Fukushima aktuell: Dosimeterkontrollen bei Kindern unzureichend

Fukushima aktuell: Dosimeterkontrollen bei Kindern unzureichend

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Artikelbild - Kinder in Katastrophenpräfekturen benötigen Traumahilfe (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Präfektur Fukushima: Drohungen gegen Jugendprojekt für Wiederaufbau (Symbolfoto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Nach den ersten Neujahrstagen kehrt die Betriebsamkeit in vielen Unternehmen wieder ein – und im Zusammenhang mit den Folgen der AKW-Krise, gibt es aus Fukushima heute neue Meldungen.

Dabei geht es um Strahlungsmessung, Streitigkeiten um Dekontamination und Verstöße gegen das Arbeitsrecht. Die Details der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. Januar 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Kinder nutzten Dosimeter nicht vorschriftsgemäß
  • Tiefergehende Dekontamination der Wälder gefordert
  • Arbeitskräftemangel führt zu illegaler Beschäftigung Minderjähriger

Kinder nutzten Dosimeter nicht vorschriftsgemäß: Eine Studie untersuchte die Unterschiede der Strahlungsmessungen bei Kindern aus Minamisoma, die ihr Dosimeter nicht regelmäßig bei sich trugen, mit denen, regelkonformer Verwendung.

Untersucht wurden 1.637 Schulkinder, die zwischen 18 und 20 Monate nach der Fukushima-Katastrophe dort lebten und denen das Tragen der Dosimeter durch ein Kontrollprogramm der Stadt vorgeschrieben war.

Die Ergebnisse zeigen, dass lediglich 119 Kinder (7,3 Prozent der Testpersonen) die Strahlungsmessgeräte wie vorgesehen die ganze Zeit mit sich führten. Die geringe Zahl ist darauf zurückzuführen, dass die Geräte irrtümlich praktisch nur in der Schule getragen wurden, nicht jedoch Zuhause, oder beim Aufenthalt im Freien.

In den Berechnungen waren normale Abweichungen ebenso berücksichtigt worden, wie statistische Daten und Angaben zu Mitgliedschaft in Sportvereinen.

Allerdings seien die Differenzen der Strahlungsmessungen zwischen sachgemäßem und unsachgemäßem Gebrauch lediglich statistisch signifikant. Für die Gesundheit der Kinder habe dies jedoch keine klinische Bedeutung, so die Wissenschaftler.

Der Umstand, dass die bislang statistisch erfassten Strahlungswerte daher mehrheitlich zu gering angesetzt sind, führe daher nicht zu nennenswerten Abweichungen von den tatsächlich vorhandenen Belastungen.

Die Wissenschaftler empfehlen eine verstärkte Schulung, um die korrekte Erfassung der Strahlungsbelastung auch abseits der Schule gewährleisten zu können. Über die Ergebnisse, die in der Ausgabe des „British Medical Journal“ vom 30. Dezember 2015 veröffentlicht wurden, berichteten Präfekturmedien.

Tiefergehende Dekontamination der Wälder gefordert: Vertreter der Präfektur Fukushima und dortiger Gemeinden, haben eine weitergehende Dekontamination der Wälder gefordert und stellen sich damit gegen den offiziellen Plan der Regierung.

Die Regierung hatte bekannt gegeben, Wälder nahe Gemeinden nur einer Teildekontamination von 20 Metern zu unterziehen. Es gäbe keine Hinweise, das radioaktiver Niederschlag sich dort signifikant ausgebreitet habe. Zudem fürchtet man eine Bodenerosion bei Abtragung des Laubs und der oberen Schichten des Waldbodens.

Die Lokalvertreter brachten ihr Anliegen am gestrigen Montag bei Umweltminister Tamayo Marukawa ein. Die einzige Aussage in dieser Angelegenheit bleibt bislang, man werde weiter für Meinungen der Einwohner offen sein.

Die Beschränkung der Walddekontamination, die Ende Dezember bekannt gegeben worden war, hatte bereits zu Unmut geführt.

Toshiyuki Hata, stellvertretender Gouverneur der Präfektur Fukushima forderte eine Überarbeitung der Pläne. Man müsse nach Möglichkeiten zur Dekontamination ganzer Wälder suchen, da viele Menschen Angst vor der Rückkehr hätten und die Gesundheit von Arbeitern in der Forstwirtschaft betroffen sein könnte.

Über das Anliegen der Präfektur berichtete die NHK und Präfekturmedien.

Arbeitskräftemangel führt zu illegaler Beschäftigung Minderjähriger: Der Mangel an Angestellten bei der Dekontamination der Präfektur Fukushima führt zu Verletzungen geltender Gesetze – unter anderem zu Arbeitsverhältnissen von Minderjährigen.

Im Juli 2013 wurde der Betreiber eines Bauunternehmens wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Arbeitsschutz festgenommen. Insgesamt vier Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren waren in seinem Team beschäftigt.

Wie sich herausstellte, war dem Unternehmer dieser Umstand jedoch nicht bekannt. Das Unternehmen befand sich im Besitz seines Pflegevaters, der das Alter in den Personalakten systematisch fälschen ließ. Dies ist kein Einzelfall, wie Berichte über Arbeitsrechtsverstöße in der Vergangenheit zeigten.

Die Verfolgung der Verstöße ist schwierig, da praktisch alle Bauunternehmen der Präfektur an den seit 2012 laufenden Dekontaminationsarbeiten beteiligt sind und dabei ein komplexes System von Subunternehmen und Partnerverhältnissen eingehen.

Im obigen Fall war der Eigentümer des Bauunternehmens bereits der dritte oder vierte Unternehmer in einer Hierarchie, die offiziell gar nicht existiert.

Bei diesen Arbeitsverhältnissen werden oft auch geltende Sicherheitsrichtlinien missachtet und sowohl Unternehmen, als auch die täglich aktiven 30.000 Arbeitskräfte haben praktisch kein Verhältnis mehr zum Thema Strahlenschutz.

Minderjährige Arbeiter meldeten sich sogar nach der Verhaftung von Betreibern erneut bei den Unternehmen arbeitssuchend. Ihnen geht es vor allem um die Bezahlung. Allerdings kommt ein Teil des versprochenen Lohns durch das Pyramidensystem nie bei den Arbeitern an.

So waren es dann auch nicht Gewissensbisse, oder Unrechtsbewusstsein, sondern Unzufriedenheit über die Bezahlung, die einen damals 17 Jahre alten Arbeiter zur Anzeige bewog. Er hatte nur ein Drittel des üblichen Lohns von 21.700 bis 25.000 Yen erhalten.

Wie die Mainichi Shimbun berichtet, bewarb sich der mittlerweile 20 Jahre alte Mann nun im Frühling 2015 beim gleichen Unternehmen als potentieller Angestellter, offenbar ohne Bedenken wegen der Arbeitsrechtsverstöße.

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