Fukushima aktuell: Chronisches Misstrauen gegen Lebensmittel hält an

Fukushima aktuell: Chronisches Misstrauen gegen Lebensmittel hält an

1270
0
TEILEN
Artikelbild - Essen in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Alternatives Konzept für Lebensmittelsicherheit vorgestellt (Symbolfoto: Copyright by KJ)

Unsicherheit über die Unbedenklichkeit lokaler Produkte, ist für Landwirte der Präfektur Fukushima heute immer noch ein Thema. Jetzt geht es vor allem darum, Vertrauen wiederherzustellen.

Hintergründe zu diesem Thema, sowie weiteren Fukushima News gibt es aus Japan aktuell im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. April 2016.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Kosten für Entfernung kontaminierter Sedimente soll TEPCO tragen
  • Entfernung der Straßensperren in Namie
  • Tausenjähriger Kirschbaum beginnt zu blühen
  • Weiterhin Missverständnisse um Lebensmittelsicherheit
  • Dekontamination macht Fortschritte

Weiterhin Missverständnisse um Lebensmittelsicherheit: Im vergangenen Jahr testweise gepflanzter Reis aus dem Sperrgebiet der Ortschaft Namie weist keine Überschreitung des Lebensmittelgrenzwerts auf. Damit wäre er eigentlich handelsfähig.

Doch selbst bei einer Genehmigung hätten die Landwirte weiterhin Probleme mit dem Misstrauen der Verbraucher und es ist ihnen auch nicht immer ganz klar, wie sie die Sicherheit ihrer Produkte erklären sollen.

Eine Reis-Rispe
Landwirtschaft in Fukushima wird misstrauisch beäugt (Symbolfoto: pd)

Japan hat für die maximal zulässige Belastung mit radioaktivem Cäsium mit 100 Becquerel pro Kilogramm einen extrem strengen Grenzwert für Lebensmittel festgelegt.

In anderen Teilen der Welt wird die Cäsiumkonzentration weniger streng gehandhabt. In den USA liegt die zulässige Cäsiumbelastung von Lebensmitteln bei 1.200 Becquerel und in der Europäischen Union sogar bei 1250 Becquerel pro Kilogramm.

Doch da Cäsium nicht das einzige radioaktive Isotop ist,  testete das Strahlungsforschungsinstitut der Universität Fukushima auf Wunsch der Landwirte auch die Konzentration von Strontium-90 im Erdboden.

Seit den Atombomentests zur Zeit der Sowjetunion kann Strontium auch in anderen Teilen der Welt nachgewiesen werden. Die japanischen Wissenschaftler untersuchten Bodenproben aus mehreren Regionen der Präfektur.

Die maximale nachgewiesene Belastung betrug 4,7 Becquerel pro Kilogramm und stammt aus Okuma, fünf Kilometer westlich des AKW Fukushima Daiichi.

ln anderen Teilen Japans fanden sich bis zu 5,9 Becquerel pro Kilogramm, so dass die Belastung des Bodens in Okuma auch nicht höher sei, als in anderen Gebieten, die durch internationale Atomwaffentests bereits vorbelastet sind.

Das Misstrauen der Bevölkerung ergibt sich nach Angaben von Professor Hirofumi Tsukada vor allem auf falsche Vorstellungen und Fehlinformationen zurückzuführen. Auch Experten hätten zu der Verunsicherung beigetragen.

So dringe radioaktives Cäsium nicht ohne weiteres in den Erdboden ein, sondern sammele sich an der Oberfläche, so dass beispielsweise Sorgen wegen einer Belastung des Trinkwassers durch Grundwasserkontamination praktisch unbegründet seien.

Über die Probleme durch das Misstrauen der Verbraucher und die anderweitige Bewertung berichteten Präfekturmedien.

Kosten für Entfernung kontaminierter Sedimente soll TEPCO tragen: Vergangene Woche wurde der Nachweis stark radioaktiver Sedimente an Flüssen in der Präfektur Fukushima gemeldet.

Das Umweltministerium sieht sich für die Entfernung nicht zuständig, da keine Wohngebiete betroffen sind, wollen jedoch auf Einzelfallbasis eine mögliche Dekontamination prüfen.

Die Präfekturverwaltung sieht die Ablagerungen jedoch als Risiko und will zur Deckung der Kosten von Bergung und Einlagerung nun den Kraftwerksbetreiber TEPCO in Form von Entschädigungszahlungen zur Kasse bitten.

Neben den eigentlichen Kosten für die Entfernung der Sedimete, die zwische vier und fünf Millionen Yen pro Standort liegen könnten, wird durch Personalausgaben und die Sicherungsmaßnahmen mit deutlich höheren Kosten im Milliardenbereich gerechnet.

Über den Versuch, die Finanzierung der Flusssicherung zu klären, berichteten Präfekturmedien.

Entfernung der Straßensperren in Namie: Am Wochenende begann in der Sperrgebietsgemeinde Namie die Entfernung der Straßensperren an der Nationalstraße, die durch die Ortschaft führt.

Beschwerden gegen die Straßensperren waren bereits im Januar laut geworden. Die Maßnahme behindere die Arbeiten zum Wiederaufbau der Region und mache die zeitweise Rückkehr in das Gebiet beschwerlich.

Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)
Absperrung einer Zonengrenze in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)

Mit Ausnahme der Passage durch langfristig nicht bewohnbares Gebiet, soll nun der Weg für den Verkehr wieder freigegeben werden.

Die Straßensperren waren als Reaktion auf die Berichte von Einbrüchen in evakuierte Häuser errichtet worden.

Bis Mai will man die Barrieren entfernt und die Sicherheit stattdessen durch vermehrte Polizeipräsen sichergestellt haben. Das berichten Präfekturmedien.

Im Juli 2014 war als zusätzlicher Schritt die Videoüberwachung in Namie eingeführt worden. Auch später waren in Gemeinden des Sperrgebiets mehrfach Straftaten gemeldet und die Kriminalität bei Dekontaminationsarbeitern beklagt worden.

Tausenjähriger Kirschbaum beginnt zu blühen: Der „Miharu Takizakura“, ein über tausend Jahre alter Kirschbaum in Miharu (Präf. Fukushima), der als nationales Naturdenkmal eingestuft wurde, erblüht – und zwar zehn Tage früher als erwartet.

Takizakura in Miharu, Fukushima (Foto: Tadashi Okoshi cc-by)
Takizakura in Miharu, Fukushima (Foto: Tadashi Okoshi cc-by)

Die Besucher können dann auch an diesem Baum die Kirschblüte an den herabhängenden Ästen bewundern. Die Gebühr liegt bei 300 Yen pro Person.

Über das alljährliche Naturschauspiel berichteten Präfekturmedien.

Die „Kirschblütenschauen“ (Hanami) sind eine beliebte Tätigkeit der Japaner und Picknicks unter Kirschbäumen gehören dort zum Frühjahr einfach dazu.

Dekontamination macht Fortschritte: Mit Stand vom Ende Februar ist die Rate der Dekontamination von Gebäuden in den Gemeinden der Präfektur auf 84 Prozent gestiegen.

Somit sind die Arbeiten an 349.951 der bis Fiskalende 2015 geplanten 416.432 Gebäude erfolgreich abgeschlossen. Bei der Straßendekontamination sind die Maßnahmen zu 60,5 Prozent abgeschlossen. Das berichteten Präfekturmedien.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT