Fukushima aktuell: Demontage von Reaktor-Schutzmantel kurzfristig verschoben

Fukushima aktuell: Demontage von Reaktor-Schutzmantel kurzfristig verschoben

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 1: Sprüharbeiten am 4. August 2016 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Sprüharbeiten am 4. August 2016 (Video: TEPCO)

Alles schien vorbereitet – doch widrige Umstände machten am AKW Fukushima heute den geplanten Start von Demontage-Arbeiten vorerst unmöglich. Unterdessen hat TEPCO mit Sicherheitsvorwürfen gegen sein zweites AKW zu kämpfen.

Auch die Dekontamination bleibt in Japan aktuell ein Thema der Fukushima News, ebenso wie Lebensmittelbelastungen und Krebsfälle. Die Details gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. September 2016.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Demontage von Reaktor-Schutzmantel kurzfristig verschoben
  • TEPCO wegen Sicherheitsmangel an AKW Fukushima Daini verwarnt
  • Massenhaft Dekontaminationsabfälle durch Bahnstrecke
  • Lebensmittelbelastungen weit unter Grenzwert
  • Unterstützung für Fukushima-Kinder mit Schilddrüsenkrebs
Demontage von Reaktor-Schutzmantel kurzfristig verschoben

Trotz der abgeschlossenen Vorbereitungsarbeiten der vergangenen Monate, wurde der für den heutigen Montag geplante Start der Entfernung einzelner Wandpaneele des Schutzmantels um Reaktor 1 nun doch verzögern.

In den vergangenen Monaten waren Trümmer geräumt, Schutt mit einer Art übergroßem Industriestaubsauger entfernt und ein Sprinklersystem für das Versprühen chemischer Bindemittel gegen das Aufwirbeln radioaktiven Staubs installiert worden.

Doch jetzt mussten die Arbeiten auf morgen verschoben werden. Ursache hierfür sind starke Winde, die sowohl die Demontage behindern, als auch die Freisetzung von radioaktivem Material begünstigen können.

Es bleibt somit abzuwarten, ob die morgigen Wetterbedingungen eine Aufnahme der Arbeiten möglich machen werden. Es handelt sich um insgesamt 18 Seitenpaenele, für deren Entfernung ein Zeitraum von etwa drei Monaten geplant ist.

Neben dem Kraftwerksbetreiber TEPCO berichtete auch die NHK.

TEPCO wegen Sicherheitsmangel an AKW Fukushima Daini verwarnt

Die japanische Atomaufsichtsbehörde NRA hat den Elektrizitätsanbieter TEPCO verwarnt, nachdem an seinem zweiten Kernkraftwerk in der Präfektur Fukushima ein Sicherheitsleck entdeckt worden war.

AKW Fukushima Daini in Japan. Foto: Tepco
AKW Fukushima-Daini: NRA kritisiert fehlende Behebung von Sicherheitsmängeln (Foto: TEPCO)

Bei einer Inspektion im vergangenen Oktober war ein Zugangssensor aufgefallen, der keinen Alarm gab. Im Normalfall soll er das unbemerkte Eindringen verhindern.

Die Vorrichtung war nach Angaben von TEPCO bewusst täglich abgestellt worden, nachdem der Detektor mehrfach auf bewegende Objekte, statt auf Menschen reagiert und Fehlalarme ausgelöst hatte.

Die Entscheidung zur täglichen Abschaltung sei zwar in Absprache mit den Sicherheitsverantwortlichen im Kraftwerk erfolgt, allerdings räumte TEPCO abnehmendes Sicherheitsbewusstsein ein.

Die NRA kritisierte am heutigen Montag, dass bislang keine ausreichenden Alternativmaßnahmen zum Sensor geschaffen worden seien. Dies stelle einen Bruch der Sicherheitsbestimmungen dar und müsse dringend behoben werden.

TEPCO versprach, sich des Problems anzunehmen und unter anderem seine Mitarbeiter entsprechend zu schulen. Das berichtete die NHK

Massenhaft Dekontaminationsabfälle durch Bahnstrecke

Aufgrund der Dekontaminationsarbeiten an der Joban-Bahnstrecke zwischen Namie und Tatsuta, die im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein sollen, wird mit zusätzlichen 300.000 Kubikmetern an kontaminierten Abfällen gerechnet.

Aufgrund der Fukushima-Katastrophe sind mehrere Teile der Joban-Linie immer noch gesperrt. Zu den erforderlichen Dekontaminationsmaßen gehört der Austausch von Gleisschotter und die Entfernung von Bäumen und Pflanzen an der Bahnstrecke.

Wohin die zahlreichen Säcke mit Dekontaminationsabfällen hin sollen, bleibt bis auf weiteres unklar, allerdings hat das Umweltministerium einen Plan, der sicher bei einigen Personen für Verwunderung sorgen wird.

Neben dem Versuch, Erlaubnisse zur Benutzung von Privatgrundstücken nahe der Bahnstrecke zu erhalten, wird auch erwogen, das Material einfach an jenen Orten abzulegen, die aufgrund die Verlagerung der dortigen Säcke in das Zwischenlager frei werden.

Über diese Maßnahmen und die damit verbundenen Probleme berichtete die jiji.

Lebensmittelbelastungen weit unter Grenzwert

Wie das Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei mitteilte, wiesen im Fiskaljahr 2015 lediglich 0,1 Prozent der  geprüften Lebensmittel eine radioaktive Belastung auf.

Tokyo: Lebensmittel (Foto: Copyright by KJ)
Frische Lebensmittel in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

Insgesamt habe man in diesem Zeitraum 260.538 Produkte aus 17 Präfekturen nordöstlich der Präfektur Shizuoka untersucht und nur in 264 Fällen eine Überschreitung des Lebensmittelgrenzwerts festgestellt.

Dabei handelte es sich in 259 Fällen um schwer zu kontrollierende Produkte wie frei wachsende Pilze, Fleisch von Wildtieren und Frischwasserfische.

Bei den übrigen Überschreitungen handelt es sich um Reis und Sojabohnen aus der Präfektur Fukushima (jeweils zwei Fälle) und einen Fund bei Buchweizen aus der Präfektur Iwate. Sie wurden für den Privatgebrauch angepflanzt und kamen nicht in den Handel.

Trotz der Inspektionen, die insgesamt etwa vier Milliarden Yen kosteten, ist das Misstrauen gegenüber Produkten aus der Präfektur Fukushima weiterhin hoch – auch wenn nach offizieller Meldung in 99,99 Prozent der Fälle die Belastung sogar unter 25 Becquerel gesunken war.

Über die positiven Bilanz und das dennoch bestehende Misstrauen berichtete die Mainichi Shimbun.

Unterstützung für Fukushima-Kinder mit Schilddrüsenkrebs

Die Berichte über Kinder, bei denen nach der Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi im Rahmen umfassender Gesundheitskontrollen mehrere Fälle von Schilddrüsenkrebs nachgewiesen wurden, beschäftigten auch international die Medien.

Vermutlich aufgrund von Unkenntnis über das japanische Gesundheitssystem ist jedoch kaum etwas über die Kosten für Behandlung und Betreuung der jungen Patienten bekannt.

Am vergangenen Freitag gab der „Schilddrüsenkrebsfond für die Kinder des 3/11“ bekannt, ab dem 20. September nun Spenden zur finanziellen Unterstützung der Kinder entgegen zu nehmen. Man erhofft sich ein Spendenziel von 20 Millionen Yen.

Mit diesem Geld ließen sich zwischen 200 bis 400 Personen mit Finanzhilfe von etwa 50.000 Yen unterstützen. Mit dem Geld sollen vor allem die medizinischen Kosten gedeckt werden.

Denn auch wenn die Kosten von der Präfektur erstattet werden, müssen die Familien zunächst das benötigte Geld selbst aufbringen. Zusätzlich kommen Ausfälle im Beruf und Anfahrtskosten zu den Kliniken.

Trotz der Krankenversicherungen müssen Patienten für Untersuchungen (ca. 10.000 Yen). Operationen (ca. 150.000 Yen) und Endoskopien (zusätzliche 300.000 Yen) aufkommen.

Einzelheiten darüber, wer genau einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen kann,  will die Gruppe im November bekannt geben. Über die Aktion berichteten mehrere japanische Medien.

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