Start Aktuelles Fukushima aktuell: Cäsium-Fallout soll über 20.000 Terabecquerel liegen

Fukushima aktuell: Cäsium-Fallout soll über 20.000 Terabecquerel liegen

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Artikelbild: Offizielles Foto des AKW Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Das AKW Fukushima Daiichi: (Foto: TEPCO)

Die zum radioaktiven Fallout des AKW Fukushima heute vorgelegten Zahlen, übertreffen nicht nur die Einschätzungen von TEPCO, sondern stellen auch alle weiteren Meldungen der Fukushima News in den Schatten Diese und weitere Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. Mai 2014.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Freigesetztes Cäsium-137 soll über 20.000 Terabecquerel betragen
  • Fukushima-Arbeiter mit Rettungshubschrauber eingeliefert
  • Ölleck an Raupenkran auf der Kraftwerksanlage
  • Klage gegen Neustarts von AKW Oi abgewiesen
  • Gemeinde in AKW-Sperrgebiet fordert mehr Dekontamination
  • Erstmals Fisch aus Iwaki auf Tokyoter Großmarkt
  • Fälle von Fukushima-PTSD in Tokyo hoch
  • Prüfung des Jodtabletten-Vorrats nahe AKW

Freigesetztes Cäsium-137 soll über 20.000 Terabecquerel betragen: Die Gesamtmenge an radioaktivem Cäsium, das in Folge der Fukushima-Katastrophe in Atmosphäre und Meerwasser freigesetzt wurde, soll laut einer Studie japanischer Wissenschaftler zwischen 17.500 und 20.500 Terabecquerel  betragen.

Ihre Ergebnisse, die sie am heutigen Freitag auf einer Konferenz der „European Geosciences Union“ in Wien vorstellten, liegt deutlich über der Einschätzung des Kraftwerksbetreibers TEPCO. Dieser geht von weniger als 13.600 Terabecquerel aus.

Es gibt bereits seit längerem voneinander abweichende Einschätzungen zur Menge an freigesetztem Material und der Lokalisierung des radioaktiven Fallouts. Professor Michio Aoyama, vom Institut für Umweltradioaktivität der Universität Fukushima, hält die nun von seinem Team vorgelegten Daten für die bislang wahrscheinlichsten, da sie auch aktuelle Werte umfassen.

Demnach sollen zwischen 14.000 und 17.000 Terabecquerel in die Atmosphäre gelangt und weitere 3.500 direkt in das Meer geflossen sein.
Von der Menge an Cäsium-137 die in die Atmosphäre gelangten, sollen wiederum zwischen 12.000 und 15.000 als Niederschlag im Meer gelandet sein, während der Rest auf den Erdboden gelangte.

Im Bezug auf die Menge, die tatsächlich auf Land niederging, sollen bis zu 400 Terabecquerel auf Nordamerika gefallen sein, während Europa praktisch nicht betroffen worden sein soll. Angaben zu weiterem radioaktiven Material machte die Meldung der Kyodo nicht.

Fukushima-Arbeiter mit Rettungshubschrauber eingeliefert: Am gestrigen Donnerstag zeigte sich gegen 16:18 Uhr ein Kraftwerksarbeiter in körperlich schlechtem Zustand. Zuvor war er mit Montagearbeiten am Multinuklid-Filtersystem ALPS beschäftigt.

Japanischer Rettungshubschrauber vom Typ Kawasaki-BK227C-2 (Foto: pd)
Fukushima-Arbeiter mit Rettungshubschrauber abtransportiert (Foto: pd)

Eine erste Untersuchung im medizinischen Notfallzentrum kam zu dem Schluss, dass ein Transport in die Klinik erforderlich sei.

Gegen 16:58 Uhr wurde der Rettungsdienst alarmiert. Anschließend wurde der Patient mit dem angeforderten Rettungshubschrauber abtransportiert. Eine Kontamination mit radioaktivem Material wurde nach Angaben des Kraftwerksbetreibers TEPCO nicht festgestellt.

Ölleck an Raupenkran auf der Kraftwerksanlage: Am heutigen Freitag wurde gegen 9:45 Uhr auf der Seeseite von Reaktor 4, ein Ölleck an einem Raupenkran festgestellt. Das schwere Gerät war dort beim Barrierebau eingesetzt worden. Der Ölaustritt endete zwar mit dem Schließen des Hauptventils, dennoch bildete sich eine Öllache von 3 x 3 Metern.

Aufgrund einer Stahlbarriere zur Wasserabschirmung und einer Distanz von 20 Metern zur Küste, könne das Öl nicht in das Meer gelangt sein, berichtet der Kraftwerksbetreiber TEPCO. Mittlerweile wurde eine Neutralisierungssubstanz versprüht und das Öl mit Adsorptionsmatten aufgenommen. Der Ölaustritt wurde von der Fauerwehr Futaba um 11:10 Uhr als Zwischenfall der keinen Gefahrengutaustritt darstelle, klassifiert.

Klage gegen Neustarts von AKW Oi abgewiesen: Ein Gericht in Osaka hat eine Klage von Bürger auf Wiederaufnahme des Betriebs der Reaktoren 3 und 4 am AKW Oi (Präf. Fukui) abgewiesen und folgt damit der Entscheidung aus voriger Instanz vom April 2013.

Die Kläger hatten argumentiert, aufgrund der drei geologischen Verwerfungen in der Nähe des Kernkraftwerkes, bestehe im Fall von schweren Erdbeben eine besondere Gefährdung. Das AKW Oi war trotz öffentlicher Proteste im Juli 2012 als erstes von Japans Anlagen wieder ans Netz gegangen. Die Abschaltung im September 2013 erfolgte nur aufgrund von Standardkontrollen.

Gegenwärtig wird geprüft, ob die Anlage den verschärften Sicherheitsstandards entspricht, die von der Atomaufsichtsbehörde NRA im vergangenen Juli erlassen worden waren. Über den juristischen Fehlschlag der Atomkraftgegner berichtete die Kyodo.

Gemeinde in AKW-Sperrgebiet fordert mehr Dekontamination: Zehn Mitglieder der Gemeindeverwaltung der Ortschaft Futaba, statteten dem Umweltministerium gestern einen Besuch ab und überreichten bei dieser Gelegenheit dem stellvertretenden Umweltminister Shinji Inoue eine schriftliche Aufforderung.

Präfektur Fukushima: Absperrung einer Zonengrenze (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Präfektur Fukushima: Gemeinde in Sperrgebiet will mehr Sicherheit (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Auch wenn seit Abschluss der Dekontaminationsarbeiten im März 2014 mittlerweile ein Teil der Gemeinde für baldige Rückkehr klassifiziert wurde, gehen der Gemeinde die Arbeiten  nicht weit genug. In ihrem Schreiben fordern sie eine Senkung der jährlichen Strahlungsbelastung auf unter ein Millisievert, bevor die einstigen Einwohner zurückkehren.

Über den Zeitplan einer möglichen Rückkehr, will die Verwaltung von Naraha frühestens Ende dieses Monats entscheiden.

Motoi Aoki, Vorsitzender der Gemeindeversammlung erklärte, die Regierung müsse auch für die Dekontamination innerhalb von öffentlichen Gebäuden und Privathaushalten sorgen und den Boden des Kido-Damms sorgfältig dekontaminieren. Vize-Minister Inoue erklärte, man werde sich, gemeinsam mit anderen betroffenen Regierungsstellen der Angelegenheit ernsthaft annehmen. Das berichtet die NHK.

Erstmals Fisch aus Iwaki auf Tokyoter Großmarkt: Erstmals seit Beginn der Krise am AKW Fukushima Daiichi, sind Produkte aus dem Fischfang aus Iwaki (Präf. Fukushima) auf dem Tokyoter Fischmarkt Tsukiji versteigert worden.

Tokyo: Traditioneller Fischhändler Foto: KJ
Fischhändler in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

Insgesamt 1,6 Tonnen an Flundern, Oktopus und andere Fischereiprodukten, waren am Donnerstag bei Testfängen eingeholt worden. Hiervon wurden 90 Kilo einer Schollenart, sechs Kilo Grünaugen, sowie ein weiterer Fischtyp versteigert, nachdem zuvor freiwilligen Strahlungskontrollen durch die Fischereivereinigung der Stadt Iwaki und weiteren Stellen durchgeführt wurden.

Während die Strahlungsbelastung der Grünlinge unter dem Nachweiswert lag, wurde bei den Schollen der Gattung Tanakius Kitaharae, lediglich 13 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen – ein Wert, der deutlich unter dem Gesetzlichen Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm liegt.

Beim heutigen Verkauf zeigten sich die Fischer zufrieden. Der Verkaufspreis habe annähernd die gleiche Höhe erreicht, wie dies vor der Fukushima-Katastrophe der Fall war. Hierüber berichtete die Asahi Shimbun.

Fälle von Fukushima-PTSD in Tokyo hoch: Eine gemeinsame Untersuchung der Waseda-Universität und einer Unterstützungsgruppe für Evakuierte kommt zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Fukushima-Flüchtlinge im Großraum Tokyo an PTSD leiden könnten.

Eine zwischen März und April durchgeführte Umfrage unter 3.599 Haushalten, deren Mitglieder in Folge der Nuklearkatastrophe nach Tokyo und die angrenzende Präfektur Sairama geflohen waren, erzielte 600 gültige Antworten.

Eine anhand von 22 Fragen zur Ermittlung des Stresslevels ergab, dass bei 57,7 Prozent der antwortenden Personen eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD/PTBS) vorliegen könnte. Das berichtet die Kyodo.

Prüfung des Jodtabletten-Vorrats nahe AKW: Die japanische Regierung hat eine Prüfung auf ausreichende Kapazitäten an Kaliumiodid-Tabletten für alle 24 Präfekturen, in denen Gemeinden im Umkreis von 30 Kilometern um ein Kernkraftwerk liegen, eingeleitet.

Kaliumiodid: Grundlage der Jodtabletten (Foto: pd)
Kaliumiodid: Grundlage der Jodtabletten (Foto: pd)

Die Maßnahme ist eine Reaktion auf die Entdeckung, dass die Verwaltung der Präfektur Niigata, die mehr als 1,3 Millionen Tabletten für die Bewohner der 330-Kilometer-Zone um das AKW Kashiwazaki-Kariwa nicht auf Vorrat hatte.

Ein Verwaltungsangestellter gestand schließlich, die  Papiere über die vorgebliche Anlieferung gefälscht zu haben.

Da auch sein Vorgesetzer den Eingang des Notfallmedikaments nicht bestätigte, jedoch offenbar keine Nachfragen erfolgten, wird die Regierung in Tokyo die Angelegenheit ab kommender Woche durch die Entsendung von Beamten prüfen lassen.

Kostengründe als Ursache des Zwischenfalls sind unwahrscheinlich, da die Regierung die Versorgung finanziert. Über den Zwischenfall und die Einleitung der Untersuchung berichtete die NHK.

Jodtabletten werden nach offizieller Aufforderung nach einem schweren Reaktorunfall ausgegeben, falls die Freisetzung von radioaktivem Jod vorliegt. Das darin enthaltende Kaliumiodid soll durch eine so genannte Iodblockade die Einlagerung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse so weit wie möglich verhindern.

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