Fukushima aktuell: Bürger nach Verschleierungsverdacht schockiert

Fukushima aktuell: Bürger nach Verschleierungsverdacht schockiert

Schweigeorder nach Kernschmelze wird kritisiert

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Artikelbild - TEPCO-Zentrale, Hauptsitz in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Hauptsitz in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Die aktuellen Fukushima News zeigen, dass die neusten Erkenntnisse über den firmeninternen Umgang mit der Kernschmelze die Bürger der Präfektur Fukushima heute weiterhin beschäftigen.

Unterdessen bemüht man sich von offizieller Seite scheinbar um Relativierung. Die Reaktionen auf den jüngsten Bericht finden sich nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. Juni 2016.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Proteste in Fukushima nach Berichtsveröffentlichung
  • Ausschuss relativiert Bedeutung des eigenen Berichts
  • Dekontaminationsfortschritte in Fukushima
  • Kawauchi will Alleinerziehende zurückholen

Proteste in Fukushima nach Berichtsveröffentlichung: Präfekturverwaltung und Vertreter von Evakuierten der Präfektur Fukushima reagierten bestürzt und schockiert auf den jüngsten Bericht, der eine interne Schweigeanordnung bei TEPCO belegt.

Die Sicherheit der Bürger sei durch eine vorsätzlich zurückgehaltene Informationen und  fehlende frühzeitige Evakuierungsanordnungen wissentlich gefährdet worden. Der Bericht untermauere zudem die mangelnde Vertrauenswürdigkeit des Kraftwerksbetreibers.

Die Präfekturleitung reichte bei TEPCO eine schriftliche Beschwerde ein, um gegen das damalige Vorgehen des Unternehmens zu protestieren.

Die Verheimlichung sei extrem bedauerlich und durch die Zurückhaltung der Informationen auf Anordnung von Masataka Shimizu habe man die Ängste aller Bürger  ignoriert, erklärte der Gouverneur der Präfektur.

Gemeindevertreter und Interessenverbände der geflohenen Bürger äußerten sich ähnlich. So hieß es etwa, man sei sprachlos angesichts dieser unglaublichen Geschichte. Über diese Reaktionen berichteten NHK und Präfekturmedien.

Ausschuss relativiert Bedeutung des eigenen Berichts: Offenbar ist das jüngste Medienecho der Leitung des externen Untersuchungsausschusses unangenehm, denn nun ergreift man offenbar Partei für TEPCO.

So erklärte Yasuhisa Tanaka noch vor dem Wochenende, er sehe das firmeninterne Verbot des Begriffs „Kernschmelze“ in offiziellen Verlautbarungen des Kraftwerksbetreibers TEPCO nicht als Verschleierungsversuch an.

Durch die Befragungen von TEPCO-Beschäftigten hatte der externe Ausschuss deutlich machen können, dass der Begriff der Kernschmelze vorsätzlich vermieden worden war. Auch wurde die Behauptung laut, die Regierung habe diesbezüglich Druck ausgeübt.

Bereits im Februar diesen Jahres hatte ein technisches Komitee der Präfektur Niigata nicht nur die Anordnung zur Vermeidung, sondern auch die Existenz einer Richtlinie aufgedeckt, in der die Kriterien zur Feststellung einer Kernschmelze festgehalten werden.

Zuvor hatte sich TEPCO immer hinter der Behauptung versteckt, es habe keine verbindlichen Definitionen für den Zustand der Kernschmelze gegeben. Der jüngste Bericht ist somit ein weiterer Beleg für das fragwürdige Krisenmanagement bei TEPCO.

Doch nach der massiven Kritik von der Führung der Präfekturen Niigata und Fukushima verteidigt Tanaka das Unternehmen. Hätten die Berichte den Hinweis auf die Kernschmelze enthalten, wären unkontrollierte Massenevakuierungen die Folge gewesen.

Daher kommt der Bericht zwar auch zu dem Schluss, die Maßnahmen während des akuten Krisenzustands im März 2011 seien unzureichend und zu ungenau gewesen – ein Vorsatz zur Verschleierung habe man jedoch nicht feststellen können.

Das technische Komitee aus Niigata bemängelt unterdessen Schwächen des Berichts. So habe das dreiköpfige Team lediglich 60 TEPCO-Beschäftigte interviewt und keine der früheren Regierungsvertreter oder Behördenmitarbeiter befragt.

Die damalige Regierung bestreitet politische Einflussnahme auf die Informationspolitik des Unternehmens.

Der Bericht bestätige im wesentlichen die Position von TEPCO, sowohl die mangelnde Bekanntheit der Kernschmelzen-Definition, als auch die Vermeidung des Begriffs in Pressemitteilungen wären lediglich Versäumnis gewesen und nicht vorsätzlich erfolgt.

Über die Relativierung der Berichtsergebnisse berichtete die Mainichi Shimbun.

Dekontaminationsfortschritte in Fukushima: Am gestrigen Sonntag wurde eine Zusammenstellung der Fortschritte bei den Dekontaminationsarbeiten in der Präfektur vorgelegt. Sie spiegelt den Stand von Ende April wieder.

Demnach sind 87,2 Prozent aller Hausdekontaminationen abgeschlossen. Im Fall öffentlicher Einrichtung liegt die Dekontaminationsrate bei 84,5 Prozent.

Die größten Fortschritte konnten bei landwirtschaftlichen Flächen (99 Prozent) und Reisfeldern (93,3 Prozent) erreicht werden. Die größten Defizite gibt es noch bei Straßen. Dort sind bislang lediglich 53,6 Prozent der Arbeiten abgeschlossen.

Ausgenommen von der Erhebung waren lediglich Gebiete, in denen keine Dekontamination durchgeführt werden kann – etwa weil der Grundstückseigentümer dieser Maßnahme widerspricht. Über die Zahlen berichteten Präfekturmedien.

Kawauchi will Alleinerziehende zurückholen: Nach der Aufhebung der Evakuierungsanordnung für Ortsteile von Kawauchi am 14. Juni will die Verwaltung nun Alleinerziehende durch finanzielle Anreize zur Rückkehr bewegen.

Bis zu 800.000 Yen an Fördergeldern will die Gemeinde allen Familien mit Alleinerziehenden bieten, wenn sie in ihren alten Wohnort zurückkehren.

Bereits im Oktober 2014 waren Teile der Gemeinde freigegeben worden. Doch insbesondere die früheren Einwohner der jetzt freigegebenen Ortsteile Kainosaka und Ogi hegen keine Rückkehrabsicht.

Mit Stand vom 1. April sind bislang lediglich etwa 1.800 der einstigen 3.000 Bürger wieder zurückgekehrt. Über die Initiative zur Erhöhung der Rückkehrerquote, um eine Überalterung der Gemeinde zu verhindern, berichtete die Mainichi Shimbun.

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