Fukushima aktuell: Dekontaminationskosten in der Kritik

Fukushima aktuell: Dekontaminationskosten in der Kritik

Mangelnder Rückkehrwille stellt Maßnahmen in Frage

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Artikelbild - Yen Geldscheine (Foto: pd)
Bestechung bei Auftragsvergabe in der Präfektur Fukushima (Symbolfoto: pd)

Die in der Präfektur Fukushima heute durchgeführten Maßnahmen sollen eigentlich eine Investition in die Zukunft der Region sein – doch wird in Japan aktuell durchaus deren Sinnhaftigkeit in Zweifel gezogen.

Weitere Fukushima News betreffen unter anderem auch kontaminierte Waschstraßen für Autos. Einzelheiten gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. Januar 2017.

Unsere heutigen themen im Überblick:

  • Zweifel an Kosteneffektivität von Dekontamination
  • Erste Schritte zur Reinigung kontaminierter Autowaschanlagen
  • Sorge um medizinische Versorgung in Hirono
Zweifel an Kosteneffizienz von Dekontamination

Mit Professor Masafumi Yokemoto zieht ein Akademiker das Verhältnis von Kosten und Nutzen der Dekontaminationsarbeiten in den Gebieten der Region Tohoku in Zweifel

Da viele frühere Einwohner nicht mehr die Absicht haben, in ihre einstigen Wohnorte zurückzukehren und somit das ursprüngliche Ziel der Maßnahme vielfach hinfällig sei, müsse die Sinnhaftigkeit der Arbeiten in Frage gestellt werden.

Mit Stand vom November 2016 läufen in 30 Gemeinden von vier Präfekturen derzeit Arbeiten. Deren Abschluss ist für Ende März diesen Jahres geplant. Bislang wurden in 101 Gemeinden von acht Präfekturen derartige Maßnahmen durchgeführt.

Ob der Plan, ab April auch in Sperrgebieten mit vergleichsweise hoher Strahlung dortige Gebiete zu dekontaminieren, möglicherweise erneut geprüft wird, bleibt abzuwarten. Über die Bedenken von Professor Yokemoto berichtete die NHK.

Erste Schritte zur Reinigung kontaminierter Autowaschanlagen

Drei Automobilverbände wollen gemeinsam daran Arbeiten, die radioaktiv kontaminierten Ablagerungen in Autowaschanlagen zu reduzieren. Das Problem war im November vergangenen Jahres erstmals medial stärker aufgegriffen worden.

Die in Waschstraßen für Fahrzeuge abgespülten Feststoffe werden in Tanks eingelagert, so dass sich dort radioaktives Material konzentriert. Die im Dezember 2016 bekannt gegebene Absicht zur Dekontamination der Anlagen soll nun Gestalt annehmen.

So ist für die Ortschaft Iitate offenbar eine Art von Aufbereitungsanlagen geplant, deren Bau und Wartung von Unternehmen für Abfallentsorgung übernommen werden sollen. Als Standorte sind Gelände in der Nähe bereits bestehender Entsorgungsanlagen vorgesehen.

Die Anlagen sollen zweiteilig sein: In einer ersten Vorrichtung soll dem Schlamm das Wasser entzogen und in der zweiten Vorrichtung getrocknet werden. Dadurch wird das Volumen der Abfälle reduziert und soll dann in ein Zwischenlager verbracht werden.

Trotz dieses Vorgehens werden mehrere tausend Behäter anfallen. Man geht derzeit schätzungsweise etwa von 8.500Das ist angesichts von 1.700 Autowaschanlagen in der Präfektur allerdings wenig verwunderlich.

Erste Schritte wurden jetzt bereits getan, als gestern der Betreiber einer Entsorgungsanlage der Präfekturverwaltung vorläufige Angaben zur Funktion und Leistungsfähigkeit der Anlagen machte.

Jetzt soll mit dem Umweltministerium das weitere Vorgehen besprochen werden – etwa im Bereich der Arbeitssicherheit und der Vorbehalte gegen Zwischenlager in der Region. Über diese Pläne berichteten Präfekturmedien.

Sorge um medizinische Versorgung in Hirono

Nach dem Tod des Arztes Dr.  Hideo Takano, der am 30. Dezember bei einem Hausbrand ums Leben kam, ist die Gemeinde auf der Suche nach neuen Medizinern, die bereit sind, dort zu arbeiten. Bislang gibt es für die medizinische Versorgung nur Notlösungen.

Nach dem Ausbruch der Kraftwerkskatastrophe hatte er es abgelehnt, zu evakuieren und hatte stattdessen seine Arbeit als Leiter des Takano-Krankenhauses weiter fortgeführt und sowohl bereits vorhandene Patienten, als auch Kraftwerksarbeiter versorgt.

Derzeit betreut das Krankenhaus zwar sowohl Rückkehrer als auch AKW-Arbeiter, doch nach dem Tod von Doktor Takano, dessen Identität durch eine DNA-Untersuchung zwischenzeitlich bestätigt wurde, gibt es keinen Vollzeit-Mediziner mehr in der Klinik.

Mittlerweile gibt es Unterstützungsmaßnahmen, wie etwa die zeitweise Entsendung von Ärzten aus anderen Kliniken des Landes und die Gründung einer Initiative zur Unterstützung des Krankenhauses.

Kollegen und frühere Patienten drückten gegenüber den Medien ihr Bedauern über den Todesfall aus und erinnerten sich an persönliche Hilfestellungen. Über die Probleme der medizinischen Versorgung in Hirono und Lösungsansätze berichteten Mainichi Shimbun und Präfekturmedien.

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