Start Aktuelles Fukushima aktuell: Deutliche Verzögerung der Brennelemente-Bergung aus Reaktor 1

Fukushima aktuell: Deutliche Verzögerung der Brennelemente-Bergung aus Reaktor 1

1812
0
TEILEN
Artikelbild - Reaktor 1: Schutzmantelarbeit am 22. Oktober 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Weitere Arbeiten verzögern sich deutlich (Symbolfoto: TEPCO)

Verzögerungen bei Arbeiten werden neben dem AKW Fukushima heute auch von einer anderen japanischen Anlage gemeldet. Zu den Fukushima News gehört jedoch auch ein Bericht über die Entsorgung radioaktiv belasteter Abfälle. Weitere Neuigkeiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. Oktober 2014.

Unsere heutigen Meldungen:

  • Verschiebung von Brennelemente-Bergung aus Reaktor 1 erwartet
  • Verschiebung bei Bau von Wiederaufarbeitungsanlage
  • Verbrennung von radioaktiv belasteten Abfällen für 2015 geplant
  • Sendai-Neustartproteste in Tokyo
  • Mögliche Ursache für  Cäsiumanstiege an Grundwassermessposten

Verschiebung von Brennelemente-Bergung aus Reaktor 1 erwartet: Kraftwerksbetreiber TEPCO und die japanische Regierung gehen offenbar von einer mehrjährigen Verzögerung bei der Bergung der geschmolzenen Brennelemente aus dem Becken von Reaktor 1 aus.

Der Beginn der ursprünglich für das Fiskaljahr 2020 vorgesehenen Maßnahmen zur Entfernung geschmolzener Brennelemente werde sich um etwa fünf Jahre, bis 2025  verschieben.

Auch die Bergung von abgebrannten, aber intakten Brennelementen aus einem Kühlbecken oberhalb des Reaktors, wird  von der Planung zur ersten Hälfte des Fiskaljahr 2017 abweichen. In diesem Fall liegt die erwartete Verzögerung bei zwei Jahren und somit bis 2019.

Als Ursache gelten die radioaktiv belasteten Trümmer innerhalb von Reaktorgebäude 1. Diese zu entfernen und dabei die Umwelt vor radioaktiver Kontamination zu schützen, wird die Arbeiten zur Bergung von Brennelementen verzögern. Das berichtete die Kyodo unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Weitere japanische Medien wie die Asahi Shimbun und NHK berichteten ebenfalls.

Es wird offenbar nicht erwartet, dass die Verzögerungen an Reaktor 1 einen Einfluss auf den allgemeinen Zeitplan zur Stilllegung der Anlage haben wird. Für diesen finalen Schritt wird ein Zeitraum zwischen 30 und 40 Jahren erwartet.

Bereits jetzt ist klar dass allein die Entfernung des Schutzmantels erst im März 2015 vollumfänglich anlaufen wird, was einer Verzögerung von mehr als sechs Monaten im Vergleich zum angesetzten Zeitplan entspricht. Dieser späte Zeitpunkt ist darauf zurückzuführen, dass die Entmantelung von Reaktor 1 verschoben worden war, nachdem Berichte über Reisfeldkontamination nach Arbeiten an Reaktor 3 für Unruhe und Bedenken in der Bevölkerung gesorgt hatten.

Brennelemente-Bergungen an den Reaktoren 2 und 3 laufen derzeit nicht. Während in Reaktor 2 die hohe Radioaktivität den effektiven Einsatz menschlicher Arbeiter verhindert, ruhen die Arbeiten an Reaktor 3, nachdem im August ein Trümmerteil in das Lagerbecken gestürzt war.

Verschiebung bei Fertigstellung von Wiederaufarbeitungsanlage: Wie der Betreiber der Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho (Präf. Aomori) der Präfekturführung mitteilte, wird sich die Fertigstellung der Anlage auf März 2016 verschieben.

Es handelt sich um die mittlerweile 22. Verzögerung von Arbeiten an der von Problemen geschüttelten Anlage im Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshu. Ursächlich sind nach Angaben der Japan Nuclear Fuel Ltd (JNFL), in diesem Fall die seit Januar laufenden Sicherheitsprüfungen durch die Atomaufsichtsbehörde NRA.

Wieviel Zeit die Kontrollen nach den verschärften Standards in Anspruch nehmen wird, ist unklar. Dies berichtete die NHK. Unabhängig vom Zeitraum stellen Verzögerungen ein Hindernis für die Politik von Premierminister Shinzo Abe an. Dieser setzt auf Atomenergie als Energiequelle für Japan.

Verbrennung von radioaktiv belasteten Abfällen für 2015 geplant: Am gestrigen Mittwoch wurde in Namie (Präf. Fukushima) der Bau einer temporären Verbrennungsanlage begonnen. Die ersten Verbrennungen von kontaminierten Katastrophentrümmern der Tohoku-Katastrophen und Dekontaminationsanfällen sollen im Juli 2015 beginnen.

Schwarze Säcke mit radioaktiv kontaminiertem Material (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Verbrennung soll Lagerung von kontaminiertem Abfall erleichtern (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Die Anlage soll täglich bis zu 300 Tonnen an brennbaren Abfällen bewältigen und die Maßnahme bis April 2017 abgeschlossen sein. Die dabei entstehende Asche mit Belastungen über 100.000 Becquerel pro Kilogramm soll dann in die Zwischenlager transportiert werden. Über die Verbrennungspläne berichteten Präfekturmedien.

Durch die Verbrennung wird das Volumen des Materials reduziert und die Einlagerung erleichtert. Die Verantwortlichen erhoffen sich von der unkomplizierten Entsorgung der insgesamt etwa 163.000 Tonnen eine bessere Wiederbelebung der Region.

Sendai-Neustartproteste in Tokyo: Nachdem die Verwaltung von Satsumasendai einem Neustart des AKW Sendai (Präf. Kagoshima) zugestimmt hatte, protestierte am gestrigen Mittwoch eine Gruppe von Menschen in Geschäftsanzügen im Tokyoter Bezirk Shinbashi.

Nach Angaben der Teilnehmer wolle man vor allem andere Angestellte dazu bewegen, über die Entwicklungen nachzudenken und Gleichgesinnte um sich zu scharen. Über die Mobilisierungsaktion berichtete die Asahi Shimbun. Bereits im Oktober vergangenen Jahres waren in Japans Hauptstadt derartige „Angestelltenproteste“ von Atomkraftgegnern organisiert worden.

Mögliche Ursache für  Cäsiumanstiege an Grundwassermessposten: Der Kraftwerksbetreiber TEPCO hat möglicherweise Zusammenhänge zwischen dem Anstieg der Cäsiumkonzentrationen an zwei Messposten  entdeckt.

Die Wasserproben aus den unterirdischen Entwässerungsleitungen Nr. 18 und Nr. 19, die jetzt als Grundwasserbrunnen zur Probenentnahme („subdrains“) dienen, wiesen für den 22. und 23. Oktober hohe Cäsiumkonzentrationen auf, so dass die Grundwasserpumpen dort nicht weiter genutzt wurden.

In einer jetzt durchgeführten Untersuchung wurde offenbar ein Zusammenhang mit anderen Grundwasserbrunnen über deren Leitungen deutlich. Die Möglichkeit einer Art gegenseitiger Einspeisung war etwa durch Reinigungsmaßnahmen von Leitungen und Differenzen zwischen Belastungen auf Küsten- und Bergseite aufgefallen.

Bislang hatte TEPCO für die Anstiege an radioaktivem Material lediglich die Regenfälle genannt, was jedoch nicht erklärte, weshalb lediglich bestimmte Grundwasserbrunnen drastisch erhöhte Werte aufweisen. Dies könnte nun TEPCO durch offenbar gezielte Blockade einiger Leitungen erreichen, um den Transfer von radioaktivem Cäsium zu verhindern.

Nachdem aus Sicherheitsgründen die Entnahme von Grundwasserproben an den beiden Messposten auf tägliche Entnahmen gesteigert worden war, jedoch nun keine besonderen Schwankungen festgestellt wurden, will das Unternehmen die Entnahme auf einmal wöchentlich verringern, um so die Strahlungsbelastung der mit den Arbeiten betrauten Angestellten zu reduzieren.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here