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Fukushima aktuell: Dekontamination soll bis Ende März abgeschlossen sein

Ausnahmen gelten lediglich für Gebiete mit Sperrgebietscharakter

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Artikelbild - Lagerung von Kunststoffsäcken mit Dekontaminationsabfall am 31. Mai 2015 (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Lagerung von Kunststoffsäcken mit Dekontaminationsabfall am 31. Mai 2015 (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Mit ambitionierten Plänen macht die Präfektur Fukushima heute von sich reden, wurden doch sowohl Änderungen der Lebensmittelkontrollen, als auch ein Ende der Dekontamination gleichermaßen zu Themen aktueller Fukushima News.

Auch der Eiswall ist aber noch einmal Gegenstand des Interesses – im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. März 2018.

Unsere heutigen Themen zum Wochenende:

  • Dekontamination in Fukushima soll bis Ende März abgeschlossen sein
  • Meinungen zum Eiswall gehen weit auseinander
  • Abkehr von Einzelkontrollen bei Fukushima-Reis bis 2020 geplant
Dekontamination in Fukushima soll bis Ende März abgeschlossen sein

Nach heute veröffentlichten Angaben des Umweltministeriums sollen die Maßnahmen zur Dekontamination bis Ende dieses Monats abgeschlossen sein.  Ausgenommen davon sind lediglich Gebiete, die aufgrund des Drei-Zonen-Modells noch als Sperrgebiet gelten.

Die Dekontamination betraf 11 Gemeinden in der Präfektur Fukushima, sowie Gebiete in den Regionen Tohoku und Kanto. Während sie dort bereits im vergangenen März nahezu abgeschlossen werden konnte, benötigten die Arbeiten in Fukushima etwas mehr Zeit.

Wie das Ministerium außerdem bekannt gab, sollen bis zum Beginn des Fiskaljahrs 2020 bis zu 60 Prozent der Dekontaminationsabfälle von 1.300 behelfsmäßigen Lagerstätten in der Präfektur, in das Zwischenlager abtransportiert werden.

Über diese Entwicklung berichteten Präfekturmedien.

Meinungen zum Eiswall gehen weit auseinander

Nachdem gestern japanische Medienberichte das so genannte Eiswall-Projekt als Fehlschlag darstellten, das ohne die Grundwasserumleitung und Abpumpmaßnahmen weitgehend ineffektiv sei, wird der Sachverhalt heute etwas anders präsentiert.

In der aktuellen Berichterstattung wird erklärt, dass bereits der Eiswall allein die zuvor anfallende Menge an kontaminiertem Wasser zumindest halbiert habe und die Betreiberfirma TEPCO entsprechend mit positiven Aussagen zitiert.

Das Unternehmen räumt jedoch auch in diesen Meldungen ein, dass die Reduzierung der anfallenden Abwässer von 480 Tonnen im Winter 2015 auf 110 Tonnen im Winter 2017 auf mehrere Faktoren zurückzuführen sei und die genaue Einschätzung der Wirksamkeit somit schwierig.

Auch in den jüngsten Meldungen wird zudem die geringe Wirksamkeit im Vergleich zu den anderen Maßnahmen eingeräumt und angesichts jährlicher Kosten von einer Milliarde Yen ist ein Zweifel an der Sinnhaftigkeit weiter gegeben.

Es geht somit nicht nur um die unmittelbare Effektivität, die der Eiswall nach gegenwärtigen Berichten durchaus aufweisen könnte, sondern um die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis, deren Antwort für das Projekt negativ ausfällt.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA bezweifelte von Anfang an die Kosteneffizienz der Maßnahme und hatte einige Bauschritte am Eiswall sogar nur wegen des geringen Risikos aufgrund mangelnder Effektivität genehmigt.

Nach Ansicht des Vorsitzendes Tsuyoshi Fuketa sind die Grundwasserbrunnen um die Gebäude aus denen Wasser herausgepumpt wird, der eigentliche Schlüssel zur Reduzierung radioaktiver Abwässer – nicht aber der Eiswall.

Experten weisen zudem darauf hin, dass die Schätzungen von TEPCO nur auf Zahlen basieren, die in Zeiten mit geringem Niederschlag gemacht wurden. So hatten etwa im Oktober letzten Jahres zwei Taifune zum zeitweisen Anstieg auf 1.000 Tonnen pro Tag geführt.

Dies zeigt, dass die offiziellen Angaben des Unternehmens, auch wenn sie nun etwas positiver dargestellt werden, immer noch mit Vorsicht zu genießen sind. Nicht umsonst sollen nun Experten der Regierung die Zahlen von TEPCO prüfen.

Über die Rechtfertigungsversuche des Betreibers und Argumente, die eine positive Darstellung fragwürdig erscheinen lassen, berichteten Mainichi Shimbun,  Asahi Shimbun, jiji, sowie Präfekturmedien.

Abkehr von Einzelkontrollen bei Fukushima-Reis bis 2020 geplant

Wie Masao Uchibori, Gouverneur der Präfekt Fukushima, gegenüber der Präfektur-Versammlung heute bekannt gab, könnten die verpflichtenden Strahlungstests für die gesamte Reisproduktion von Fukushima bereits 2020 fallen.

Die Prüfung auf radioaktive Belastung war nach der AKW-Krise 2011 eingeführt worden. Dabei wird jeder einzelne Reissack auf eine mögliche Kontamination des Inhalts geprüft. Dieses Vorgehen ist aufwändig, teuer und behindert den wirtschaftlichen Wiederaufbau.

Im vergangenen Jahr wurde daher das bisherige Vorgehen von Experten hinterfragt und mit der Suche nach alternativen Konzepten begonnen, die Sicherheit und Aufwand gleichermaßen berücksichtigen.

Die Stichproben-Kontrolle im Rahmen der so genannten FGAP-Initiative, wurde dabei als sinnvolle Möglichkeit ins Gespräch gebracht. In der Ankündigung vom heutigen Freitag wurde Uchibori diesbezüglich konkreter.

Nachdem seit nunmehr drei Jahren keine Überschreitung des zulässigen Grenzwerts von 100 Becquerel pro Kilogramm erfolgte, will man nun zwei weitere Jahre abwarten, bevor dann 2020 auf Stichproben-Kontrollen umgestellt werden soll.

Ausgenommen von der Regelung werden jedoch nach Aussage von Uchibori zumindest 12 Gemeinden, die in der Nähe des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi liegen. Dort sollen die aufwändigen Einzeltests weitergeführt werden.

Die Umstellung war bereits im Juni 2017 diskutiert worden. Im Folgemonat kam es dann zur offiziellen Vorstellung des FGAP-Konzepts.

Vor der Einführung des Stichproben-Systems will man zunächst Landwirte, Großhändler und die Verbraucher über die genauen Umstände informieren, um die Akzeptanz für die Lebensmittel zu erhalten. Das berichtete die NHK.