Fukushima aktuell: Diskussion um umstrittene Schilddrüsentests

Fukushima aktuell: Diskussion um umstrittene Schilddrüsentests

Ängste der Einwohner von Fukushima sollen berücksichtigt werden

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Artikelbild - Schilddrüse (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Zweifel an der Statistik von Schilddrüsenkrebs bei Kindern (Grafik: pd)

Die Schilddrüsentests werden in Fukushima heute erneut zu einem Thema, das dortige Menschen dort emotional vermutlich stärker berührt, als die Fukushima News zur Kostenexplosion der Stilllegungskosten.

Weitere Meldungen gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Dezember 2016.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Empfehlung für Freiwilligkeit der Schilddrüsenkontrollen
  • Ursache für Kühlausfall an Reaktor 3 bestätigt
  • Stilllegungskosten für AKW Fukushima verdoppeln sich
  • Transfer von Dekontaminationsabfällen soll gesteigert werden
Empfehlung für Freiwilligkeit der Schilddrüsenkontrollen

Bei Gesprächen vergangener Woche wurde die Vorgehensweise bei den Gesundheitskontrollen von Bürgern der Präfektur Fukushima gesprochen, die zum Zeitpunkt der AKW-Krise maximal 18 Jahre alt waren.

Nachdem im September ein internationales Expertentreffen in Fukushima Stadt stattgefunden hatte, war eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen formuliert worden und Masao Uchibori, Gouverneur der Präfektur, sah dies als wichtigen Vorschlag an.

Der Vorsitzende der Nippon Foundation, Yohei Sasagawa besuchte die Präfektur, um die Angelegenheit zu erläutern und Gouverneur Uchibori erklärte, er sei gerne bereit, die Empfehlung beim Treffen eines Gesundheitsausschuss einzubeziehen.

Hauptgrund der Diskussion sind die so genannten „Überdiagnosen“ bei Schilddrüsen-Screenings – es werden auch Veränderungen im Frühstadium entdeckt, die keine Gesundheitsgefahr darstellen, aber die Bevölkerung verunsichern.

Es waren bereits Forderungen nach einem Stopp der Schilddrüsentests laut geworden und dieses Anliegen war von einigen Ärzten unterstützt worden.

Die zusammengestellten Empfehlungen raten dazu, die Risiken und Vorteile des Einzelnen und der Gesellschaft abzuwägen und auf eine freiwillige Teilnahme an den Kontrollen zu setzen.

Dabei sei die Zusammenarbeit mit Organisationen, die über ausreichend Erfahrung mit den gesundheitlichen Folgen von Radioaktivität verfügen – wie etwa die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) – von Bedeutung.

In welcher Weise die Empfehlungen möglicherweise auch international von Relevanz sein werden, muss die Zukunft zeigen. Über den Besuch und die Empfehlungen berichteten Präfekturmedien.

Ursache für Kühlausfall an Reaktor 3 bestätigt

Wie der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi am vergangenen Donnerstag mitteilte, ist die Ursache des Kühlsystemausfalls an Reaktor 3, der sich zu Beginn der Woche ereignete, offenbar geklärt.

Demnach war der Angestellte nicht unmittelbar mit seinem Arm, sondern aufgrund seiner Schutzkleidung an der Abdeckung des Hebels hängen geblieben und hatte in Folge den Stopp des Systems herbeigeführt.

Über diese Bekanntgabe, die eine Reaktion auf den Wunsch nach detaillierteren Informationen ist, berichteten Präfekturmedien.

Stilllegungskosten für AKW Fukushima verdoppeln sich

Gegen Ende vergangener Woche gab ein Regierungsausschuss auf einer  Pressekonferenz bekannt, dass sich die Gesamtkosten für die dauerhafte Stilllegung vermutlich annähernd verdoppeln werden.

Statt der im Jahr 2013 anvisierten 11 Billionen, werden nun Kosten in Höhe von 21,5 Billionen Yen erwartet. Der größte Anstieg wird bei den unmittelbaren Kosten am Kernkraftwerk gesehen. Dort werden nun acht statt bislang zwei Billionen veranschlagt.

Hiroshige Seko, Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) bemühte sich jedoch um eine gewisse Relativierung. Angesichts neuer technologischer Entwicklungen sei durchaus auch eine Reduzierung der Kosten möglich.

Über die neuen Schätzungen berichteten mehrere japanische Medien, darunter Kyodo, Mainichi Shimbun und Asahi Shimbun.

Passend hierzu wurde am heutigen Montag das „Kanji des Jahres 2016“ vorgestellt – das Schriftzeichen für „Gold“ bzw. „Geld“.

Transfer von Dekontaminationsabfällen soll gesteigert werden

Am vergangenen Freitag gab das Umweltministerium bekannt, im Fiskaljahr 2017 die Menge an abtransportierten Abfällen auf 500.000 Kubikmeter zu steigern und damit das bisherige Volumen von 150.000 Kubikmetern zu verdreifachen.

Das ist das Ergebnis einer Planung unter Beteiligung mehrere Städte und Ortschaften der Präfektur, wie etwa Futaba, Iwaki und Aizu-Wakamatsu.

In diesem neuen Plan hat die Räumung von Schulanlagen besondere Priorität. Die dunklen Kunststoffsäcke mit dem radioaktiv belasteten Material werden auf öffentlichen Anlagen und Privatgrundstücken in der ganzen Präfektur gelagert.

Der Plan eines Zwischenlagers wird durch neue Zusagen von 72 Grundstückseigentümern gefördert, die sich vertraglich bereit erklärt haben, ihren Grundbesitz als Teil des Lagerstandorts zur Verfügung zu stellen.

Bislang sind nur 12,8 Prozent der benötigten Gesamtfläche durch derartige Regelungen wirklich gesichert. Mit den Arbeiten zur Zwischenlagerung soll im Herbst kommenden Jahres begonnen werden. Entsprechende Anlagen befinden sich bereits im Bau.

Die Gesamtzahl dieser Anlagen, die etwa Anlieferung und Sortierung der Abfälle ermöglichen, soll aufgrund der steigenden Liefermenge erhöht werden., Auch eine Verstärkung der Straßen, um dem Gewicht standzuhalten ist geplant.

Über den Zeitplan und die verschiedenen Maßnahmen berichteten Präfekturmedien.

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