa 80.000 Personen als Evakuierte entweder innerhalb, oder außerhalb der Präfektur Fukushima. Über diese Umfrage berichtete die Asahi Shimbun.

Auch Spreadnews gegenüber wurden von Betroffenen im Rahmen der „Stimmen aus Fukushima“ zumindest einige Aussagen über negatives Verhalten bestätigt.

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