Start Aktuelles Fukushima aktuell: Dekontaminationsabfälle sollen in Bauprojekten verschwinden

Fukushima aktuell: Dekontaminationsabfälle sollen in Bauprojekten verschwinden

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Artikelbild - Straßen im Tohoku-Katastrophengebiet am 15. März 2011 (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Präfektur Fukushima: Dekontaminationsabfälle könnten im Straßenbau enden (Symbolfoto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Während das Eiswallprojekt am AKW Fukushima heute einen wichtigen Schritt nach vorn machte, sind andere Dinge zwar noch Zukunftsmusik, beschäftigen aufgrund ihrer Bedeutung jedoch bereits jetzt die Regierung.

Weitere Fukushima News befassen sich mit einer Klage, Dekontaminationen und einem Kraftwerksbesuch. Die Details gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. März 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Kontaminierte Fukushima-Abfälle könnten Baumaterial werden
  • NRA genehmigt Start der Teilgefrierung des Eiswalls
  • Keine Anklage gegen TEPCO-Führung wegen radioaktiver Wasserlecks
  • Externe Sicherheitsexperten besuchen AKW Fukushima
  • Dekontamination in Kawamata soll Sicherheit gewährleisten

Kontaminierte Fukushima-Abfälle könnten Baumaterial werden: Das Umweltministerium hält eine Wiederverwendung von radioaktiv belasteten Abfällen möglich, die im Rahmen von Dekontaminationsarbeiten anfallen.

Diese Abfälle könnten dann in recycelter Form in Bauprojekten verwendet werden. Voraussetzung sei lediglich, dass die Strahlungsbelastung niedrig genug sei und unter 8.000 Becquerel liege.

Nach Ansicht von Experten, die sich heute zu einem Treffen zusammenfanden, könnten mehr als 90 Prozent des Materials für Straßen, Dämme und andere öffentliche Anlagen wiederverwendet werden, wenn es gelänge, radioaktives Material zu entfernen.

Doch bislang gibt es keine standardisierte  Technologie zur erforderlichen Verarbeitung und die bislang bekannten Verfahren sind kostenintensiv.

Da eine Wiederverwendung jedoch die Dauer der Zwischenlagerung verkürzen und das Endlagerproblem lösen würde, sieht Minister Shinji Inoue imn Recycling eine wichtige Strategie, für die er nun mehr Akzeptanz und Förderung erwirken wolle.

Über diese Einschätzungen berichtete die NHK.

NRA genehmigt Start der Teilgefrierung des Eiswalls: Am heutigen Mittwoch genehmigte die japanische Atomaufsichtsbehörde NRA den Start der Teilgefrierung im Rahmen des so genannten Eiswallprojekts.

AKW Fukushima: Befüllungsarbeiten beim Eiswallprojekt am 15. September 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Befüllungsarbeiten beim Eiswallprojekt am 15. September 2015 (Foto: TEPCO)

TEPCO will bereits morgen mit der Einleitung der Kühlflüssigkeit auf einem 1,1 Kilometer messenden Teilstück auf der Küstenseite beginnen. Nach den Berechnungen des Unternehmens ist in anderthalb Monaten mit ersten Effekten der Maßnahme zu rechnen.

Der Abschluss der Installationsarbeiten am Eiswall erfolgte bereits im Februar – doch die Aufsichtsbehörde blockierte den Start zunächst aufgrund von Sicherheitsbedenken, nachdem sie im vergangenen April die Maßnahme grundsätzlich gebilligt hatte.

TEPCO will  um die Reaktoren 1 bis 4 durch 1.568 unterirdische Rohre ein Kühlmittel zirkulieren lassen und so das umgebende Erdreich gefrieren.

Durch diese Grundwasserbarriere soll der Austausch zwischen stark radioaktivem Wasser aus den Reaktorgebäuden und dem Grundwasser des Kraftwerksgeländes unterbrochen werden.

Das Unternehmen hofft bei einem Vollbetrieb des Systems, die Menge an täglich anfallenden radioaktiven Abwässern durch diese Maßnahme auf 50 Tonnen reduzieren zu können.

Die NRA hatte zunächst die Zustimmung zum Start verweigert, da man von Betreiberseite nicht ausreichend Sicherheitsmaßnahmen für den Fall eines plötzlichen Absackens des Grundwasserpegels getroffen sah.

Dies könnte den schwallartigen Austritt von stark radioaktiv kontaminiertem Abwasser aus den Reaktorgebäuden zur Folge haben. TEPCO war auf die Sicherheitsbedenken eingegangen und hatte sein Konzept angepasst.

Nun soll zunächst das 690 Meter umfassende Teilstück auf der Küstenseite gefroren werden. Anschließenden sollen sieben weitere Teilstücke von insgesamt 45 Metern nacheinander ebenfalls gefroren werden.

Dieses schrittweise Vorgehen soll eine höhere Sicherheit gewährleisten, da auf Grundwasserschwankungen dann gezielt durch die Einspeisung von Wasser reagiert werden könne, so dass Unternehmen.

Über die Genehmigung zum Startschuss berichteten unter anderem die Asahi Shimbun, jiji, NHK und Präfekturmedien.

Keine Anklage gegen TEPCO-Führung wegen radioaktiver Wasserlecks: Die Staatsanwaltschaft verzichtete im Fall radioaktiver Abwässer, die ins Meer gelangt waren, auf eine Anklage gegen jetzige und ehemalige Führungskräfte des Energieunternehmens TEPCO.

Als Begründung für die Ablehnung nannte die Staasanwaltschaft den Mangel an Beweisen für das Verschulden. Im Juli 2013 waren 300 Tonnen radioaktives Wassers aus Lagertanks ins Meer gelangt.

Im September 2013 beschloss eine Bürgerrechtsgruppe insgesamt 32 Personen zu verklagen, darunter den jetzigen TEPCO-Präsidenten Naomi Hirose und seinen Vorgänger Tsunehisa Katsumata. Im Oktober 2015 wurde die Klage eingerecht.

Der Vorwurf lautete, die Unternehmensführung habe die Kontrolle der Lagertanks vernachlässigt und keine ausreichenden Maßnahmen zum Schutz von Wasserlecks getroffen. Doch diese Versäumnisse wären nicht nachweisbar gewesen.

Nachdem Hirose und Katsumata jetzt von der Verantwortung freigesprochen wurden, brechen auch die Anschuldigungen gegen die übrigen Beklagten ein, da sie alleine gar nicht die Befugnis gehabt hätten, Schutzmaßnahmen zu veranlassen.

Über diesen Rückschlag berichteten mehrere japanische Medien, darunter Asahi Shimbun, jiji, NHK und Präfekturmedien.

Externe Sicherheitsexperten besuchen AKW Fukushima: Gestern besuchte eine Expertengruppe des NRMC die Kraftwerksanlage, um sich vor Ort einen Eindruck vom Status und Fortschritt der Arbeiten zu verschaffen.

AKW Fukushima: Besuch durch die NRMC am 29. März 2016 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Besuch durch die NRMC am 29. März 2016 (Foto: TEPCO)

Lobend erwähnt wurde die großlächige Reduzierung der Umgebungsradioaktivität, was das Tragen von großen Atemschutzmasken auf dem Großteil der Anlage überflüssig mache, sowie die Eröffnung eines Ladens und die Bereitstellung der Kantine.

Diese Maßnahmen würden die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten verbessern und auf diese Weise Motivation und Sicherheit positiv beeinflussen.

Anlässlich des Besuchs hielten Dale Klein und Barbara Judge vom „Nuclear Reform Monitoring Committee“ (NRMC), dass die Arbeiten am AKW Fukushima Daiichi beratend begleitet, eine Ansprache für TEPCO-Beschäftigten im erdbebensicheren Verwaltungsgebäude.

Besondere Risiken werden mit der künftigen Bergung bereits geschmolzener Brennelemente verbunden sein, so dass die Sicherheit oberste Priorität haben müsse. In einigen Fällen sei auch eine Überarbeitung  des Arbeitskonzepts sinnvoll.

Über den Besuch berichteten neben dem Kraftwerksbetreiber TEPCO, der zudem Bildmaterial bereitstellte, auch Präfekturmedien.

Dekontamination in Kawamata soll Sicherheit gewährleisten: In einem Endbericht über die Auswirkung der Dekontaminationsarbeiten im Viertel Yamakiya kommt der Untersuchungsausschuss zu einem positiven Ergebnis.

Wie bereits der Zwischenbericht vom vergangenen Juli gezeigt habe, stelle das Strahlungsniveau dort keine Gesundheitsgefahr für Bewohner des Viertels dar.

Wenn man ein Jahr lang täglich sechseinhalb Stunden im Freien arbeiten würde, dann sei eine durchschnittliche Belastung von 1,1 Millisievert zu erwarten. Die höchste zu erwartende Jahresdosis läge bei 3,1 Millisievert.

Die Entscheidung über die Aufhebung der Evakuierungsanordnung hatte die Verwaltung von Kawamata vom Ergebnis des Untersuchungsberichts abhängig gemacht.

Der Umstand, das keine gesundheitlichen Folgen zu befürchten sind, könnte die Entscheidung nun beschleunigen. Über die aktuellen Ergebnisse berichteten Präfekturmedien.

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